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Der Orient · 1845-06-11 · 24 (11.6.1845) · p. Spalte 377-378

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
24 (11.6.1845)
Date
1845-06-11
Page
Spalte 377-378 (sequence 5)
Language
German
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Studien. Das Bat-Kol. 377 nach den Visionen gehören und mit Erwähnung des Bat-Kol begleitet sind, zu schließen, daß derlei vernehmbare Stimmen bloße Erfolge der Einbildungskraft waren. — x . 3) Die andern Vordeutungen, die im Talmud unter l'PDS pDO , oder unter Npu'3 pTO , N13D3 ' pro NlöDD prD Vorkommen, waren nur gewisse Vorbedeutungszeichen, die bedingungsweise als Wink zur Beachtung den Israeliten höchstens gestattet, keinesweges aber anbefohlen waren. Es ist nur eine Redensart, wenn es heißt Berachot 57 b .-ikqj nn vsa piDD b feji o^n proW« .rubp, und es war auch -pnv '"Dl 5 aus diesem Grunde pflegt Jochanan stets bei jedem vorzuehmenden wichtigen Geschäfte die Schuljugend, über den in der Schule erlernten Text zu befragen (Chulin 95 b) und deren zufällige Aussage diente ihm oft zur Richtschnur?, wenn alle erforderlichen Bedingm'sse emgetreren sind. 4) Ein plötzlich allgemein verbreitetes Gerücht, welches sehr schnell die Runde macht, und im gewöhnlichen Na- Lurgange unerklärlich erscheint, wurde von den Lalmuden durch 5?lp fD ausgedrückt. Zu dieser Kategorie gehört jene Stimme, die sich beim Absterben Mosis vernehmen ließ (Sota 13 b, die Hr. Wessely blos aus Sisri eitirt). Eine derartige Schnelligkeit, erklären die Raböinen manchmal, durch den buchstäblich angewendeten Bibelvers ntt 76)' D'D&yn “Dl w D'DD fyni , ^)pn, (s. Baba Batra 3 a; Wajkra Rabba, Emor Kap. 32, wo es heißt D'^TN bald aber durch den Talmuden mit bezeichnet wird (s. Erubm 43a; Iebamot116a; u.Raschiibiä.). 5) Jede wahrgenommene öffentliche Meinung, insbesondere jene billigende Volksstimmung, bei einer zwar religionswidrigen, aber in guter Absicht vorgenommenen heroischen Handlung, dieses allgemein sich äußernde theilnehmende Gefühl, diese Sympathie und Herzensregung für die gute Sache, ist als yox populi, vox doi anzusehen, und im Talmud ebenfalls mit bezeichnet. Herr Wessely berührt die Stelle Ketubot 103 b, wo beim Absterben des Rabbi Jehuda Ha-Kadosch sich die Stimme vernehmen ließ, daß diejenigen, welche bei dessen Lode zugegen waren, des zukünftigen Lebens theilhaftig sind, obwohl die ihm veranstalteten Ehrenbezeugungen, eine Sabbat-Verletzung verursachten (j. Ieruschalmi Kilajim Kap. 9), glaubte man jedoch allgemein,'daß ein solches Verfahren, nicht strafbar sein könnte, da dieses Benehmen nicht vorsätzlich geschah, sondern einen löblichen Zweck zum Grunde hatte. Ich finde zugleich, daß während die Israeliten durch die feierliche Einweihung des Salomonischen Tempels, die Heiligkeit des Jom-Kippur (Versöhnungsfest) verletzten, rund in diesem allgemeinen Fasttage, Speise genossen haben, da erscholl das Bat-Kol, und verlautbarte, daß alle getrost und zufrieden nach Häuft gehen mögen, da der Ewige diese Sünde bereits nachgefehen und vergeben hatte (Moed Katon 9 a), das heißt die öffentliche Meinung äußerte sich, daß diese Religionsverletzung gesühnt zu werden verdient, da solches durch