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Der Orient · 1845-06-11 · 24 (11.6.1845) · p. Spalte 371-372

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
24 (11.6.1845)
Date
1845-06-11
Page
Spalte 371-372 (sequence 2)
Language
German
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371 geschehen!- Es wird geschehen nach dem Worte des - Herxn, das Er durch 'den Propheten Mal. gesprochen: „Ich, der Ewige, bin unveränderlich- — und ihr, Kinder Iakob's, gehet nicht zu Gnmde!" rc.,— In der dritten Abth. beglebt sich der Redner auf das religiöse Gebiet und ermahnt seine Zuhörer, auch in dieser Beziehung getrost zu sein, indem zur, rechten Zeit der Herr schon erscheinen wird, „um das Licht aus dem Nachen der Fmstermß, um die Wahrheit aus den Banden der Lüge zu befreien". f,2lbw — fährt der Redner fort — ich höre so Manchen von Euch besorgt fragen: Wie?-wär's möglich, daß unserer väterlichen Njetigion noch aufgeholfen werden kann? Sehen wir nicht den Abfall täglich sich mehren? greift nicht die Geringschätzung gegen die göttlichen Lehren und ihre Vertreter immer mehr um sich? nimmt nicht Ueberhebung und Anmaßung unter-uns immer mehr zu? wächst nicht die Anzahl jener Unberufenen, die in ihrem Dünkel wähnen, gottesgelehrt zu sem und über die Religion ihrer Väter vorschnell absprechen zu dürfen? ja, müssen wir es nicht erleben, daß selbst diejenigen, die zum Schutz und Schirm unseres Glaubens berufen sind-, an ihm zu Verräthern werden? — Wo sollte der Herr jetzt die Stützen seines Reiches finden? — So höre ich Euch bekümmert fragen, Ihr Männer von Israel. — Ich aber erwiedere Euch: lasset fahren den Kummer! seid sroh und fröhlich! Der Glaube unserer Vater steht fest, steht unerschütterlich fest! nicht Menschenhand hat ihn aufgebaut, und nicht Menschenhand kann ihn mederreißen!" zc. — Und weiter unten: „Wollet Ihr aber wissen, wo der Herr die Stützen seines Reiches sinder? — Nicht unter solchen Menschen, die keine höhere Seligkeit kennen als das Sammeln'todLen Metalls; nicht unter den Prassern, die ihrem Leibe gütüch thun, dem Geiste aber den Rücken zuwenden; nicht unter den Hoffärtigen, die dem Scheine falscher, vergänglicher Menschenehre rastlos nachjagen, die Ehre Gottes aber mit Füßen treten; nicht unter den Selbftverblendeten, die sich klug und weise dünken und nichts Hohes und Erhabenes ungcschmähet lassen; endlich auch nicht unter den Wankenden und Schmachtenden, die wie ein schwaches Rohr - bald da und bald dorthin sich neigen, die heute abergläubisch und morgen ungläubig sind, je nachdem es ihnen zusagt. Unter allen diesen findet der Here die Stützenssines Reiches nicht. Wo findet Er sie aber? --> Schlaget die heilige Schrift auf! leset dm dritten Vers des achten Psalms, so werdet Ihr erfahren, durch welche Stützen der Herr sein Reich befestigt; denn da steht geschrieben: „Durch den Mund der Kinder und der Säuglinge befestigst du das Reich" rc. Und hiermit ist— eben so natürlich als angenehm überraschend —der Uebergang zur Konfirmation gemacht. — Ausgezeichnet schön ist auch folgende Stelle, die den Uebergang zumExamen bildet: „So lasset uns nun mit Andacht und Weihe den Worten des kindlichen Gemüthes lauschen, auf daß auch wir — im Geiste — in jene goldene Zeit zurückversetzt werden, wo auch unser Gemüth noch kindlich 372 gestimmt war, wo auch wir noch am Scheidewege standen und zu wählen hatten, wo auch vor uns noch die Welt wie ein versiegeltes Buch dalag. — L> Jugendzeit! holdselige Jugendzeit! wer vermag deinen Werth zu schätzen? Du bist zwar keine Sonne, die Abends untertaucht, und Morgens darauf in gewohntem Glanze wieder emporsteigt; du bist auch kein Frühling, der von uns scheidet, um später in erneuetee Pracht wieder zurückzukehren. Du bist nur ein Meteor, eine vorübergehende Erscheinung in den Lüsten, ein Lichtgebilde im dunkeln Himmelsraum, das eine Zeit lang-leuchtet und erfreuet, das aber, einmal verschwunden — vergebens wieder zurückerwartet wird! Und dennoch bist du schön und herrlich! dennoch lieblich und hold! Du siehst den Himmel offen, und darum bist du munrer und fröhlich, muthig und kühn, stark und kräftig, heilig und rem, hoffnungsreich und unschuldsvoll! dir erscheint Alles erreichbar, Nichts unmöglich bc. — Die vierte Abtheilung, welche die Anrede an die Konfirmanden enthält, wird ein Leser von Gemüth schwerlich trocknen Auges lesen. Den Schluß bildet die Einsegnung. — Lernen wir aber in dem erstgenannten Vortrag die rhetorische Kraft und Fülle des Hrn. Dr. Kämpf hoch schätzen, so müssen wir in der sub 2 an ge zeigten Predigt seine Meisterschaft in der Disposition und Durchführung des gewählten Textes bewundern. — In dem Vorworte zu dieser Pred. sagt der Vers.: „Der Prediger spricht (Kohel. 2, 5): Ausstreuen hat seine Zeit, und ZurücLhalten hat seine Zeit." — Unsere Weisen lehren daher: „Siehst du , daß das Wort des Herrn verlangt wird, streu' es aus, — wo nicht, halt' es zurück". — Der Umstand aber, daß ich am ersten Festtag — so zu sagen — kaum die Kanzel verlassen hatte, als ich wieder mit einer Predigt auf den siebenten beauftragt wurde, -—dürfte als sicherer Beweis gelten, wie sehr das Wort des Herrn hier verlangt wird. - Es wäre demnach nur unzeitige Bescheidenheit von mir, wollte ich jetzt zurückhalten und den gläubigen Gemüthern die fromme Absicht vereiteln, die Worte, an denen sie, wie sie versichern, sich er- ’ baut haben, noch einmal sich zum Bewußtjein zu dringen" rc. — Wir können dem Redner für seine Nachgiebigkeit nur herzlich danken; denn unsere homiletische Literatur ist dadurch um ein sehr herrliches Produkt reicher geworden. Herr Dr. Kämpf Leitet den in Rede stehenden Vortrag ein, wie folgt: ' „Mit freudigem Herzen erscheine ich, Eurem frommen Wunsche gemäß, hier wieder,- um Euch das Wort des Herrn zu verkünden. Und wie könnte ich auch anders? Dürfte ich den Schatz zurückhalten,, dev mir anvertraut ist? wäre es mir erlaubt, mit Worten zu geizen, die zur Verherrlichung meines Gottes gereichen sollen? würde ich nicht dadurch an meinem Herrn und Meister zum Verräther werden? — Darum will ich reden, und nicht schweigen; darum will ich sprechen von dem Herrn und seiner Lehre so lange noch in mir lebendiger Odem wohnt. — .D wünschet nur — ich will erfüllen; begehret nur — ich will gewähren". — In solcher lebensvollen Sprache fährt der Redner fort, sich mit seiner Kritiken. Zwei Predigten rc.

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