Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-06-11 · Heft 24 (11.6.1845) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 24 (11.6.1845)
Date
1845-06-11
Page
Seite 187 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360389--4992-3531354
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- .187 - des Coniitats erwählt wissen wollen, damit zugleich die (natürlich zunächst innerhalb des jüdischen Bildungskreises) Unterrichteten der Gemeinden als berechtigte Wähler bezeichnen, und so den Gemeinden selbst einen großen, wenn auch nur mittelbaren Einfluß auf die Gestaltung religiöser Institutionen einräumen. Es ist dies übrigens um so unzweifelhafter, als bei dem Vorwalten der altern jüdischen Bildungs- Verhältnisse immer zugleich ein gewisses Maß jüdischer und selbst speciell theologischer Bildung mnter allen Klassen der jüdischen Bewohner mehr oder weniger verbreitet ist. Der Einsender dieser Erklärung in dem Eingangs genannten Blatte, findet dieselbe „in einem.erbärmlichen Hebräisch abgefaßt, voll gemeiner Gesinnung und nicht ohne Verrath gegen die eigenen Glaubensgenossen." Was die erste Beschuldigung betrifft, so wäre es natürlich mehr als überflüssig und unstatthaft hier irgend auf sie einzugehen. Die beiden andern erledigen sich wohl, der hier micgetheilten Erklärung gegenüber, von selbst, und sind erst eben hiernach gehörig zu würdigen. In ihrer unleugbaren Verwandtschaft nach Ursprung und Inhalt mit den rohesten Schmähungen, mit welchen eine Fraktion der Juden die Orthodoxie und ihre Vertreter in wahrerBerserkerwuth bei jeder Gelegenheit überschüttet, mögen diese Beschuldigungen zeigen, welcher Unbefangenheit man sich auf dieser Seite bei Erwägung religiöser Beziehungen zu versehen hat. — Als Probe der bei dieser Fraktion üblichen Anschauungsweise mag nachstehende Aeußerung in Bezug auf den hier und da noch nicht abgeschafften Gebrauch des bekannten Gebetmantels und der im Neuen Testament, wegen der Kapseln mit' auf Pergament geschriebenen Stellen aus den Büchern Mosis, als NcpvlaKTr\QLuu erwähnten Gebetriemen bei der jüdischen Eidesleistung, hier noch Platz finden. Im ,,Israeliten", Nro. 45. 1844, sagt bei dieser Gelegenheit ein- Correspondenc: „Anekeln freilich muß es jeden gebildeten Europäer, Juden wie Christen, wenn er einen Beduinen-Burnus, (Talit) Überwerfen, wie ein zu Markt fahrender Esel ledernes Riemzeug, und außer der Camevalszeit wider Lßillen Maskenkleider anlegen soll." Doch bemerkt hierzu die Redaction, daß sie diese Sprache nicht gut heißen könne. L. O e st e r r e i ch. Prag, 1. Juni. Die neueste Maaßregel unserer Negierung in Betreff der hiesigen Inden zeigt, daß man a tont prix das Mittelalter — eine europäische Mumie in vielen Staaten — aufrecht erhalten will. Viele Juden hatten früher die Grenzen ihres Ghetto überschritten und sich Lader „Christenstadt" — wir haben nicht nur einen „christlichen Staat", sondern auch eine „christliche S t a d t" — niedergelassen. Quod non behaupteten unsere ehrenwertsten Bürger, und wirklich müssen die Juden in die, „Judenstadt" znrückkehren, die allerdings vergrößert Werder; soll. Man hat nicht das Herz, mehr als. eine Koucessien zu machen! — Dr. Wessely halt gegenwärtig Vorlesungen über den „Kusari" vor einem zahlreichen Kreise von Lehramtskandidaten. Es ist dies sehr hoch anzuschlagen, da die Zeit dieses vielseitigen Gelehrten von mannigfachen Berufsgeschäften sehr in Anspruch genommen ist. — Dr. Low o sitz weilt jetzt in unsern Mauern. Dieser in Deutschland bekannte Gelehrte wird wahrscheinlich — durch die Bemühungen des Dr. Wessely, dessen gelehrte Arbeiten und Pflichten seine ganze Zeit occnpiren — Censor für den jüdischen Thcil unserer Literatur werden. — Unsere RabbinatSkandidatenliste ist im Wachsen begriffen. .Wenn man drei junge Männer trifft, so ist einer von ihnen gewiß ein Kandidat und auf dreißig Familien Jctmt man einen Kandidaten rechnen. Es wäre nun an der Zeit, ein Seminar ins Leben zu rufen; allein man will sich nicht übereilen und lieber noch einige Decennien warten, um die Stimmung der Gemeinde.genau zu sondiren. Vorläufig beschäftigt man sich ,mit den Vorbereitungen zur Jubiläumsfeier des besonnenen Wartens'. — Dr. Meise l in Stettin kann die Predigerstelle nicht annehmen, was eine neue Wahl Hervorrufen wird. ZoMew, 1. Juni. Mit vielem Befremden hat nran hier einen Artikel iw Nr. 45 d. A. Z. d. I. gelesen, der einen Herrn Goldberg zum Tageshelden macht, und unfern Rabbiner, den berühmten Gelehrten, herabfetzt. Hr. Goldberg ist allerdings ein Mann des Lichts., denn er ist Pächter der Lichtsteuer; allein unser. Rabbiner, der nur an Rapaport einen Rivalen hat, ist weit entfernt, den Chasidim unter die Arme zu greifen. Unser Rabbiner ist ein Mann der Wissenschaft, und wirkt durch dieselbe auf unsere Jugend und auf unser Land überhaupt. Er ist cs, welcher der deutschen Bildung Eingang verschafft und dm Chasidismns an§ dem Felde zu. schlagen sucht. Der Thatbestand ist einfach, daß unser würdiger Chajes dem Rabbi ertaubte, der Beschneidung eines seiner Enkel bcizuwohncn, was gewiß keinen Tadel verdient. Dem chasidischeu Ritus hatte er sich mit aller Kraft entgegengesetzt, und nur als der Vorstand und die Notabeln für bcn Ritus der Chasidim sich ausspracheu, mußte er sich fügen. Die Gebildeten in Galizien waren empört, daß man einen unbedeutenden Menschen, wie einen Lichtpächter, Herrn Chajes, der eine Zierde der galizischen Judenheit, gegennb erstellte. Es versteht sich von selbst, daß der Bericht, unser Rabbiner hätte ein Schreiben mit Vorwürfen erhalten, eine reine Fiktion ist. Hr. Chajes hat sich bereits einen unsterblichen Namen erworben und leistet Verzicht auf die Lobhudeleien gewisser Leute. Geräuschlos, wirkt er im Stillen , er kennt sein Terrain und weiß, wie er darauf zu operiren hat. Die Verläumdrmgen unberufener Korrespondenten, die in einem Chorrocke und einer Predigt das Heil der Juden, den neuen Messias sehen, prallen 24 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.