Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1845)
- Date
- 1845-06-25
- Page
- Seite 204 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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204 Rückstand gekommen, was ich . um so mehr bedauern muß, als es gegenwärtig die einzige Monatsschrift ist) die ich ans Frankreich zngeschickt erhalte. Wir'wollen nun das Versäumte nachholen. März-Heft: 1) dieJu- 'denemancchation in England und in Preußen. Hr.-B. vergleicht beide Staaten miteinander, sucht in beiden die Ursachen der Nichtemancipation ans, und findet England ehrenhafterdaun wird die AugSb. A. Z. und ihre judenfeindliche Tendenz bei diesem Gegenstände nachgewiesen, welcher ein- Artikel des Courier francais entgegengcstcllt wird. 2) Die Reise nach Palästina von Lady Montefiore. Hr. Dr. Frankel gab über dieses Reisebuch einen Bericht, den Jost im Wiener Kalender schon früher ltnb ausführlicher gegeben, und der Schreiber im L’Univers folgt dein Hrn. F. nach. 3) Schluß der historischen Novelle: Das ist ein Jude! von Ad. Milli aud. 4)-Mittheilungen aus Paris und Metz. Z) Nettigkeiten auS Frankreich, ans denen wir das Wichtigste mittheilen werden. April-Heft. 4) Die rabbinische Schule 'zu Metz und der Großrabbi des Ccntralkouststoriums. Erster Artikel. 2) Ueber Autorität und Reform, von S. Klein, N. in Durmnach. 3) Der Protest der 77 Rabbiner. 4) Forts, über die Reisebeschreibung von Palästina. 5) Forts, der Briefe des Juden zu Mogador. 6) Mittheiülngen aus Frankreich. — Mai-Heft. 1) Die jüdisch-deutsche Kirche. 2) Forts, über die Reise nach Palästina. 3) Eine historische Mittheilung. 4) Korrespondenz mit dem Zwerg-General Tom Puff. 5) Mittheiümg aus Frankreich. Daö ist das Hauptsächlichste der drei letzten Monatshefte und diese Ueberficht möge dieser: oder jener: zum Lesen arrreizen. Zum Schluffe noch eirre Bitte. Hr. Adv. Bedarfes hat einen Artikel über die jüdische Literatur des Mittelalters im Journal du Midi veröffentlicht, Hr. B. würde so Manche seiner Leser verbinden, wenn er denselben mittheiler: möchte. — Mtts Württemberg, 1l. Juni. Nun sind die Würfel geworfen. Einstimmig ist in der 57. Sitzung der Kammcrabgeordneten die Petition der Israeliten Würtembergs, um Verbesserung der bürgerlichen Zustände, unterstützt und der Regierung empfohlen worden. Ich übermache Ihnen zum Zwecke der Veröffentlichung die beiden schwäbischen Blätter, den Merkur und den Beobachter, woraus Sie die Verhandlungen abdrucken lassen mögen. Dem würdigen Doktor Weil wird die Geschichte der Israeliten Deutschlands das würdigste Monumentsetzen, der durch seine kein Opfer scheuende Mühe seinen Glaubensgenossen dasguteRecht erkämpfen hilft, und diese Blätter, als die einstigen Materialien der Geschichte, werden ihre Pflicht erfüllen und'diesen Ehrennamen dahin tragen, wo Israel schon frei unter seinen Mitbürgern wohnt und wo es noch geknechtet unter Vorurtheilen seufzet. Möchte Deutschland das kleine Schwaben, von dem die Emancipation der Wissenschaften ausgegangen, auch in Sachen der Juden sichzum Vorbilde nehmen! Nun komme die Mkttheilung über die 57^ Sitzung, worüber der Beobachter Folgendes berichtet: Die heutige Sitzung, welche von Morgens 9 bis Nachmittags ^2 Uhr dauerte, ward ganz mit der Berathung des Berichts der staatsrechtlichen Kommission, die Bitte der Israeliten um Verwendung für den Zweck ihrer Gleichstellung mit den christlichen Unterthanen,. oder doch jedenfalls um eine Revision des Gesetzes vom 25. April 1823 über die öffentlichen Verhältnisse der Israeliten im Sinne der Gleichstellung be-. treffend, ausgefüllt. Der Kommissionsbericht (Verlästerst. H o lzinger)ist äußerst umfangreich, und beleuchtet die früheren wie die jetzigen Verhältnisse der Israeliten auf eine erschöpfende Weise. Dem Principe nach spricht die Kommission einer vollständigen Emancipation der Juden das Wort, so daß ihnen auch die staatsbürgerlichen Wahl- und Wählbar- Leitsrechte zuzuerkennen wären; denn sagt die Kommission: die, Gerechtigkeit erfordert Gleichheit vor dem Gesetze und Gerechtigkeit soll das erste und leitende Princrp der Gesetzgebung sein. Sollte es sich also um neue staatsgrundgesetzliche Be- - stimmungen handeln, so vermöchte sich die Kommission für einm Grundsatz nicht auszusprechen, welcher den Genuß politisier Rechte vom religiösen Glauben abhängig machen oder überhaupt das Aeußere des bürgerlichen.Lebens durch einen bestimmten religiösen Glauben bedingen würde, sofern die S/aatsbürger durch die Grundsätze ihrer' Religion an de: Erfüllung der bürgerlichen Rechte nicht gehindert werden. Allein, sagt die Kommission, der Standpunkt, von welchem st beider vorliegenden Bitte der Israeliten auszugehen habe, sei ein anderer, es sei em positiv rechtlicher. Unsere Verftssungsurkunde stellt im §. 21. den Satz auf: „Alle Würtemberger haben gleiche staatsbürgerliche Rechte, und ebenst sind sie zu gleichen staatsbürgerlichen Pflichten und gleicher LheilnalMe . an den Staatslasten verbunden, so weit nicht d/e Verfassung eine ausdrückliche Ausnahme enthält." Der §. b7 sagt: „Den vollen Genuß der staatsbürgerlichen Rechte ge.neßen die drei christlichen Glaubensbekenntnisse. Andere christliche und nicht christliche Glaubensgenossen können zur Lheilnahme an den bürgerlichen Rechten nur in dem Verhältnisse zugelaffen werden, als sie durch die Grundsätze ihrer Religion an der Erfüllung der bürgerlichen Pflichten nicht gehindert werden. Ferner bestimmt dieselbe hinsichtlich Ler Ausübung der staatsbürgerlichen Wahl - und Wählbarkeitsrechte: §.135. Die allgemeinen Erfordernisse eines Mitgliedes der Ständeversammlung sind: 1) dasselbe muß einem der drei christlichen Glaubensbekenntnisse angehör er: rc. §. 142. Zu Ausübung des Wahlrechts jeder Art werden eben die persönlichen Eigenschaften erfordert, welchenach §135. der Abzuordnende selbst haben muß. Daß die Verfassungsurkunde die Ausübung der. staats- ' bürgerlichen Wahl - und Wählbarkeitsrechte von einem der drei christlichen Glaubensbekenntnisse abhängig macht, ist hiernach für sich klar, und sie hat daher eine Ausnahme von der