Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-06-18 · Heft 25 (18.6.1845) · p. Seite 195

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 25 (18.6.1845)
Date
1845-06-18
Page
Seite 195 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360390--5001-3531372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dienst es. Das Wie desselben bleibt der Zukunft überlassem So wäre denn der erste Knoten so ziemlich gewaltsam gelöst. Wir fürchten, die bald wiederkehrende Versammlung wird bcn noch enger geschürzten wenn nicht zu löfen, doch zu durch hauen finden; wir fürchten, sie werde Jenes nicht können, Dieses nicht wollen. (D.A.Z.) Posen, 5. Juni. Bei uns haben sich in neuester Zeit Dinge zugetragen, die noch vor ganz kurzer Frist als außer dem Bereiche der Möglichkeit Liegend angesehen wurden: in Posen, dem orthodor-katholischen Posen, in dem der Jude, selbst der gebildetste und reichste, in keine christliche Gesellschaft Zutritt hatte, ist ein Irr de, der Kaufmann Moritz Mamroth, zum Stadtverordn eten gewählt worden. Jeder fragt sich, wir das zugegangm, und sieht das Ereigniß fast wie ein achtes Weltwunder an. Nun, es ist ein Schritt vorwärts auf der Bahn der politischen Civilisation, und bahnt die vomunserm letzten Landtage so warm befürwortete Emancipation der Israeliten immer luehr an. Sind die Inden nur erst aus ihrer socialen Abgeschiedenheit herausgezogen, so werden sie auch nach und nach ihre starren, abgestorbenen Former: fahren lassen, sich ihren christlichen Mitbürgern gern anschtießen und zugleich aufhören, von diesen als die Beeinträchtigte ihres Erwerbs angesehen zu werden. Unsere jüngern Israeliten streben jetzt in der Mehrzahl nach zeitgemäßer Bildung, sic nehmen Theil an den politischen Bewegungen der Zeit und interessiren sich lebhaft für alle Fortschritte in Literatur und Kunst, ja selbst nachdem sie ins Geschästsleben eingetreten sind, dem die altere Generation mit Hintansetzung aller edlem Interessen sich ganz hingegeben, bilden sie Vereine unter sich, die ihre weitere geistige und wissenschaftliche Entwickelung zum allgemeinen Zweck haben und in denen Vorträge über wissenschaftliche Gegenstände gehalten werden. Unter solchen Umständen, ist von der jungen Generation freilich etwas Anderes zu erwarten als eine starr in sich abgeschlossene, bornirte und in Allem, was nicht zum Handelsgeschäft gehört, unwissende Corporation, die in jedem andern als dem eignen Kreise nicht zu Hause ist.^ Jedenfalls ist der neue Stattverordnete Hr. Mannoth, ein sehr verständiger, gebildeter und allgemein geachteter Mann, der ein würdiges Mitglied' des Stadtverordnetencolleginms artsmachen wird.' Eö muß bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, daß bei der jüngsten Skadtvcrordnetenwahl sich anfallende Erscheinungen herausgestellt haben, denn die deutschen Einwohner unserer Stadt, die bisher rücksichtlich der Comrnunalangelegelrheiten sich gänzlich indifferent gezeigt hatten, warerr diesmal aus ihrer unwürdigen Apathie aufgerüttelt worden und hatten sich dem zufolge bei den Wahlen so zahlreich eingefunden, daß sie fast überall den Sieg über die Polen davon trugen. Wenn ich recht berichtet bin, so sind von acht neuen Wahlen sechs auf Deutsche und nur zwei auf Polen gefallen, wenn man nämlich das israelitische Mitglied auch zu den Deutschen zählt. Dieses Ergebnis) ist für die Stadt von hoher Wichtigkeit, da bisher das deutsche Element hier ungebührlich hinter das polnische ^zurücktrat und wir schon auf dem Wege waren, Posen trotz seiner 12,000 deutschen und 7000 jüdischen Eiruvohner wieder zu einer vorherrschend polnischen Stadt werden zu sehen. Einen wesentlichen Einfluß auf diesen günstigen Erfolg hat wohl eine anonym erlassene, energische Mahnung — angeblich von einem hiesigen patriotischen Kaufmann-—in der hiesigen Zeitung geübt, worin die Deutschen einer Miskennung und Vernachlässigung ihrer Bürgerpflichten bezüchtigt wurden und der Aufruf an sie erging, endlich aus ihrem Schlaft zu erwachen und ihren Gegnern kräftig entgegenzutreten. Die Reformbewegungen unter den Juden ini Berlin haben hier ihren Widerhall bis jetzt noch nicht gefunden, da die von Einzelnen gemachten Versuche,den alten Sauerteig auszukehren, bei der großen Masse noch wenig Anklang gefunden haben. Das Bedürfnis wird erkannt, aber es fehlt dem Einzelnen bei. uns an dem uothigen. Muth, öffentlich hervorzutreten und sich zum Träger der Bewegung zu machen; die Scheu vor Conftikten mit den Stabilen und die Bequemlichkeitsliebe halten auch die Gebildeten zurück, die der Reformsache zwar zugethan sind, aber Altes der Zeit überlaffen wollen. Der Jndifferentiömus ist leider fast noch schlimmer als der ZelotiSumS. (D.A.Z.) Oesterreich. Prag, 11. Juni. Im Orient Nr. 40 v. 14. Mai befindet sich ein Aufsatz: Revision derKalender.berechnung, Vorschläge für die nächste Rab binervers. in Frankfurt a. M. Der Verfasser derselben erkennt das Unbehilftiche und Willkürliche des eingcführteu rabbinischeu Kalenders, macht Vorschläge zur Veränderung, und bereitet sich vor, eine gründliche Motivirnng der Versammlung vorzulegen. Ich achte die Gesinnung und den Eifer des Proponenten zu sehr, alS daß ich mich enthalten könnte, einige berichtigende Bemerkungen hinzuzufügen, die sich vorläufig auf die vom Verfasser vorgebrachten, die Doppetfeiertage betreffenden Vorschläge beschränken sollen. Ja so lange bei mancher Nation, wegen mangelhafter Beobachtung der Zeitpunkt der Konjunktion (iblDn) unbekannt war, konnte sie, wenn sie den Anfang des Monats feierlich begeh eil wollten, sich nur nach derWiedersichtbarwerdung des aus kurze Zeit ganz unsichtbar gewordenen Mondes richten; dabei fanden aber die Schwierigkeiten statt, daß mall bei öfter bedecktem Himmel da§ Erscheinen des Neulichtes nicht wahrnehmen konnte, und nicht (wußte, ob der Monat mit den 30. 25* - ''■■■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.