Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 22 (28.5.1845)
- Date
- 1845-05-28
- Page
- Spalte 343-344 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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848 844 Studien. Divergenz des Sohar von der frühem Kabbala. sachlich da er viele Stellen hat, die man in andern MfkLen vermißt. Auch stimmte er mit dem Cod. des Kardinal Egydms genau überein. Wie? sollte wohl in den Zeiten Recanati's der Meister noch gelebt haben, ans dessen Werkstätte der Sohar hervorging, der also auch von demselben Stofs und derselben Form Nachträge liefern, oder auch Einiges, was ihm nicht mehr gefiel, weglassen konnte? Das waren die Gründe, die meinen frühem Zweifeln über die Echtheit des Sohar mehr Schärfe und Gewicht gaben. Jedoch es waren immer nur Gründe, die blos den Verdacht erhöhten, aber noch nicht berechtigten, ein bestimmtes Urtheil zu fällen. Folgende zwei Punkte aber gaben der Sache den Ausschlag , und führten wir —■ was ich nie erwartet hätte — den Verfasser selbst in die Hände: 1) Dadurch daß ich die kabbalistische Literatur von oben herab historisch-kritisch studirte, fand ich, daß alle Kabbalisten der frühem und spätem Zeiten gewisse Ideen miteinander gemein haben, daß aber auch jeder Kabbalist wieder seine Eigenheiten, entweder der Materie oder der Form nach, hat, durch die er sich individuell von den anderen unterscheidet. Der Eine hat es mehr mit den 10 Sefirot, der Andere mehr mit Buchstaben- und Zahlenspielen zu thnn; der Eine legt immer den Talmud und die Midraschim zu Grunde, der Andere arbeitet selbstständig; bei dem Einen ragt das kabbalistische, bei dem Anderen das philosophische Element hervor; und bei Letzteren wieder bald die Astronomie, bald die Mediein oder die Philosophie überhaupt. Aber wie gesagt, bei allen diesen Individualitäten haben alle gewisse Grundvorstellttngen, z. 83. von den 10 Sefirot mit einander gemein. Nun aber unterscheidet sich der Sohar nicht blos individuell, sondern auch im Mgegemeinen, d. (;. in dem, was alle andere Kabbalisten mit einander gemein haben, wesentlich von denselben; er hat ein ganz anderes, man kann beinah sagen — entgegengesetztes System. Die Grundlage seines Inhaltes macht, wie ich dies schon in meiner Schrift: ,/Wesen und Form des Pentateuchs" gezeigt, seine Dreieinigkeit aus, und von dieser finden wir beiden Anderen kein Wort^). Eben so wenig finden wir die Theilung der Gottheit in ö-Nw"! und NDpU oder in ndn und NON (männliches und weibliches Prineip), was eben mit seiner Dreieinigkeit in Verbindung steht, bei den anderen Kabbalisten wieder; ja H'itt'i, der Ba- 5) Der Bahir spricht nur in sofern einige Mal von nn»DD als er die iO Sefirot in 3 obere und 7 niedere (als heilige Zahlen) theilt, wie dies auch das m^", 'd thutz und die rilON vhw mr dritten Abschn. des yD werden im Buch selbst erklärt: es sind die Buchstaben aus welchen miN , MD und AN wird. ter unserer Kabbalisten6), spricht schnurstraks gegen eine j solche Idee, und hebt mit seinen Worten das ganze | System des Sohar auf^). Von den 10 Sefirot, | mit welchen die Andern so großes Wesen machen, fin- | den wir im Sohar sehr wenig; wo ja die Rede davon ist, werden nur 3 Sefirot erwähnt, die wieder mit NDN, NON und p synkretirt werden. Die Erklärung des Namens mnv den Buchstaben nach, die im Sohar '; unzähtigemat vorkommt, und worauf der Verfasste fast j bei allen Ge- und Verboten zurückkommt, finden wir i auch bei Anderen nicht. Kurz, der ganze Inhalt des! Sohar unterscheidet sich wesentlich von den Schriften aller anderen Kabbalisten. Seine Grundideen, die durch das Ganze durchziehen/ finden wir nirgend bei Anderen wieder. Hätte nun die Kabbala des Sohar in irgend einer frühern Zeit wirklich unter den Kabbalisten geblüht, wie wäre e§ möglich, daß das Fundament derselben, ihr Grundcharakter, sich so ganz verloren? So verloren, daß Hinr\ gerade das Gegentheil davon lehret? Wären nicht die Grundvorstellungen mündlich von Lehrern auf Schüler verpflanzt worden, und wenn auch das Buch in der tiefsten Tieft versteckt gelegen? Hat - sich wohl jemals die Lehre einer großen Schule spurlos verloren, weil die Schriften derselben zu Grunde gingen?! Wir müßten wenigstens das Grunddogma bei anderen! Kabbalisten, die ja alle in eine spätere Zeit fallen würden, wieder finden; denn was in der Kabbala der Schüler vom Lehrer empfing, das trug durch daS avxog ecpxj \ das Zeichen der Wahrheit an sich, und es fiel dem jj Schüler nicht ein, anders zu denken (woher denn auch 8 der Name rfop, ick, quod alias alii Iradit)8).- 1 2) Dy |tn pnsn rn sage: ttnn nr by ntap i? nhi I d wbnb vabw nw iw md p n iy bon isd g ■oni , r^'j iro^No bip d m hm i’^Nnn ton S bip ^'dn-ii lro^p bipm Nin ronn ipp p o v£op | 7.d i"dn-ih idno hip mru md ronn apy* 'no. 8 7) Seine Worte sind in seinem Kommentar zu nmä*1;D 1 (Mischna 2, Abschn. 3): , a/DSÜ 'ID Itil im ]0 ifr runr I M N1H1 POND lD mUD irp JO ND1 ')! ITW N1H1 | D*>00 m 1JLD Nim / ^DND ']W UJD VT* JO Ul , NNO I ■dt nvb phd rohyojn pp^nno noo1?! ^dno d jni I mim * napJi mn pN tond bin , napji * OM ayn mpJi DD! Dm nab wn pN in oy iro roo wanh HD. Die ti^IW kommt zwar im Bahir immer als UjOpI vor z aber sie wird unter die nVTDD '*> gezählt, von welchen sich Gott unterscheidet (oder, nach Einigen, an deren Spitze Gott steht). 8) Mit meiner frühern Annahme, die Lehre des Sohar habe wirklich epistlrt, und sei ins Christenthum über gegangen, läßt sich dies Rathsel keineswegs lösen. Als Recanati, Zium u. A. einmal den Sohar hatten, lehrten auch sie unverholen die sohar'sche.Dreieinigkeit - eben so würden die altern Kabbalisten, hätten sie eine solche Lehre empfangen, ans Liebe zu ihrer Tradition dieselbe nicht verschwiegen, noch viel weniger aber das Gegentheil gelehrt haben. f