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Der Orient · 1845-07-02 · Heft 27 (2.7.1845) · p. Seite 211

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (2.7.1845)
Date
1845-07-02
Page
Seite 211 (sequence 5)
Language
German
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211 in der Han. Ztg. seien aus dem Zusaunuenhaug gerissene und dadurch entstellte Sätze" — diene zur Notiz, daß die betreffenden Akten, deren gerichtlich beglaubigte Abschrift in meinen Händen ist, im Originale in der Kanzlei des kön. baier. Kreis- und Stadtgerichts Würzburg liegen, daß die fragt. Eingabe des Hrn. Stein, ä. d. 3. Juli 1843, der genannten Gerichtsstelle am 7. desselben Monats präsentirt wurde, und daß, nachdem darauf der Beklagte unterm 23. Sept. 1843 feine Verth eid igungssehrist eingereicht, das Gericht unterm 10. Mai 1844 ein die Klage abweisendes und den Kläger in alle Kosten verurtheileudeS Erkenntnis) ertheilte, in welchem letztem freilich .hinsichtlich der jüdischen Speisegesetze und der S t e l l n n g eines N a b b i n e r s weit lichtvollere Ansichten geäußert wurden, als in der Klageschrift des Rabbiners. Nach so deutlicher Exposition ist es nunmehr Ihrem von ,,beärlgstigendem Zweifel" so sehr gequälten Korrespondenten möglichst erleichtert, etwa für wenige Gulden auch in den Besitz einer Abschrift des betreffenden Dokuments zu gelangen, und seinezweifelnde Seele ganz vollkommen zu beruhigen. (Han.Z.) Fulda, im Juni. Die Physiognomie dieser Zeit ist eine eigentümliche. Der Strom der geistigen Bewegung ist in das Gebiet des religiösen Lebens eiugedrungen. Ob er mm verheerend, ob er fruchtbar wirken werde, darüber läßt sich noch keine bestimmte Ansicht fassen. Hat die Bewegung einen so allgemeinen Charakter angenommen, dann wird sie nicht mehr allein von einzelnen Persönlichkeiten, sondern von ihrem eigenthümlichen, verkörperten Principe getragen; — und doch sind es wieder nur einzelne Persölllichkeiteu, die, da dämmend, dort durchbrechend, hier ruhig leitend, aus der Bewegung hervorragen. Auch unsre Religion ist nicht verschont geblieben, der Stoß, hauptsächlich von schlechten Rabbinen ausgegangen, hat sich noch wenig der großen Masse mitgetheilt. Mehr als bei andern Konfessionen muß bei uns auf tiefen religiösen Sinn und auf die Gediegenheit des Charakters unsrer jungen Geistlichen' gesehen werden; denn sie sind besonders berufen, uns das Gute zu lassen uns das Bessere zu bringen. Hier ist also die einzelne Persönlichkeit wichtiger und Pflicht, auf dieselbe hinzuweisen. Dieses bestimmt den Referenten, eines jungen Mannes zu erwähnen, der bei mehren hiesigen Familien viele Jahre als Privatlehrer gestanden und nicht allein die Achtung der Eltern, sondern auch das unauflösbare Band der Liebe und Verehrung in den Gemüthern seiner Schüler zurückgelassen hat. Ein scharfer Heller Verstand verbindet sich bei ihm mit einem tiefen religiösen Gemüthe und einem ernsten biederen Charakter; Gaben, geeignet, sich die Achtung Aller zu erwerben, die ihn näher kennen lernen. .Bedauern die Eltern seiner hiesigen Schüler, noch mehr aber diese, beide dankerfüllt für das Gute, das er ihnen gebracht, für den fruchtbaren Saamen, den er unter sie ausgestreut hat, seinen Abgang sehr; so-begleiten den neuen Rabbiner für den Kreis Schaumturg doch ihre so herzlichen als freudigen Wünsche für ein schöneres Loos, als das war, welches ihm eigne, außerhalb liegende Verhältnisse gebracht hatten. Mit diesen Wünschen nehmen wir, Ihre früheren Schüler und deren Eltern, von Ihnen, Herr Rabbiner Gers seid, herzlichen Abschied! Möge Ihr Wirken in einem grössten Kreise und -hohren Berufe zum Heile Israels stets so segenvoll werden, als es uns geworden ist! Nodenberg, 18. Juni. Wenn Synagoge und Schule die beiden Pole des jüdischen Lebens bilden, und wahre Religiosität nur da keimen und blühen kann, wo jene eine Pflanzstätte des Glaubens und der Frömmigkeit, der Wissenschaft und der Wahrheit sind, so können wir uns stellen durch die Ernennung des Herrn Gersfetd zum hiesigenKreisrabbincr einen Mann zu besitzen, der in Synagoge itnb Schule neues Leben bringen, die glimmenden Funken zur lodernden Flamme anfachen und eine Gelleration heranbilden wird, die Juden sein werden im wahren Sinne des Wortes. Zu diesen schönen Hoffnungen berechtigt uns nicht mtr unsere persönliche Bekanntsthaft, sondern auch seine am ersten Tage Schabuot gehaltene Antrittspredigt, worin er das Verhältnis) des Rabbiners zu seiner Gemeinde mit kräftigen Zügen als ein lebendiges, heiliges und freies schilderte, worin er'aussprach, wie fein ganzes Streber: eines Theils dahin gehen werde, seine Gelueinde sicher und gefahrlos durch die im Judenthume entftanbenen Wirren und Schwankungen hiudurchzuführeu, wie er als treuer Hirte Tag und Nacht wacher: wolle, daß die Gefahr spurlos an ihrem Haupte vorüberziehe, urrd wie er andern Theils seine volle Kraft der Jugenderziehung weihen rnrd aus ' den Knaben Männer machen werde und Stützer: des Jlldenthums. Möge der Atlgütige ihm Kraft verleihen zu seinem heiligen und schwierigen Werke und seine Bemühungen gedeihen lassen! — Schwerin, 24. Juni. Ich erlaube mir hier Ihnen ein Dankschreiben au Hrn. Holdheim zrr übermachen, das der Veröffentlichung wohl wcrth ist. Nicht die Eitelkeit, Hrrr. Holdheim zu schmeicheln, sondern das tiefe Bedauerrr, daß der Ausruf im Orient für die drrrch die Fluth beschädigten Glaubensgenossen in Prag nur in dem Herzen Holdheims eine!: Widerhall gefunden, ist der Grund. Wenn die religiösen Parteikärrrpfe die Schuld tragen, wenn sie die Gemüther für Leiden verhärten, daun wären diese'Zustände doppelt zu bedauern. Hier das Dankschreiben aus Prag; Hrn. Dr. S. H o l d h eim, Rabb., Ehrwnrdcu: Meinen innigsten Dallk im Namen der durch die Hochftuth beschädigten armen Glaubensgenossen für die zu ihrer Unterstützung gcfaminclten und nur mittelst Post eingesandten 69 Thlr. Pr. Courant. Die Vertheilung jener Spenden, welche direkt an 27*

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