Verherrlichung des Gotteshauses veranlaßt worden ist. 378, 6) Ueberhaupt finde ich diese Formel und Redensart (on d by «nb janot pio ’Jibs ^ip na stets im Talmud angewendet, wo ein vorsätzlicher Selbstmord zum allgemeinen Besten begangen wurde, denn bekanntlich gehört der Selbstmord zu den schwersten Verbrechen, dem den rabbinischen Lehrsatzungen zufolge, das Leben der Zukunft abgesprochen wird"). Daher bei jeder Gelegenheit, wo der Zweck des Selbstmordes ein höheres Interesse hatte, und nur zum Wohle der Lebenden, beabsichtigt war, sich stets die allgemein billigende ,Stimme des Publikums vernehmen ließ, daß eine Handlung dieser Art kein gemeiner Selbstmord ist, da der Zweck löblich war, und das Bat-Kol ließ sich vernehmen, daß der Thäter der Zukunft theilhaftig ses ^.1 jMQl flD. Vergleiche Aboda Sara 17 b; 10 b 5 18 a; Ketubot 103 b u. dgl., wo stets bei einer Entleibung dieses rD sich vernehmen ließ und ist also auf diese Weise zu erklären. 7) Auch sonst jedem Theilnehmer an Verrath gegen die bestehende Ordnung wurde aus diesem Grunde von dm Rabbinen die Zukunft abgesprochen, weil in dieser 'Hinsicht die Gefahr drohe, daß der Theilnehmer von der Regierung nach aller Strenge bestraft werden werde, daher Verrath als ein vorsetzlicher Selbstmord betrachtet und behandelt wurde. Und zwar heißt es Aboda Sara 18 a, als R. Jose Ben Kisma erkrankte, besuchte ihn sein Freund Chanina 33m Tradion; R. Jose redete ihn folgender Weise an: „Mein Bruder! weißt du es denn nicht, daß diese Regierung (nämlich die römische) vom Himmel eingesetzt sei, diese Negierung hat unfern heiligen Tempel verbrannt, dessen Mauern von Grund aus zerstört, und wie ich vernommen habe', beobachtest du nicht gehörig die bestehenden Landesgesetze?" R. Chanina gab ihm zur Antwort „der Himmel wird sich schon erbarmen." R. Jose versetzte ihm aber „ich sage dir grundhaltige Worte, indem ich die drohende Gefahr dir vor Augen stelle, und du sagst der Himmelsich wird erbarmen? Ich befürchte sehr, daß man nicht dich sammt der Tora einst auf dem Scheiterhaufen *) Dieser Lehrsatz findet sich nirgends deutlich ausgesprochen, weder im Talmud noch in Maimuni; es heißt blos im Hilch. Abel Kap. 1. § 11, wie auch Iore Dea Kap. 345, §. 1, daß demjenigen, der sich entleibet, keine übliche ehrenhafte Beerdigung zugetheilt werden darf und auch verdient derselbe keine Trauerrede, und darf überhaupt nicht betrauert werden, Im Iad ha-Chasaka Hilch. Rozeach Kap. 2, §. 2 heißt es 1VLP .ninn nt tmw dddi■ m -\a, welcher Lehrsatz im Bereschit Rabba Kap. 34 zu fmdenz aber Daß dadurch die Zukunft verwirkt wird, geschieht nirgends Erwähnung. Er ist aber jedoch aus folgender Stelle herzuleiten, es heißt nämlich (Gittin 57 b): 400 Knaben und Mädchen wurden zum abscheulichen Laster der Knavenschänderei gefangen, als diese sich insgesammt entschlossen hatten, um diesem Laster zu entgehen, sich ins Meer zu stürzen, stellten diese die Frage auf „werden wir des zukünftigen Lebens theilhaftig werden in diesem Falle, wo wir uns vorsätzlich das Leben nehmen?" Daher ist daraus einleuchtend, daß sonstiger Selbstmord, ohne höhere allgemeine Absichten der Zukunft nicht theilhaftig sei.

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