Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1845)
- Date
- 1845-06-04
- Page
- Seite 181 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Mich Mut ft auf gar keine; cs ergötzt sich an dem Gezanke und vergißt darüber die Sache, die wichtige, heilige Sache, um die es sich eigentlich handelt. — Und wie dem Tone, so kann ich auch dem Inhalte der Erklärung meine Zustintmung nicht geben, halte mich vielmehr für verpflichtet, demselben offen zu widersprechen. Es faßt sich dieser Inhalt in folgenden Worten der Erklärung zttsammen: ,,Nur wer die Versammlung r e p r ä se n t i r t, konnte sie k o in p r o m i tziren. PH. war eine Null in der Versanunlnng — er bleibt auch eine große Null gegenüber der Versammlung re." Was Herr Dr. Fr. ein Nepräsentiren der Versammlung nennt, und was sie nach seiner Meinung zu repräsentiren hat, weiß ich nicht. Aber daS weiß ich, daß Niemand eine Null in derselben utit Fug genannt werden darf, der an den Verathungen ernstlich Theil genommen, dessen Anträge gehört und zum .Theil genehrnigt wurdest und dessen Stimme bei den Beschlüssen zählte. Noch viel weniger mochte dies lieblose Epitheton auf PH. anzuwenden sein, da ihm allerdings da§ Verdienst nicht abzusprechen ist, daß er sich unt das Zustandekommen der ersten Versammlung viele, recht viele Mühe gegeben. prjn Ob er es aus nnlautern Motiven gethan, ob er erwartet hat, bei derselben eine besonders wichtige Rolle zu spielen, ob die schiefe Stellung, die er sich später zu der Versammlung gegeben hat, eine Folge seiner Erbitterung über getäuschten Ehrgeiz nv war — das muß ein für allemal dahin gestellt und als Mm Bereiche der Subjektivität angehörig, aus sich beruht bleiben. Genug, die Versammlung hat ihn nicht als Null betrachtet, und wird und darf nie ein Mitglied als Null betrachten, das die Berechtigung, cs zu sein, hat. Die Versammlung ist sich also keiner Ungerechtigkeit gegen ihn bewußt — was allerdings der Fall wäre, wenn er ihr eine Null, d. h. ein überflüssiges Mitglied gewesen wäre — und wird auch ferner ihm und Jedem gerecht bleiben, der sich utit ihr der Lösung der Aufgabe, für die Erhaltung und Forrbilduttg des Judenthums Sorge zu tragen, aufrichtig widmet, mag erdannangehören, welcher Farbe und Richtung er will, mag dann seine subjektive Ueberzengnng mit den Beschlüssen der Majorität nbereinstimmen oder nicht. WaS mich wenigstens betrifft, so gebe ich diese Freiheit der eignen Ueberzeugung auch der Versammlung gegenüber nicht auf, und werde es daher auch weder PH. noch irgend Jemanden verargen, wenn er in einem und Mut andern Punkte dissentirt und diesen Dissens tu angemessener, würdiger Weise ansspricht. Wir kommen ja nicht zusammen, mn als S y n o d e ein hierarchisches Recht jtt üben — wie man uns freilich von einer gewissen Seite her angesonnen hat — und nehmen ja überhaupt keineandere Autorität in Anspruch, als die unsere Ansichten über die Bedürfnisse des religiösen Lebens im Jndenthume anszutauschen, und was wir nach bestem Wissen und Gewissen fiir nothwendig und zulässig halten, unumwunden unt) ohne Rückhalt cmSznsprechen und der Welt vorznlegeu. Wir — ich glaube unbedenklich im Namen Vieler, wo nicht Aller sprechen zu dürfen — wir geben somit der: Beschlüssen der Versammlung nichts weniger als die Kraft der Unfehlbarkeit und weisen somit die Prüfung und den begründeten Widerspruch keineswegs zurück. Nur wenn er, anstatt mit Gründen, mit — Namen und Bannstrahleu austritt, wenn man mit auimofen Verdächtigungen und Verketzerungen — wie e§ leider geschehen ist — über uns Herfatlt, den Beraihungen und Beschlüssen den Makel der Unbesonnenheit oder gar der Irreligiosität anhestend, dann weisen wir den Widerspruch in corpore als einen schnöden , verächtlichen zurück und lassen uns von ihm nicht weiter beirren. — Inden: ich Sie, Herr Redakteur bitte, diese meine Erklärung im Orient baldmöglichst ab drucken zu lassen, halte ich zum Schluffe die Versicherung nicht für überflüssig, daß ntich keinerlei persönliche Rücksichten zu dieser Erklärung veranlaßt haben und daß ich keine Absicht weiter damit verbinde, als der Wahrheit und Billigkeit das offene Zeugniß zu gebe):. Mit Hochachtung B. Wechsler, Großh. Oldenburg. Landrabbiner. Frankfurt a* M. im Mai. Ein Artikel der O. P. A. Z. aus Mainz, der auch in ein jüdisches Blatt übergegangen ijt, erhielt eine offtcteüe Widerlegung in nachfolgendem Art. der Oberpostamtszeitung von 18. dieses: Bingen, im Mai. (Einges.) 47 Mitglieder der aus circa 96 Familien bestehenden hiesigen israelitischen Gemeinde haben sich der Protestation gegen die Competenz der Braunschweiger Rabbinervecsammlunng und aller etwa nachfolgenden ähnlichen Bersammlungen, deren Text in Nro. 117 der „Oberpostamtszeitung" abgedruckt ist, durch ihre Namensunterschrift angeschloffen. .Rechnet man'hierzu 25 biß 30 Gemeindeglieder, die sich weder der Protestation, noch der Adresse an die künftige Rabbinerversammlung angcschloffen, so findet in dieser Lhatsache der in der 2. Abtheilung der O. P. A. 3 enthaltene Artikel „Mainz, Mai," dem zufolge sechszig hiesige israelitischen Gemeindeglieder angeblich eine Adresse an die zukünftige Rabbinerversammlung unterzeichnet haben sollen, seine Widerlegung und Würdigung von selbst, und kann dessen weiterer Inhalt somit füglich übergangen werden.' Die verehrliche Redaktion der O. P. A. Z. erhält hierbei die Originalurkunde zu gefälliger Einsicht und wird im Interesse der Wahrheit ersucht, diese Erklärung und Berichtigung in ihr Blatt aufzunehmen. Frankfurt a. M. 25. Mai. Der bekannten Protestation der 77 Rabbiner gegen die Braunschweiger Rabbinerversammlung haben sich noch weitere n e u n u d d r e i ß i g angeschlossen, deren Namen in der eben erschienenen zweiten Auflage der Prottstation mit abgedruckt sind. Die 116 Protestirenden bestehen aus 64 deutschen, 38 ungarischen, 12 französischen und 2 schweizer Rabbinern. Die holländischen haben