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Der Orient · 1845-06-25 · 26 (25.6.1845) · p. Spalte 403-404

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
26 (25.6.1845)
Date
1845-06-25
Page
Spalte 403-404 (sequence 2)
Language
German
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404 403 , Kritiken. Fürst's philosophische Bibliothek. risi's Tachkemdni), Wigand (die Juden in Oesterreich; Eisenberg's Schrift; einige Flugschristm und das große Unternehmen der jüdisch - philosophischen Bibliothek), V c it (Zunz's Werk über die jüd. Literatur und Geschichte, des 11. und 12. Jahrhunderts; Fra n ke l's Schrift über den Beweis; S a ch s' Schrift über die hebr. Poesie und früher Iedner's „Auswahl") haben nach und nach eine Gleichstellung der jüdischen Literatur erklärt, welche aufrecht zu erhalten allerdings die Sache.der Juden ist. So haben wir hier die erste Lieferung eines großen Unternehmens, das nicht blos in Betreff der Presse, sondern zugleich iw Beziehung aus den innern Werth der jüdischen Literatur, eine literarische Emancipatwn verkündet. Doch hören wir dem Vers. selbst über Tendenz, Umfang und Ausführung dieses auf mehre Bände berechneten Werkes in der Vorrede sich aussprechen: „Auf keinem Gebiete der Philosophie wurde in der bewegten' neuen Zeit mit so vieler Hartnäckigkeit und Energie, mit so. vielem Geiste und kritischem Scharfsinne gekämpft, als auf dem geheimnißreichen. Boden der Religionsphilosophie. Die Mysterien der Religion bis-.zu ihren verborgensten Schachten, bis zu ihren letzten Quellen zu verfolgen, die Offenbarungen des übernatürlichen Glaubens bis zu ihrem innersten Mark im Schmelzofen der jphilosophischen Kritik zu prüfen, war nicht blos die Aufgabe der modernen, zur Negation des positiven Glaubens gelangten, Heroen der Philosophie, sondern auch die hellsten Köpfe von Kant bis Schelling haben ihren Reichtum an philisophischem Wissen der Religionsphilosophie zu gewendet. Aber dieser Geisteskampf war nur auf dem stusenweiftn Gange der Geschichte möglich; die Epigonen mußten "vorerst ihre Ahnen aufzehren, die Voraussetzungen mußten erst überwunden werden, wenn die Konsequenzen zu neuen Voraussetzungen sich gestalten sollten. Und in der Geschichte waren viele Blätter, die man theils aus Vorurtheil nicht gelesen, oder aus Unkunde nicht lesen konnte; man wachte auf dem geschichtlichen Stufengange übermütige Sprünge, obgleich die Sprossen gar nicht fehlten; man beachtete nicht die vielen Ringe inlder großen Kette der Religionsphilosophie, welche die Juden mit emsigem Fleiße im Verlaufe von Jahrhunder- ' ten gearbeitet. Die neu erstandene Geschichte die Philosophie suchte jzurn Vorwurf der modernen Spekulation die philosophische Thätigkeit aller Iahunderte durchzunehmen; sogar die unreifen Abarten und Vorübungen des neuern philosophischen. Strebens, nämlich'die unfruchtbaren Philosopheme der großen Nachtperiode, von dem Irländer I o h a n n Skorus E r i g e n a bis auf den Holländer Ren e D e s c a r t e s, wurden für dm Dienst der modernen Religionsphilosophie nicht verschmähet. Nur die Benutzung der relkgionsphilosophischen Arbeiten der Juden vermißt man mit Bedauern in allen Forschungen über die Religion, in allen Handbüchern und Komspendien der Geschichte der Philosophie, und nicht einmal das " Literaturgeschichtliche über dieselben findet sich da ausgezeichnet. And die Juden waren seit 900 n. Chr. in der. phitiofophischen Durchbildung ihrer Glaubenssätze mit glühendem Eifer und mit lobenswerter Ausdauer thätig; sie waren es, die früher als die Kirchenlehrer des Scholasticismus den Drang nach einem philosophischen Verständnisse der religiösen - Mysterien' in sich fühlten. Die Juden hatten im Verlaufe des Mittelalters sich die philosophischen Arbeiten der alten Welt, sowohl der Griechen als der Römer, angeeignet und sie vielleicht schon aus syrischen Uebersetzüngen noch vor den Arabern studirt; sie hatten die späteren überschwenglichen neuplatonischen Schriften nicht nur gelesen und übersetzt, sondern sogar zur Ausbildung des Neuplatonismus vorzüglich beigetragen. Mit der Blüte arabisch - maurischer Kultur haben die Juden zuerst die vielen Erzeugnisse aller. Phasen der philosophirenden Araber durchforscht, übersetzt und für ihre Religionsphilosophieen benutzt, und schon in ihren Uebersetzungen und Kommentarien der arabischen philosophischen Werke, welche hundertfältig sich noch erhalten, wenn man auch die originalen Arbeiten abzieht, haben sie ihren philos ophischew Ernst dokumentirt. Getränkt von diesem Geiste, entstanden fast seit einem Jahrtausend in kaum unterbrochener Folge die Mischen Religionsphilosophieen, die, obgleich die Flecken der Zeit wie alle. menschliche Arbeit an sich tragend, an Gediegenheit und Fülle den übrigen philosophischen Arbeiten des Mittelalters gewiß nicht nachstehcn. Schon der Ruhm, welchen die Geschichte der Philosophie den Juden .zugesteht, daß sie die arabischen Versionen, Paraphrasen und Erläuterungen der. aristotelischen Schriftwerke in lateinischen Uebersetzungen umgegossen und den Scholastikern zugeführt haben, hätte auf die eigenen Arbeiten derselben, theils zur philosophischen Erforschung und Begründung des Judenthums, theils zur Bekämpfung des Christenthums, Hinweisen können, und höchst wahrscheinlich wäre es auch geschehen, wenn nicht die später eingetretene sociale Abgeschlossenheit der Juden, und in deren Folge die allgemeine Unkunde der Sprachen, in welchen dergleichen Werke abgefaßt waren, die Umsetzung erschwert und verhindert hätten. Von dieser Betrachtung geleitet, entschloß ich mich, einen Cyklus der vorzüglichsten jüdischen Religionsphilosophieen des Mittelalters, im Gewände einer einfachen verständlichen deutschen Übertragung, dem großen philosophischen Publikum, christlichen oder jüdischen Bekenntnisses, vorzulegen- und ich freue mich, daß die jede freie philosophische Wissenschaft so gern fördernde Verlagsbuchhandlung dazu die Hand bot, um diese, großenteils zum ersten Mal erscheinenden Uebersetzungen auch äußerlich in gefälliger Form erscheinen zu küssen. Ich glaube auf eine allgemeine sich betätigende Theilnahme um so eher rechnen zu dürfen, als unter den geistigen Bewegungen und Kämpfen der Gegenwart die Fragen über Judenthum und Juden keine untergeordneten Stellen einnehmen, und es-muß Jedem, der sich für diese Fragen interessirt, lieb sein zu erfahren, wie die Lehrer und Meister der Juden in allen Jahrhunderten das Judenthum verstanden und vorgetragen. Der Theologe, welcher das Christenthum für ein sublimirtes Judenthum ausgiebt: der Philösoph, welcher den Entwickelungsgang des Geistes und seine Beschäftigung mit den

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