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Der Orient · 1845-06-18 · Heft 25 (18.6.1845) · p. Seite 196

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 25 (18.6.1845)
Date
1845-06-18
Page
Seite 196 (sequence 7)
Language
German
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— 196 - oder 31. Tag anznfangen habe; ater selbst bei heiterem Himmel, wo zwar der Mond bald nach der Konjunktion (der Zeitpunkt, wo der Mond dergestalt beleuchtet wird, daß fein bcr jitgcfcrjttc ^äXftc ganz dunkel bleibt), zwar auf irgend einen Punkt der Erde sichtbar wird, kann wohl noch ein ganzer Tag vorübcrgehen, ehe die Mondeserscheinung auf der ganzen Erde wahrgenommen wird. Diese Ungewißheit konnte aus den Gedanken bringen, um den richtigen Anfang des Monats und der davon abhängendcu Feiertage nicht zu verfehlen, die Doppel- -Neumonds- und Fest-Tage einzuführen. Ist man aber einmal den Zeitpunkt der Konjunktion genau und auf unbestimmte Zeiten im Vorarrs zu berechnen im Stande, wie -für den Horizont jedes Landes nun'wirklich der Fall ist, so entfällt die ganze Schwierigkeit und die darauf gegründete Institution der Doppeltage. Der den Fortschritt beabsichtigende Hr. Verfasser des besprochenen Aufsatzes scheint aber sich nicht ganz von dem rabbinischen Standpunkt entfernen zu wollen. Er glaubt nach Israeli: ,,d a ß d i e T a l m u d i ft e n n u r deshalb einen zweiten Feiertag bestimmten, weil sie den nach 'der wirklichen Konjuuktion folgendcu zw ei t en Ta g sü r den w ahrhaften mosaischen Feiertag hielten. Mit andern Worten, weil während zweier Tage, sowohl die Konjunktion als das Sichtbarwerden des Nenlichts ans der. ganzen Erde nicht verfehlt werden kann. Ich erlaube mir darauf zu bemerken, daß. nach angeführten Gründen diese Ausgleichung um so unnöthiger ist, da die Meinung, daß nach den mosaischen Gesetzen, die Monatsbestimmuug nur nach dem Sichtbarwerden des Neulichts zu geschehen habe, sehr zweifelhaft und jedenfalls noch erst zu beweisen ist.. Das DD1? Hin tcmnn in HD travestirt, wird man doch wohl nicht als eine mosaische Interpretation anerkennen wollen. Ich will nicht die Voraussetzung wagen, daß bei dem sehr hohen Alter der Beobachtung und Aufzeichnung der Mondfinsternisse von Seiten egyptischer Priester, begünstigt durch ihren wolkenlosen Himmel, schon zu Moses Zeiten der Tag der Konjunktion, wenn auch nicht genau nach Stunden und Stundentheilen, bekannt gewesen ist, wenigstens gewesen sein konnte; aber befremdend muß es doch immer bleiben, warum nicht auch bei Bestimmung der Feiertage , für Palästina sowohl als für entferntere Gegenden, auf diese Hindernisse Rücksicht genommen und auch zwei Tage angcordnet wurden? Da es aber feststehet, daß von MoseS bis nach Jahrhunderten nach Zerstörung des Tempels nur ein Tag gefeiert wurde , und so fortwährend noch heute in Palästina gefeiert wird'; selbst die Mischna, die ohngefähr 200 Jahr nach der Tempelzerstörung, nicht ausschließlich für Palästina verfaßt worden ist, nicht nur keine Erwähnung vom zweiten Tag macht, sondern sich vielfach Nachweisen läßt, daß bei allen von ihr erlassenen Verordnungen immer nur von einem Feiertag die Rede ist; mit welchem Rechte kann man fortfahren, dem göttlichen Gesetz: Ihr sollt nichts hinzufügen-, durch improvisirte sechs neue Feiertage entgegen zu handeln? Ist nun die Nothwendigkeit, einer Abänderung ersichtlich, warum nicht das, keinerVerändenmg unterliegende, und mit der Wirklichkeit des Lcbdns mehr harmonirende alte mosaische Gesetz wieder in Wirksamkeit setzen? Ist dieses nicht um so dringender, da die Vorschrift nKW iraNn ttmn ganz aüßer Acht gelassen wird, und wir uns von liclus ju lulus immer weiter davon entfernen, wir wir schon in diesem Jahr 1845 mn statt des rab- 'binischen Hamansfest zu begehen, Mazot, und am Vollmond deö Abib zur Zeit der beginnenden Ernte ^nnD DDpD unser tägliches Brod aßen? Muß nicht für unsere, entfernten Nachkommen, die Zeit eintreten, wo-das Pesachfest im Monat Etanim; der NeujahrStag ND, und der Kippurtag im Abib zu feiern sein werden? Die Hoffnung des Verfassers, daß durch eine zu ernennende Kommission eine mathematische Ausgleichung ausgemittelt werden konnte, wird schwerlich in'Erfüllung gehen, da die DLfferettzen in jedem Wtonat und unter jedem Horizont sich anders gestalten können. Der Vorschlag aber in Ermangelung eines Ausgleichs, bic Feiertage auf Samstag und Montag zu verlegen, ist nicht nur der mosaischen Vorschrift zuwider, er ist auch nicht ratbinisch, obschon mit gleicher Willkürlichkeit entworfen. Höchste Achtung verdient der Rabbiner, der seine Gelehrsamkeit und seine Zeit dazu verwendet, die Aufmerksamkeit der künftigen Rabbiner-Versammlung auf diesen wichtigen Gegenstand.zu lenken. Ich meiner Seits bei meiner beschränkten Zeit, und noch weit beschränkterem. Wissen begnüge mich, ihn auf eine un v. Jahr hier bei I. M. Landau (in Kommission bei C. L.' Fritzsche in Leipzig) erschienene Schrift ,,Materia- 'Xtcn zur G eschöchte des rabbinischen Kalender s u n d z u m U e b er g a n g e a us d em M osaiSmu S in Ra bb in i § ntu S" aufmerkfaur zu ntachen, wo er vielleicht manches anwendbare finden wird. 4. Polen und Rußland. Von der russischen Grenze, 20. Mai. Einen seltenen Akt väterlicher Gnade hat der Kaiser im vorigen Jahre gegen die Juden in Ausübung zu bringen beschlossen! Wir meinen die Ueberweisung von Land auf Krottgütern ganz ui der Nähe der zeitherigen Wohnungett und von nöthigen Geldern zur Anschaffung von Ackergeräthen und zum Anbau an die armen Inden. Von den vielen Begünstigungen, die mit dem thatkrästigen Entschluß/ das Land zn bauen, verbunden sind, wollen wir gar nicht erst sprechen. Es ist schon an sich eine Gnade, wie sie nur von einem edeln Herzen ausgehen, und eine Handlung solcher Großherzigkeit, , wie sie nur

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