Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1845)
- Date
- 1845-07-02
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der <g Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirtbei allen Löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Br. Julius Fürst» Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 2^. Leipzig, den 2. Juli ÄA4S« Inhalt. Deutschland. S ch w ä b i sch-H a l l. Beleuchtung der Erklärung des Kirchenraths Maier. Wirkung der jüdischen Presse. Frankfurt a. M. Slein's Nichtwirken. Frankfurt a. M. Stein's Orthodoxie. Fulda. Nachruf an Hrn. Gersfeld. Rodenberg. Begrüßung des Rabb. G e r s fe ld. Schwerin. Dankschreiben an H o l d h eim aus Prag. Berlin. Mitternächtliche Wanderung. — Oesterreich. Brody. Dr. Ehrenreich. Prediger und Frauen. Rabb. Christianpoller. — Frankreich. Aur Geschickte der Juden in Metz. — Separat-Boturn des Rabb. Hirsch über die R.-V. — Personalchrorük und Miscellen. Jom Kippur in Franks, a. M. — LB. d. Or. Deutschland. Schwäbisch-Hall, 19. Juni. Die Erklärung des Hrn. Dr. Maier im ,,Orient" in Betreff der erzwungenen Sabbatsentweihung jüdischer Sträflinge ist hier zu Lande allgemein nicht nur ungenügend gefunden worden, sondern sie hat die Aufregung und Erbitterung gegen das theologische Mitglied der Obcrkirchenbehörde noch bedeutend gesteigert und keinesfalls das Vertrauen zu Hrn» M. und zu der von ihm präsidirt gewestllen Rabbiner-Versammlung wiederhcrznstellcn vermocht. Die Oberkirchenbehörde hat sich durch diese fast allgemeine Mißstimmung jit einen: weitern ofsiciellen Schritte veranlaßt gesehen, der jedoch seinen Zweck eberlso verfehlte, wie die Erklärung im ,,Orient", deren Fortsetzung unb nähere Erläuterung das neue Aktenstück eigentlich .ist. In diesen:, welches üt Form eines Cirkulars an sämmtlrche Rabbinate des Landes abgefaßt ist, wird sonderbarerweise behauptet, das kon. Ministerium habe den, übrigens völlig ,,klarcn Wortlaut" dos fraglicherl Gutachtens, auffallend mißverstand en, inden: die O.-K.-B. nur habe sagen wollen, daß man bei absoluter Nothw eudigkeit (?) dem Staatsgesetze uachzugeben habe, wobei wieder die verbrauchte Hoffmann'sche Perfidie von den: Nnrten NJP1" ins Feld gefi'lhrt wird, welchen an sich ebenfalls ganz klaren, die Heiligkeit nichtjüdischer Richtersprüche festsetzenden Ausspruch Hr. Maier freilich ebenso gut mißverstehen durste, als, nach seiner Behauptung, der Minister sein Gutachten misvcrstand *). Wir dürfen nun nicht fragen, warum denn die O.-K.-B. sich so undeutlich airssprach, daß der Minister das Gutachten falsch verstehen konnte — denn Letzteres war ja ganz klar! — und mit dem Minister dürfen wir ebenfalls nicht rechten über seine OberftächlichkeiL — denn er war ja human genug, das jüdische Gutachten im Interesse der Gewissensfreiheit zu ■— verwer fen l Aber die eine Frage ist uns doch wohl gestattet: Wie kann man es vor den Augen deö Publikums wagen, von ,,absofuter Notwendigkeit", also von Zwang Seitens der Negierung (in den man sich sehr natürlich, wie in alles Unvermeidliche, ergeben müßte, was aber keines rabbi- ’) Das geschieht nun seit Kurzem schon zum Zweitenmale, daß ein Rabbiner im Angesicht des Publikums mit der Behauptung auftritt, man habe seine Worte „misverstand e n", falsch interpretirt, und man müsse zu dem neurabbinischen Deutsch stets den allenfalls nachfolgenden rabbrnischen Kommentar abwarten, bevor man sich ein UrLheil darüber erlaube! Statt „herber Rambam's" u. werden wir also künftighin herbe Geigers, Maie r 's rc. zu erklären und -reitzutreten haben. Es fragt sich jetzt nur, ob Hr. Geiger mehr im rabbinischen „Rechte" war, als er blos von uns, dem „Volke", nicht in seiner eigentlichen Liefe erfaßt worden zu sein vorgab, oder ob es Hr. Maier ist, der von einem Minister misverstanden zu sein behauptet. Das „Volk" meint indessen, es habe nicht blos die Breslauer und Stuttgarter Erklärungen, sondern auch sogar die HH.Rab- L L n e r selbst sehr wohl verstanden. Anm. d. Eins. 27