Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1845)
- Date
- 1845-07-02
- Page
- Seite 214 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360364-2360392--5022-3531411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 214 — Separat-Votum über die Beschlüsse der ersten deutschen ^Rabbiner-Versammlung zu Brmmschweig, im Juni '1844 von S. R. Hirsch, Land-Rabbiner zu Emden. Ans dem Hebräischen übertragen von ' Eduard Kampf. An die Herren H. Lehren und E. Abraham in Amsterdam J). Wie könnte ich diesmal bas Chanukka-Fest besser feiern, als wenn ich Ihr geehrtes Schreiben v. 16. Marcheschwan, das ich am 17. Kistew erhalten, beantworte. Denn ist auch' unser Herz betrübt über das Unglück des Hauses Jakobi, ist auch unser Gemüth gebeugt ob der Zerstörung unseres Heiligthums, so ruft uns doch die Geschichte der Makkaba'er zu: „Nicht verzweifelt! nicht verzagt! Noch lebt der Herr! Er wird sein Volk nicht verstoßen, wird seine Lehre nicht preisgeben! Er war mit den frühern Geschlechtern, Er wird auch mit ihren Nachkommen sein. Schauet auf den Priester Matatja! einsam stand er da, seine Umgebung deckte Finsterniß; er sah, wie arg der Feind im Heiligrhum verfahren, wie er den Altar umgestürzt, die heilige Stätte entweihet, den Gottesdienst verhindert, den Bund zerstört hatte und schon daran war, den letzten Funken des Gottesbewußtseins in Israel zu verlöschen. Da aber erhob er sich, der fromme irvnnD, und sprach:> „Und wenn mein Volk auch insgesammt vom Herrn absiele, so wollten doch ich und mein Haus von Ihm nicht lassen!" — So sprach er und faßte Muth. im Vertrauen auf Gott. Und der Herr verlieh ihm Kraft, das Vaterland von fremdem Einfluß zu befreien, dem angestammten heiliger; Glauben die alte Herrschaft Zurückzugeben, und die Gottesleuchte wieder an ihren Platz zu bringen." — Und wir sollten nun verzagen und rathlos die Hände in den Schoos sinken lassen, wenn es für den Herrn und seine Lehre gilt? — Man sage nicht, zu Matatja'sZeitsseien es Fremde gewesen, jetzt aber seien es Leute aus unserer Mitte, ja Priester, Lehrere unseres Glaubens, die wider den Herrn und seine Lehre sich auflehnen — nein, auch damals waren 1) Dieses Schreiben findet sich in einer Sammlung hebräischer Briefe, genannt n'NJpn min. Da es nächst dem Aufsatze des Dr. Frank e l (Zeitschr. für die religiösen Interessen des Iudenthums. Novemberheft 184.4) die beachtenswerthefte Verurtheilung ist, die über die Versammlung zu Braunschweig gesagt worden: so fanden wir es für angemessen, dieselbe, so weit es als Kritik der Protokolle jener Versammlung erscheint, deutsch zu übertragen, um sie dadurch einem größern Publikum zugänglich zu machen. Es versteht sich übrigens ivon selbst, daß wir uns nicht sklavisch an den Wortlaut des Textes gebunden. / Der Uebers. es Abtrünnige aus Israel, die das Unglück heraufbeschworen. Wer weiß, ob es dem Antiochus je eingefallen wäre, Israels Religion zu befehden, wenn nicht Menelaus und Konsorten ihn dazu veranlaßt. Euch aber lohne es der Herr, daß Ihr uns berufen, für seine Lehre zu kämpfen und von ihr öffentliches Zeugniß abzulegen. Welcher wahrhafte Israelit wird auch sich weigern. Eurem Wunsche nachzukommen und dem Herrn und seine Lehre Ehre zu ertheilen? — - Fürwahr, läge das zu bekämpfende Uebel nicht im Zeitgeist^ überhaupt, die Braunschweiger Versammlung verdiente nicht, daß man ihretwegen öffentlich auftrete; diese hat sich ihr Urtheil selbst gesprochen. Die Protokolle, die sie in die Welt geschickt, zeugen deutlich genug, daß ihre Tendenz nur eine destruktive war, und'daß. ihr überhaupt alle Eigenschaften abgingen, die man bei jedem Religionsweiser, besonders aber einem isra e l itisch en, zu suchen berechtigt ist. 1) Obzwar die betreffende Versammlung sich eine Rabbiner- Versammlung nennt, und alle 'Nicht-Rabbiner von der Theilnahme an ihren Verhandlungen ausschloß: so hat sie sich doch bei allen ihren Berathungen und Beschlüssen nur idiotenhaft gezeigt, so daß diese in religiöser Beziehung gar keine Beachtung verdienen. Religionsweiser und Bet- Din müssen für ihre Entscheidungen Belege auä den betreffenden Gesetzbüchern citiren, wenn sie auf Anerkennung und Gehorsam Anspruch machen wollen; entscheiden sie aber blos nach Gutdünken und eignen Einfällen, so haben sie sich Ihres Berufes und Ansehens begeben. Lesen wir nun die Protokolle dieser Versammlung, die sich den Charakter einer Rabbiner-Versammlung vindicirt, von Anfang bis zu Ende, so finden wir nur selten, daß sie auf Schriftstellen sich beruft, daß sie für ihre Behauptungen Gründe angiebt. Ihr ist ihr Wunsch Gesetz; sie spricht wie inspirirt; ihr däucht es so und sie beschließ tt — > Stiehlt sich aber einmal eine Beweisstelle in den Mund eines ihrer Mitglieder, so kommt sie nur korrumpirt heraus. So führte der Vorsitzende-) als Beleg für die Zulässigkeit einer Ehe zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten die Talmud-Stelle an: drb pN p^npi nsin * öni? an byz nb)y2; er scheint aber nicht gewußt zu haben, daß dies im Talmud (Sanh. fol. 57 b) nur in Bezug aus die Ehe zwischen Ni ch t- I u d'e n unter einander gesagt wird. Ein Anderer will 2) den Ausspruch Samuel's: *on srivb^l NJn auch auf die religiöse Sphäre ausdehnen, während Samuel doch - nur von Geldangelegenheiten spricht (Girtin sol.lOb. Nedarim 28 a. Baba batra fol. 54 b). Ein Dritter machl^) gegen die;die talrnudischen Aussprüche geltend: prja. bpri IWSJ, und 'Oi nriN V2) Q"pm h>2, sah aber nicht/ daß gerade im Geiste dieser Aussprüche die Meziza angeordnet (Sabbat fol. 133 b) und daher auch am Sabbat gestattet wurde (ibid.). In Betracht dieser Fakta muß ich sagen, daß diese Versammlung sich nur idiotenhaft gezeigt. 2) Protok. S. 71. — 3) 65 und 68. — 4) 43.