Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 27 (2.7.1845)
- Date
- 1845-07-02
- Page
- Spalte 421-422 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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421 422 Studien. Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias? Schrift von Kant gelesen, und'er bekommt eine andere dieses Verfassers in die Hände, der weiß bald, und wenn auch das Titelblatt fehlt, das das ein Kind desselben Vaters ist: und wenn auch das Eine in hebräischem, das Andere in aramäischem Kleide erscheint, das kann den aufmerksamen Beobachter nicht täuschen. Die Verwandtschaft des Charakters, die unter diesen verschiedenen Kleidern steckt, entgeht ihm nicht. Bei dem Sohar ist noch ein anderes Verhältniß. Nicht nur daß der Inhalt des Sohar sich wesentlich von den Systemen aller Kabbalisten unterscheidet, aber mit den Schriften des Abulasia bis in die geringsten Kleinigkeiten zusammenfällt, sondern die Schriften dieses Mannes enthalten alles das t h e o r e t i sch und m i t Beweisen (versteht sich nach seiner Art), was im Sohar zur Exegese des Pentateuchs anSgeführt ist. Wir können das Charakteristische und Unterscheidende des Sohar in folgende Pullkte zusammenfassen: 1) Er handelt wenig von den zehn Sefirot; 2) wo er ja davon zu sprechen kommt, werden sie auf drei reducirt und mit seiner Dreieinigkeit m Einktang gebracht. Er hat dann nämlich mm und mm NL) für die männlichen Geschlechtstheite (rnov ist das Glied, mm nsjl die beiden Hoden); p'ix oder nplH für das Weibliche, und ist dann der Sohn. 3) Wie bei Andern 'die zehn Sefirot, so spielen im Sohar die Buchstaben des Namensmm die Hauptrolle. Von diesen geht er aus und auf diese kommt er zurück. . 4) DaS Zuri'lckführen des männlichen und weiblichen Geschlechts auf das Wesen dcr Gottheit, und die Unterscheidung derselben in ndn und nen. ö) Die mit dieser Unterscheidung zusammenhängende Dreieinigkeit. Das ' im Namen mm ist ihn: der Water, das n die Miltter, und das i der Sohn — rP p. 6) Alle Ge- und Verbote bringt er mit und ndn (und, was dasselbe ist, mit “f?o und ntpoded), oder init dem Namen mrp in S5ct6uibitng* 7) Als Charakteristisch können wir auch betrachten, daß er bei jeder Gelegenheit i'lber den Zeugungsäkt und die Zengungsglieder spricht (waS zwar mit seinem System zusammenhängt), und oft mitci* dem Scheine heiliger Mystik Zoten sagt, über deren Scharfsinnigkeit man lachen nluß-. Hier ein Beispiel. Er theilt die männlichen Geschlechtsglieder in drei Stücke: das mem- Imim, und die zwei Hoden (die drei heißen: riKJ, T)D*> mpi). .8htf den Zeugungsakt gehe nun der Vers: mm rr^y jns Aber man wird sagen, dem Reinen ist alles rein: der Verfasser dachte an keine Zote. Gut! so will ich eine Stelle sagen, aus der man urtheilen möge, ob der Verfasser h e i t i g , oder fr i v o l gestimmt war/ Er kommt einmal auf die nmül&y (2 Kön. Kap. 4) zu sprechen, welche in'Bezug auf Elisa sagte: m n&yyj rrm nddi ]rhw) düd m h map mp nPy. Nun fragt er, man braucht doch zuerst Stuhl und Tisch, dann einen Leuchter, und zuletzt erst ein Bett; warinn hat die Sunamitiu zuerst vom Bett gesprochen? Antwort: weil den Weibern das Bett das Lieb st e ist. 8) Ganz besonders charakteristisch ist noch (und wenn dies auch nicht zum System kommt) der Haß gegen Mischna und Talmud. Wie sarkastisch klingt jene in meiner Schrift „Wesen u. F. d. Pentat.". S. 102 angeführte Stelle! Sie lautet: „Bis auf den heutigen Tag kannte Niemand das Grab Mosis; jetzt kennt man cs recht gut: die Mi s ch n a ist sei n Gr aß!" An einemandern Ort heißt es : „Vor drei Dingen erbebet die Erde; unter diesen ist: wenn die Magd über die Gebieterin herrscht. Die Tora ist die Gebieterin, die Mischna die Magd; jetzt herrschet aber die Magd über ihre Gebieterin". Ucber diese 8 Punkte, in denen sich dcr -Sohar charakterisirt, wollen wir nun den Abulasia hören. (Fortsetzung folgt.) Lehrt die Bibel einen pepfönlich e» Messias? Beantwortet von Dr. I. Kämpf. (Fortsetzung.) (Vergl. Nr. 7. 18. 19 d. I.) Wenden wir uns nun zu Ies. 43, 10. Daselbst lesen wir: 'im imra “MN nayi * 'n dm " ny ,/Ihr seid meine Zeugen, sprich: der Herr, und Mein Knecht, den Ich erkohren"^ u. s. w. — Daß hier als Kollektiv um zu fassen sei, unterliegt wohl keinem Zweifel; ob aber darunter Israel schlechthin, oder dessen Repräsentant, der Prophetenstand, zu verstehen sei, hängt lediglich davon ab, wie man das damit korrespondirende i-y auffaßt, ob nämlich von den Heiden, oder vom Volke Gottes. In ersterm Falle würde unter v-py Israel schlechthin, in letzterm hingegen der edlere Theil desselben zu verstehen sein. Ein tieferer Blick in die fragliche Stelle zeigt aber, daß die Anrede Gottes •rjy pHN nur an Isra el gerichtet sein kann, insofern damit ein Gegensatz zu army nm gegeben sein soll. Demnach kann hier-unter «my, das fei- 1) Ist auch mein Zeuge. 27*- IT 44