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Der Orient · 1845-07-02 · Heft 27 (2.7.1845) · p. Seite 210

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (2.7.1845)
Date
1845-07-02
Page
Seite 210 (sequence 3)
Language
German
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210 nischen Ausspruchs bedarf), nachdem doch unläugbar feststeht, daß die Regierung bei der Oberkirchenbehörde äuge fragt hat, nachdem vorher schon die Ordnung zu Gunsten der Gewissensfreiheit der Israeliten b e st an d — und doch wohl schwerlich den lieben ,,Staat" an den Rand des Abgrunds gebracht hatte — und nachdem die Oberkircherrbchörde erklärt hat, es sei, wenn die Zuchthausordnung (der „Staat" des Hrn.Dr. Maier) es so vorschreibe — nämlich kü nfLig auf das Gutachten hin so vorschreiben werde), denn bis. dahin, das mußte die O.-K.-B. wissen, schrieb sie es doch noch uicht vor!) die (Rcligions-?) Pflicht des israelitischen Sträflings, am Sabbat zu arbeiten! — In dem Cirknlarschreiben werden die armen Rabbiner, die Geschöpfe und Untergebenen der Oberkirchenbehörde, von ihrer hochgebietenden Herrschaft per decretum aufgefordert , die Kirchemorsteher (D'D.nD) zu „belehren" und zu beauftragen, die eingeschlichencn Irrt hum er und (hört! hört!) falschen, gehässigen Auslegungen (die vom Minister vmsgegangen!!) zu beseitigen und zu entkräften. — Die unglücklichen Rabbiner befinden sich somit in der Alternative, entweder gegen ihr Gewissen die offenbar falsche Interpretation des „nih NJH Nntten" zu adoptiren und das Vertrauen ihrer Gemeinden einzubüßen, oder die unversöhnliche Rache des Hrn. Maier auf ihr Haupt zu laden. — Hatte uicht Hr. Adler zu Worms vollkommen recht, daß er den Gegnern der R.-V. denuneirend vorwarf, sie seien keine so treuen U n t e r t h a n e n wie er und seinesgleichen? War je ein Geistlicher ein so treuer Unterthan als der Präsident der R.-V., der seine Religion der weltlichen Macht — v erkauft? o nein, der sie dieser zum Kauf an bietet, aber mit seinem HandelSantrage abgewiesen wird! — O ihr Minister und Volksvertreter des deutschen Vaterlandes, kommt doch zilr > nächsten Rabbinerversammlung nach Frankfurt am Main, nehmet als „Laien" Platz auf der Gallerie, wenn euch Eintrittskarten bewilligt werden, und empfanget da Lektionen über Patriotismus und Unterthanenpflicht aus bciu beredten Muüde der allergetreuesten und allerunterthänigsten Rabbi's, dieser Ideale und Neuster von Schmiegsamkeit und Fügsamkeit, die/ministerieller als die Minister, royalistischer als die Könige und also auch ohne allen Zweifel patriotischer als alle Deputirte, auch eine recht hübsch weitläufige und larege Predigt halten werden über den klassischen Text jenes Ausrufs der altfranzösischen Legitunisterl: „Vivo le roi quaiul~nieme“. ..... Um mit etwas Erfreulicherm zu schließen, habe ich Ihnen noch zu melden, daß der Artikel im „Orient", welcher die so häufige gänzliche Misachtung und offene Uebertretung der Synagogenordnung rügte, seinen guten Zweck uicht verfehlt hat. Es ist von Seiten der Oberkirchenbehörde' nunmehr an die Rabbiner eine strenge Aufforderung ergangen, einzuberichten, w o, w o r i n und warum die Synagogenordnung in ihren ''esp. Rabbinaten nicht gehandhabt werde. Es ist denn eben doch eine schöne Sache um die Presse! Hoffen wir, daß durch Ihr geschätztes Blatt noch recht viel Gutes, wie bisher, verbreitet unb gefördert werde. L. Frankfurt a. Alt., 11. Juni. Der in Ihrem Blatte vom 9. d. M. enthaltene, die Ansicht des hiesigen Rab.biners, Herrn Stein, in Betreff der jüdischen Speisegesetze besprechende Artikel hat auf den größten Theit der hiesigen Judengemeinde einen höchst peinlichen Eindruck gemacht. Wir glaubten in Herrn Stein cmcit Mann des Fortschrittes zu besitzen, und wenn er auch bis heute, außer in den Formalien des Gottesdienstes, nach dieser Richtung hin wenig gethan hat, oder wie Manche bemerkt haben wollen, etwas schwankend aufgetreten, so fanden alle billig Denkenden wieder eine Entschuldigung hierfür in der Neuheit der Stellung dieses ans einer kleinen, auS einfachen Elementen bestehenden Landgemeinde kommenden Rabbiners, gegenüber unserer selbst in ihren einzelnen Parteiungen noch bedeutenden und überallhin wohlvertretenen Judenschaft, und sahen in ruhiger Zuversicht seinem ferneren Wirken entgegen. Man müßte sich nun freilich m seinen Erwartungen von vornherein getäuscht finden, wenn die in beregter Korrespondenz angeführten Ansichten und Grundsätze wirklich bxejcnigcit des Herrn Stein wären. Jetzt befinden wir uns in einem Zustande beängstigenden Zweifels nach zwei Seiten hin, welchen —etwa durch Mittheilung vollständiger Aktenstücke — zu lösen, der Einsender jenes Artikels sich, Hrn. Stein und vor allein dem Publikum schuldig zu sein scheint. (Han. Z.) Frankfurt a. M., 14. Juni. In der Beilage Ihres gestrigen Blattes wird -des Eindrucks, den das Bekanntwerden der Ansicht des Rabbiners Stein über das sogen. Trefahessen erwähnt und dabei von „beängstigendem (?) Zweifel" gesprochen, den der Einsender des bezüglichen Berichts in Nr. 158 d. Bl. „etwa durch Mittheilung v o l(st ä nd i g e r Aktenstücke", „schuldig zu sein scheine". Als ob Hr. Stein seine hierher einschlägigen Grundsätze noch jemals in Abrede gestellt hätte! Hat er doch erst vor einigen Wochen von der Kanzel herab über das Chamez-Essen an den jüdischen Ostern die Strafe der „Ausrottung" (Kareth) ausgesprochen I — Die betreffenden Akten aber enthalten außer den im erwähnten Artikel ausgezogenen allgemeinen Principien auch noch einiges Private, dessen Veröffentlichung Hrn. ©teilt vielleicht persönlich nicht angenehm sein möchte und das ich daher, als an sich nicht vor daS Publikum gehörendnur etwa auf eine Aufforderung des Hrn- Stein selbst oder seiner Obern mittheilen werde. Zweiflern jedoch, sowie solchen Personen, denen man zu sagen beliebt hat: „Die Auszüge

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