Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 26 (25.6.1845)
- Date
- 1845-06-25
- Page
- Spalte 405-406 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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405 Kritiken. Kurze Anzeigen. philosophischen Problemen zu erforschen den Beruf hat: der Staatsmann Und der Gesetzgeber, welcher in der zur weltgeschichtlichen Bedeutung gewordenen Judenfrage so oft bei dem Judenthume anzufragcn hat, werden aus diesen unparteiischen Zeugen der Vergangenheit wohl eher die Wahrheit erfahren, als aus dem Geschrei der Gegenwart: und auch die jüdischen Lehrer und Meister der Gegenwart, welche an einer Fortbildung des Judenthums und seiner Principien mühsam zur Erhebung ihrer Brüder arbeiten, werden den Resultaten ihres Geistes nur durch Verkettung mit der philosophischen Vergangenheit des Judmthums, durch die Geschichte der jüdischen Religkonsphilosophie, einen. festen Standpunkt geben. Die Geschichte ist als Dolmetscherin der Vergangenheit auch die Prophetin der Zukunft. Was den erwähnten Cyklus der jüdischen Neligionsphilosophieen anlangt, so beginne ich. denselben mit dem Emunot we-Deot (Glaubenslehre und Philosophie) von , Saadja Fajjumi, (st. zu Sora, am Eusrat 942 n. Chr.). Diesem soll dann das Dialogenbuch Knsari von Iehuda ha- Lewi Kastilin (aus Kastilien), das dreigetheilte, berühmte Buch M ore Ne buch: m (Weisung für Irrendes oder wie es im Original Heißt/Dela lat e l-'H aja rin, von M u sa M a i m u n i (M u sä ben M a i m u n), das Buch Milch am o 1-J e h o w a (Gotteskämpft) von Leon de Bastolas (Lewi ben Gerschom) und endlich das Buch Jkkar im (Wurzeln) .von Io s e f Aldo folgen. Ueber jedes dieser Bücher, wie über jeden der betreffenden Verfasser, wird natürlich in Schlußabhandlungen zu den Übersetzungen, jso viel' als zur allgemeinen Belehrung nöthig ist, gesprochen werden. — Für einem andern, mit dem hier zu gebenden nicht zusammenhängenden (Zyklus, habe ich mir zur Aufgabe gestellt, andere fünf religionsphilosophische Erzeugnisse zu übertragen, nämlich das in dem dritten Viertel des elften Jahrhunderts abgefaßte MekorChajim (Lebensquell) vpn Salomo ben GeLirol aus Malaga, so weit dasselbe sich uns noch erhalten, das etwa aus dem ersten Viertel des zwöfften Jahrhunderts stammende Arugatha-Bosem (Gewürzbeet) von Musa Jbn-Esra aus Granada, das Schaar Ha-Jichud (Abschnitt über die Götteseinheit) von Bachji ben Josef, und die zwei karäischen Religioasphilosophieen Ez Chäjim (Lebensdaum) von Ahron ben Elia aus Nikomedien, und das Buch M e ch k a r (Forschung) von dem Karäer Josef ha-Roeh." (Forts, folgt.) 28) Maimonides im Kampf mit seinem neuesten Biographen Pecex Beer. Von I. Bukofzer. Berlin, 1844. S. D. Schnitzer. (XV und 80 Seiten.) Das Machwerk Peter Beer's hat leider so viele Verbreitung, und so besonders günstige Aufnahme bei.den christlichen Gelehrten gefunden, daß es nicht blos-den Verehrern des großen Moses, sondern allen Freunden der Wahrheit inniger Wunsch sein muß, den Einfluß dieses Machwerkes gebrochen zu sehen. In der jüdischen Literatur haben wir viele Beispiele, daß die mit gutem Willen und mit Kraft begabten 406 Forscher über die höchsten Gegenstände saumselig schweigen und ihre Theilnahme daran erst später durch das Bedauern ausdrü.cken, daß der edle Gegenstand in unwürdige Hände gefallen ist. Hundert jüdische Medieinec, Philologen, Philosophen und Theologen vor-und nach Beer haben das Leben Maimuni zum Thema ihrer Jnaugural-Abhandlungen gemacht, haben dort, wo man nichts Neues und nichts Grund-, liches erwartet nur die alten Fabeln wiederholt, wahrend Männer von Fach schweigen! Wäre Maimuni Christ gewesen, er hatte als großer Theologe unter den Theologen, als großer Philosoph unter den Philosophen, als großer Arzt unter den Aerztm tüchtige Biographen gefunden z der Jude Maimuni freilich setzt nur den Fleiß von Unberufenen in Bewegung! Herr Bukofzer hat sichrem Verdienst erworben, indem er die' Verteidigung des größten Mannes im Judenthum des Mittelalters wieder aufnimmt, und besonders die so frevelhaft verbreitete Sage von dessen Uebertritt zum Islam bekämpft. Es wird in der Abhandlung sowohl aus den Schriften des M. wie aus seinem Leben bewiesen, wie unlauter die Quellen dieses Märchens und wie unhaltbar alle Gründe und Vermuthungen dafür sind. Dieses Streben und der fromme Eifer des Verfassers mag manche Sünde,.die hier'in Form und Inhalt begangen wird, in milderm Lichte erscheinen lassen, und die Kritik veranlassen, ihren Arm der'Gerechtigkeit schonender zu schwingen. Wir knüpfen an diese kurze Anzeige die Aufforderung an den Berliner Kulturverein, die gründliche Untersuchung und Beschreibung des Lebens und der Leistungen Maimuni's zum Gegenstand einer Preisaufgabe zu machen, zur Lösung aber einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren zu bewilligen. F. Lt. 23) Das Religiöse und Politische im Judenthum, von Dr. Sam. Hold heim. Schwerin, 1845. 8. (Fortsetzung.) Wir wenden uns nun zu dem Streitpunkt, das Princip der /jüdischen Ehe, wo die Herren Frankel und Holdheim nur in soweit divergiren, indem dieser die Ehe mit ihren Rechten und Pflichten nur für ein civilrechtliches Verhält» iß hält, jener dieses ihrem ursprüglichen Prineip nach anerkennt, das sich jedoch im Verlauf der Zeit zu einem religiösen gestaltet habe. Die Ehe fleht aber im Judenthum noch weit höher als Alles was der Vers, gewöhnlich mit dem Epithet „religiös" zu benennen pflegt, und ihre Heiligkeit steht weder unter dem Einfluß der Religion allein, noch unter dem Schutze des Civilrechts, sondern unter der Allmacht des göttlichen Naturrechts, geheiligt und geregelt durch religiöse Normen. Der Mann erwirbt nicht die Frau als ein Besitzthum, mit dem er nach Belieben-verfahren, sie, wie es bei den Römern Recht und Sitte war, verleihen oder verschenken kann, sondern als ein Th eil seines Lebens selbst; eine Verletzung der Heiligkeit der Ehe wird l ’ 26*