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Der Orient · 1845-06-04 · Heft 23 (4.6.1845) · p. Seite 180

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 23 (4.6.1845)
Date
1845-06-04
Page
Seite 180 (sequence 7)
Language
German
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180 Die Reformvereine wollen das Judenthum mit einem Male vernichten, und nur noch den Namen und das orientalische Blut beibehalten. Das kann zu Nichts führen! Ein anderer Verein will ein deutsches Judenthum einführen. — Ist/ben so.unzulässig als widergesetzlich; denn von allen Enden der Welt ruft ihm die heilige Tora entgegen: Ein Gesetz und Eine Lehre sollt Ihr haben l 1\ Die Orthodoxen wollen keinen Finger breit vom Talmud weichen, den sie fast heiliger als den Pentateuch halten. Von Orthodoxen ist also nichts zu erwarten. Der Rabbiner-Versammlung will man die nöthige Autorität absprechen, weit sie nur auS Neologen besteht. Also auch von da können wir wenig hoffen. Wo nun einen Ausweg st'nden? Wenn wir unsere Ansichten frei auszu sprechen wagen , so rufen wir Euch freudevoll entgegen: Noch ist Israel nicht verwaist! Es giebt Gottlob noch Männer unter ihnen, die den Ruf als streng religiös, wissenschaftlich gebildet und den Zeitgeist huldigend, in sich vereinen, und mithin das ganze Vertrauen des Volkes genießen. Sie Hr. Groß-Rabbi von Paris, Sie Hr. OR. von Großbritannien, SieHr. OR. von Prag, Sie Hr. OR. von Dresden, Sie Hr. ON. von Emden, und noch viele dergleichen, an Sie ergeht unser Ausruf! Sie die Tannaim des 19. Jahrhunderts, auf die Israels Auge gerichtet, Sie sind es, die Israel wieder vereinigen und zugleich reformiren können. Ihnen sei das schöne Ziel Vorbehalten; Ihre Worte werden Anklang in dem Herzen jedes Gläubigen finden. Und könnte es solchen Leuten wohl an Muth fehlen? War'das Rabbinat zu Worms unter Leitung des R. Gerson nicht dreist genug, Polygamie, Trotz der Erlaubniß des Pentateuchs wld Talmuds, bei den Juden aufzuheben, und sind ihm nicht noch die spätesten Nachkommen dafür dankbar! — Tretet in die Schranken, rufet ein Concilium von Männern Eurer Gesinnungen zusammen (die Kosten wird das gemeinschaftliche Israel mit Freuden decken), gehet getrost an das heilige Werk, reinigt den Talmud von seinen Schlacken; denn wir leben in einer Zeit, wo Hexerei, Traumdeuterei, Geisterbeschwörungen und Spukgeschichten keinen Anklang mehr finden; modificirt das Gesetz nach der Zeit, wie es der Talmud nach jenen Zeiten mvdifieirte, führt einen regelmäßigen erhebenden Gottesdienst, wie das Judenthum ihn einst besessen, wieder ein; stellt die althebräische ^göttliche Sprache wieder her, sorgt für den Religionsunterricht der Jugend unter Leitung eines Bezirksgeistlichen, wozu jede größere Gemeinde hohem Orts gezwungen und die kleinern unbemittelten vermöge eines gemeinschaftlichen Vereins unterstützt werden müssen, und bringt uns durch modifieirte Gesetze unfern Mitmenschen näher! Uub so weit das Judenthum reicht, wird Eure.Autorität anerkannt, Euer Name gesegnet, Euer Ruf unsterblich gemacht, und der Segen des Allerhöchsten unausbleiblich still. Möge Euch bei Eurem heiligen Berufe der dreifache Geist eines Moses ben Amram, eines Moses ben Maituon und eiiles Moses Mendelssohn umschatten, und Euer» Mulch, den wir in Euch voraussetzen, noch bekräftigen. Die Zeiten der Verketzerung, die Zeiten des Ballncs und die Zeiten der Finsterniß sind Gottlob! vorüber; Israel lächzt nach eurem Leben; Ihr seid vom Volke dazu berufen, es ihm zu geben: yox populi, yox Del! — Darum säumt nicht, geht ans Werk ehe es zu spät lvird. Schon sind mehrere Breschen geschossen, und wehe uns, wenn das stolze aber morsche Gebäude dem Verderbe!: anheim fällt. Ihr begreift, welche Pflichten Euch nach dem Kampfplatz rufen. A...... «Oldenburg, 25. Mai. So eben kommt mir die Nr. 19 des Israeliten zu Gesicht, in welcher ich am Schlüsse eine heftige, von der Leidenschaft diktirte und ihre Sprache redende ,,Erklärung" des Herrn Dr. Frankfurter gegen Herrn Dr. Philippso.n finde. Der Erklärung ist die Aufforderung an ,,alle ehrenwerthe Mitglieder der ersten Rabbiner-Versammlung^^ angefügt, ,,durch Beitritt zu dieser Erklärung die ehrenhafte Gesinnung zu bethätigen und es auSzusprechcn, daß sie den ,,Leviathan an der Elbe" trotz seines Blattes w. weder für noch gegen die Nabbiner-Versanunlnng irgend von Werth und der Beachtung würdig hält?" Da ich selbst Mitglied der ersten Rabbiuer-Versammtung war, so glaube ich diese Aufforderung nicht stillschweigend hinnehmen zu dürfen. Denn wenn irgend, so hat hier Jeder seine Zeit, nur daS wahrhaft „Ehrenhafte", das nun leider schon so oft in diesem gehässigen Streite außer Acht gelassen und wodurch allerdings der Welt schon viet Skandal gegeben worden ist, zur Geltung zu bringen. Und so erkläre ich denn meinerseits, daß ich es keineswegs billigen kann, daß ich es vielmehr aufs tiefste bedauere, wenn in der Erklärung des Herrn Dr. Fr. bittere, die Persönlichkeit des Gegners beschimpfende Beleidigungen Vorkommen. Ich bin zwar weit entfernt, daS Benehmen des Herrn Dr. Ph. gegen die erste Versauunlung und gegen einzelne Mitglieder derselben gut zu heißen. Wenn aber auch eine ernste, ringende Kritik dieses Benehmens nothwendig und provoeirt war, so ist es doch nichts weniger als nothwendig oder gar ehrenhaft, Schimpf mit Schimpf und Herabwürdigung mit Herabwürdigung zu vergelten. Wer zu diesen Waffen greift, der giebt sich selbst Blößen und — schadet der guten Sache, der wir doch alle aufrichtig dienen wollen. Semper aliquid liaeret! Was soll der Laie, was soll das Publikum von solchen Streitigkeiten halten? Dr. Ph. wirst den: Dr. Maie r und den Dr» Salomon Angriffe auf seinen Charakter und Verunglimpfungen vor und giebt die vermeintlichen Angriffe in gehäuftem Maaße zurück. Nm: kommt Herr Dr. Fr., sagt, Ph. schimpfe pöbelhaft, und — nimmt dafür reichlich Revanche. Auf wessen Seite wird es sich neigen?

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