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Der Orient · 1845-06-18 · Heft 25 (18.6.1845) · p. Seite 194

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 25 (18.6.1845)
Date
1845-06-18
Page
Seite 194 (sequence 3)
Language
German
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d. i. ein Verbrecher, der ein mosaisches Verbot (wie die Speisegesetze sind fugt der Rabbiner erläuternd hinzu) Übertritt, als solcher ist er nach rabbinischen Grundsätzen (ibicl. 1) zum Zeugnisse nicht zuzulassen und in Folge dessen auch zur Bekleidung des Rabbinerthnms unfähig^. (ibid. §. 7/ 9). „Deutlicher ausgesprochen, fährt Stein fort, „heißt es im Codex Jore Dea, tz. 119, Iss.: „Wer i m V erd ach t steht, dem ist in dieser Hinsicht keiner lei Vertrauen mehr zu schenken." . . „Auch wäre, heißt es weiter unten, „ein Rabbiner, der auf eine so auffallende Weise die Speisegesetze verletzte, ein „Mumar lehachis" zu nennen, d. i. ein Gesetzübertreter, der öffentliches Aergcrniß giebt, und heißt als solcher ein Min, d. h. ein vom bestehenden Juderithum ausgeschlossener Mann. (ek. Jore Dea, §. 158, 2 re. re.). Der Himmel weiß, was noch alles in den vielen rabbinischen Codices und Scharteken.stehen mag; cs ist jedenfalls erfreulich, daß die Herren Rabbiner alten und neuen Schlags dermalen weder Autorität noch' Exekutionsmittel besitzen! . Han. Ztg. Leipzig, 13. Juni. Das schlummernde Leipziger Gemeindeleben ist nun auch vom Geiste der Zeit angeweht worden. Dies zeigte sich bei Gelegenheit des Wochcnsestes. Herr Moritz Meyer zun., ein sehr achtbares. Mitglied der hiesigen Gemeinde, hat sich des Gottesdienstes angenommen und durch einen Aufwand von Mühen, die blos zur Ehre und Verherrlichung Gottes unternommen wurden, hat er sich den Dank der hiesigen Gemeinde erworben. Das Gotteshaus war festlich geschmückt und der Redakteur des „Sabbath-Blattes" hielt an beiden Festtagen zwei Reden, die eine zahlreiche Zuhörerschaft in das Bethans lockten. Wir enthalten uns jedes Lobes, da esuns Hrn. Ink gegenüber als Parteilichkeit gedeutet werden könnte, und überlassen diesen Theil den ferner stehenden Hörern. Wir fügen nur noch hinzu, daß Herr M. Meyer in seinem Unternehmen ausharren und der geehrte Redner in seinen Vorträgen fortfahren möge. Die Wissenschaft soll nicht blos ein Ge'räth der Studirstube. sein, sondern ein Gemeingut Vieler werden. F. Berlin, 8. Juni. Am 4. Inn. fand hier die zweite Generalversammlung der jüdischen Reformgen offen schast statt. Dieselbe war zahlreich besucht, gut geleitet, durch und durch von Interesse beseelt. Die Frage , die allein an diesem Abende zur Entscheidung kam, war: „ Soll man sich zu einem eignen Gottes- . dienste, nach der Berufung der Synode, vereinigen?" Wir haben keinen Theil an dieser Reform, weil ihr bestes Ergebniß, unsrer Meinung nach, nur ein Rückschritt vom faktischen Standpunkte der Gegenwart sein würde, weil wir glauben, daß die Zeiten verschwunden, wo man Viele unter Ein Glaubensbekenntniß zusammenbringen konnte, ohne ihrer Ueberzeugung Gewalt anzuthnn; aber wir gehören auch nicht zu ihren Verfolgern, weil wir wissen , diese Bestrebungen werden ihren Gang bis zur Auflösung durchmachen und so dazu beitragen, wieder einmal, der Wirklichkeit gegenüber, die Illusionen zu beleuchten. So, einzig im Interesse der zu entwickelnden Wahrheit bei der Sache betheiligt, muffen wir gestehen, daß sich aus den Verhandlungen hauptsächlich nur zwei Punkte für uns klar heransgcstellt haben: 1) die meisten der Versammelten wünschen eigentlich nur einen der Zeit angemessenen Gottesdienst; 2) das Jndeuthum in jeglicher Gestalt erkennt ihnen zur Realisirung dieses Wunsches'das Recht und die Macht zu. Rur Mangel an Setbstbewußtsein, Zweifel an der eignen Berechtigung und Schwäche verlangen von einer künftigen Synode die Genehmigung der gehegten Wünsche. Wer, bis diese gesprochen, am Alten festhalten will, der ist mit sich im Widerspruche , wenn er nicht ruhig wartet, bis diese legale Befreiung von selbst eintritt, denn eine höhere Macht, die man anerkennt, darf man nicht zum Handeln zwingen wollen. Wer aber für sich und jeden Gleichdenkenden das Recht in Anspruch nimmt, seine Ueberzeugung in die Wirklichkeit einznfuhren, der braucht nicht die Bestätigung einer Synode, nicht den Anhalt eines Glaubensbekenntnisses, ja der wird durch die Form des jetzigen Judenthttms, das weder hierarchische Gewalt noch bindende Dogmen kennt, nicht gehindert, die einzig richtige Reform, die bereits mannigfache Früchte getragen, die-faktische, fortzuführcn, ohne ein Schisma her- . vorzurufen. Auf die Gefahr hin , für einen oberflächlichen Beobachter, der es nicht vermag, eine Bewegung nach ihren inuern Motiven zu beurtheilen, gehalten zu werden, und wohl wissend, daß wir es dadurch mit beiden Parteien Verderber:, behaupten wir hiernrit, daß die Reformbewegung der berliner Gemeinde hauptsächlich als Reaktion gegen das in letzter Zeit in derselben stark vermehrte orthodoxe Treiben zu betrachten ist. Es zeigt sich hieraus, daß die Männer, die vor etwa einem Jahre gegen die Anstellung eines neuen Rabbinatsverwalters auftraten, weil sie begriffen, wer bei dem veraltete!: Wahlmodus gewählt werden würde, wohl wußten, was sie wollten, und der Vorstand der Gemeinde rnöge bedenken, ob er nicht durch die geringe Berücksichtigung, die er ihren Worten angedeihen ließ, das gegenwärtige Schisma eigentlich selbst hervorgcrufen habe. Ein vollständig polnisches Judenthnm im deutschen Volke bleibt, wenn die Träger auch noch so ehrenwerthe Leute sind, den Ansichten der Zeit gegenüber abschreckend und unerträglich. Was nun das Ergebniß der letzten Versammlung betrifft, so wurde nach längerer, doch nicht für Alle genügend langer Diskussion die Vorfrage: ob die Sache vertagt werden fette, mit einer Majorität von nur zwei Stimmen verneint. Die Hälfte also war über die Sache noch nicht im Klaren. Eine bedeutende Majorität entschied sich alsdann für die Einrichtung eines eignen Gottes-

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