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Der Orient · 1845-06-11 · Heft 24 (11.6.1845) · p. Seite 188

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 24 (11.6.1845)
Date
1845-06-11
Page
Seite 188 (sequence 7)
Language
German
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188 - an dem Bewußtsein und der Achtung dieses fleißigen Gelehrten ab. Vixi/ el. nnimnin M6<riu salvayi! Polen und Rußland. Schitomiu, 21. Mai. Mit Freuden ergreife ich diesmal die Feder, um Ihren Lesern das Neueste, was hier in dem großen Reiche des Nordens vorgegangen, zu berichten. Eine große glänzende Zukunft'zeigt sich uns in dem ersten Aufleuchten ihres Morgenlichtes, eine Zukunft für die Civilisation der jüdischen Russen, die, fast die Einzigen in der Wett , bis jetzt m ihrer äußerlichen Erscheinung sich so sehr abgesondert, daß sie zum Stichwort und zum Exempel geworden. Es war in der letzten Zeit so Manches mitzutheilen, das nur traurige und unheimliche Gefühle wefl'te; die Vertreibung der Grenzjuden, wie Sie wissen, fand ein Echo des Mitleids und des Bedauerns in der ganzen civilifirtcn Wett, und auch wir Israeliten waren geneigt, jene Maaßregel als schneidende Härte zu betrachten, weit wir nur die düstere Kehrseite ums vorstelltcn. Es ist aber wahr und gewiß, daß unser mächtiger Czar, seit stinem Antritte der Regierung im Jahre1826, von der erhabenen Idee durchglühet ist, sein hundertstämmiges und tausendsprachiges Unterthanenheer durch das Zauberband der Civilisation zu umschlingen. Tausende von Schulen und Bildnngsanstalten erstanden, neue Universitäten wurden gegründet, und bis in die entlegensten Theile erstreckt sich die Fürsorge und das Bemühen des Ministeriums der Aufklärung. Auch unsere Glaubeilsgenossen wurden nicht vergessen. Die Zuziehung der Hebräer zur Militärpslichtigkeit (1826), die treffliche Ausarbeitung eines Judengesetzes (1835), die treffliche Bestimmung über Hebräerkolonien (1833), die Zuziehung der polnischen Inden zur Mititärpflichtigkeit (1843), die Anordnung über 200 israelitische Schulen in dem großen russischen Reiche (!844), und die großen Vortheile für die der Civilisation sich anschließenden, Alles dies ging aus den: hochherzigen und edlen Streben hervor, auch die Israeliten, diese noch im tiefen Mittelalter steckenden Jsraeliteil Rußlands, für die segensreichen Pflanzungen der Civilisation vorzuberritcn. Wo einmal der Jude auf dem Schlachtfelde mit dem Christen für das Wohl des Vaterlandes mitkämpft, wo er in den Hallen der Wissenschaft in jugendlichem Kosmopotitismus auf die Weisheit der Lehrer 'mit den Christen gemeinschaftlich lauscht, wo der Jude dem vaterländischen Boden wie der Christ seine Existenz abringt, da ist auch der Frühling der Civilisation für den Juden angebrochen und der mittelalterliche Winter für immer dahin: da ist auch der Maitag einer schonen Zukunft aufgegangen, der zur-Reife der Frucht führt. Wohl konnten die bei solchen Schritten augenblicklich unangenehmen Berührungen nicht ausbleiben, wohl mußten tausend eingewurzelte Sklavengedanken aufgescheucht, tausend gefpenstische Vorurthcile unsanft berührt werden, aber der Weiierblickende konnte nicht anders als eine Regierung.segnen, die mnthig und entschlossen die düstcrn Schatten des Mittelalters zu verscheuchen strebt. Durch das alte, Haß und Verachtung erzeugende Privilegium der Nichtmilitärpfiichtigkeit, haben die Juden sich in der Losgetrenntheit vom Staate eingelebt, die sie der Schmach bei den Schlechtesten der Knechte aussetzte; durch das Reducirtsein aus den bloßen Handel, haben sie sich jene Abneigung und jenen Widerwillen zugezogcn, welche der rafsinirte Kleinhandel bei Ackerbauern und Edelleuten stets erzeugt, und durch ihr Entferntbleiben von russischen Bildungsanstalten, durch ihre Unkenntuiß der nationalen russischen Sprache, haben sie sich als etwas Fremdartiges als ein Auswuchs Rußlands gezeigt. Mit jenen Verordnungen ist der gewohnte Lebenskreis der Juden, der ihre Jsolirung hermetisch umgrenzte, durchbrochen, der Weg zur Civilisirung und Wiedergewinnung fürs Vaterland angebahnt, und nur der niedere Sklavensinn der Gewohnheit konnte über diese Aufscheuchung sich beklagen. Freilich sind auch manche Ukase erschienen, die vielleicht im Interesse der übrigen Bevölkerung wohlthuend, die Juden sehr schmerzlich berühren mußte; die Ausweisung großer Gemeinden aus Petersburg, Moskau, Kiew, Nikolajew, Sebastopel, Alexandrow, die Beschränkung des jüdischen Handels auf die westlichen Gouvernements, und endlich der viel besprochene Ukas über die Grenzjuden, haben in vielen Juden die Meinung aufkonunen lassen, daß ihnen nur Härte entgegentritt, ohne zu bedenken, daß der Staat auch das Interesse seines Gesammthandels, seiner Hauptstädte und seiner übrigen Bewohner zu vertreten hat. Jndeß sind jene Exile nun vorüber; der Ukas über die Grenzjuden hat seine.stechende Spitze verloren, und die allernenesten Ukase über die Israeliten haben die väterliche Gesinnung der Negierung gegen die Hebräer auf das Glänzendste bewiesen. Diese sind: erstens der scholl erwähnte Ukas über Anlegung von Schulen der Juden, in dem sich die wohlwollendste Gesinnung der Negierung ausspricht, und zweitens der jetzt erschienene Ukas über die Aufhebung der jüdischen Tracht, das wohlthätigste Gesetz, was je über Juden erschienen, wenn es allch im Allslande nicht in seiner unbeschreiblichen Wichtigkeit aufgefaßt werden wird. Die jüdische Kleidung ist hier das größte Unglück der Inden. Schon von Ferne als abnorme Erscheinungen erkannt, begleitet sie das Vorurtheil und die Verachtung ans jeden Schritt, was wieder als Gegenwirkung bei ihnen ein stummes Ertragen und einen inuern Haß erzeugt. Tritt ein Jude m dieser unglückseligen Tracht in das Zimmer des Beamten, auf die Polizei, oder auf das Grenzzollamt, so scheint diese Tracht die Parole zu still, um allen Neckereien, allen Chikanen freien Lauf zu lassen, und nur der Jude in dieser Tracht wird mit „Du" allgeredet. Diese düstere Tracht, worin sich alle

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