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Der Orient · 1845-06-04 · Heft 23 (4.6.1845) · p. Seite 182

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 23 (4.6.1845)
Date
1845-06-04
Page
Seite 182 (sequence 11)
Language
German
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182 ihre Verwahrungen besonders in hebräischer Sprache veröffent- : licht. Von rabbinischen Notabilitäten bemerkt man unter den neu hinzugekommenen bloß den Rabbiner von Metz, L. M. Lambert, Vers, der „ttist. des Hebreux“ und sonstiger Schriften. Die Namen vieler berühmten deutschen Rabbiner der orthodoxen Richtung, wie R a p a p o r t, F r a n k e l, S a ch s u. A. befinden sich nicht unter den Unterzeichneten. (O.P.A A.) Von dev Elbe, 18. Mai. Unter den mannigfachen traurigen Erscheinungen des heutigen Iudenthums, nimmt gewiß die nicht den letzten Platz ein, daß in der Behandlung der obschwebenden TageSfragcn, sowohl von den Betheiligten selbst, als von der Masse berufener und unberufener Kritiker und Korrespondenten t die Würde deS Wortes stets mehr misachtet, statt der Beweise, Persönlichkeiten,, statt zu widerlegen, geschimpft und gespöttelt wird. Daß derartige Schmähartikel der eigenen Sache, der ste nützen sollen, bei Weitem mehr schaden, ist eine längst von alten Vernünftigen anerkannte Thatsache; nichts dcstoweniger haben gerade die neueren und neuesten Ereignisse im Gebiete des religiösen Iudenthums dieser traurigen Schmahsucht Stoff in der Fülle dargeboten. Zn einem jüdischen Blatte berichtete ein Korrespondent ,,Von der Saale" über den bekannten Protest der 77 Rabbiner gegen die „Rabbiner-Vcrsanunlung" in einem Tone, der jeden Gebildeten in Israel, mag er sich zu jeder beliebigen religiösemRichtung bekennen, mit Leidwesen, mit Verachtung erfüllen muß. Man steht die Saat, die die Herren Rabbiner nach ihrer Rückkehr von dem Orte ihrer Vereinigung gegen einander ausgestreut, hat ihre Früchte getragen, und wenn die Meisten selbst in einer Klimax von ,,Eitelkeit und Stolz" an, bis zur „Lüge und Verfälschung" sich bewegen, dann ist es den resp. Herren Korrespondentcn wohl erlaubt, wenn möglich, noch eine Stufe niedriger herabzustcigen. Wir wollen nicht in den von uns so schwer gerügten Fehler verfallen, sonst möchten wir jenen Herrn Korrespondenten,,Von der Saale" fragen, ob er ihm den nnglück'- lichenRath ertheilt, um jeden Preis, Korrespondent von der Saale" sein zu wollen? Denn abgesehen davon, daß er in seinem geographischen Paroxismus nicht einmal daran gedacht, daß da§ so eifrig von ihm frequentirte „Stein'sche Handbuch" eine fränkische und thüringische Saale mit ihren vornehmsten Nebenflüssen, als: Schwarza, Orla, Ilm, Unstrut, Elster, Wipper, Bode; dann: Milz, Strey, Brend, Bauer und Sinn anführe, würde er sich, sein eifriges, , geographisches Studium nach den ungarischen und deutschen RabbinatS-Sitzen haben ersparen können, wäre er nicht Korrespondent „Von der Saale" gewesen. Ein Korrespondent „von der Saale" sieht freilich nur „böhmische Dörfer" da, wo eine ditto „von der Donau" etwa, auf alte, wohlbekannte Firmen stößt. Die geographisch-statistischen Notizen, die dem Korrespondenten „von der Saale" gänzlich fehlen, und — woran wir nicht zweifeln — begreiflicherweise fehlen müssen, hätte ihm jeder Schulknabe in Wien , Frankfurt a. M., Karlsruhe, Kassel re. geben können, woselbst man freilich von einem Korrespondenten „von der (fränkischen oder thüringischen?) Saale" nicht allzuviel wissen würde. Doch stören wir jenen Herrn nicht in seinen geographischen Untersuchungen und bleiben bei der einfachen Thatsache stehen. 23 Rabbiner und Prediger aus den verschiedensten Theiten Deutschlands traten zusammen, legen sich, gegen den ursprünglichen. Plan, den Charakter einer Synode bei, beschließen als solche, und veröffentlichen diese Beschlüsse als religionskräftig und giltig. 50 deutsche, 27 ungarische Rabbinen erklären eben diese Beschlüsse für null und nichtig, und verwahren sich zum Voraus gegen alle ähnliche Beschlüsse künftiger Versammlungen. Unter diesen 50 deutschen Rabbinen finden sich mit Ausnahme der Vertreter kaum dreier größerer Gemeinden, deren Rabbiner durch persönliche Verhältnisse abgehaltcn waren, ihren Beitritt durch Namens-Unterschrift zu bekräftigen; und mit Ausnahme dreier Ariderer, die, wie wir hören, zwar unterschrieben haben, aber ihre Unterschrift, an Bedingungen geknüpft, die vor der Majorität, als unstatthaft zurückgewieseu worden — nicht nur die' größten und ältesten Gemeinden des Vaterlandes durchaus vertreten, sondern es hat auch, da man den Rabbiner in der Regel, und zwar mit Recht, als den Vertreter der religiösen Ansichten der Mehrheit seiner Gemeinde annehmen kann und muß, das konservative, talmndisch-orthodoxe Jndenthum von Neuem bewiesen, wie tief cs noch trotz aller Stürme, trotz aller entgegengesetzten Versöhnungen, in der größeren Majorität des Volkes vorherrsche, wie es kräftiger darstehe, als der moderne, von sich selbst bereits überflügelte und verzehrte Liberalismus. Die ungarischen Rabbinen sind die Koryphäen talmudischer Gelehrsamkeit in ihrem Lande, unter dem Scepter des sonstigen deutschen Reichs-Oberhauptes lebend, durch nachbarliche sociale und andere Verhältnisse auf's Innigste an Deutschland geknüpft, und gerade durch ihren Beitritt zu den Bestrebungen der konservativen deutschen Rabbinen bekundend, daß sie die in der Majorität der deutschen Juden vorherrschenden Gesinnungen richtig aufgefaßt und durch ihren Beitritt deren Interessen zu kräftigen bereit sind. Daß je unerwarteter dieser Protest erschien, und tu solcher Ausdehnung erschien, abgefaßt in einem ruhigen, würdigen Tone, wo man so gern Persönlichkeiten, Schimpsreden sehen wollte, desto böseres Blut er machte, war voranszusehen, sowie, da inan der offenen Thatsache gegenüber nicht widerlegen konnte, man dem gepreßten Herzen in den niedrigsten Persönlichkeiten Luft machen würde. Ja, wenn jene 50 Deutsche, jene 27 Ungarn, und wie wir ebenfalls gewiß hören jene' neueren 40, die sich seit der ersten Veröffentlichung noch äuge sehtoffen, in Brannschwcig erschienen, dort unter Gleichgesinnten das Friedensfest der Wiederherstellung des religiösen Iudenthums zu feiern, dann würde man so we-

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