Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-05-21 · 21 (21.5.1845) · p. Spalte 325-326

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
21 (21.5.1845)
Date
1845-05-21
Page
Spalte 325-326 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9897698-9897722--4038-3531308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

325 Studien. Menachim Recanati. 328 werde wohl die gelehrte Welt vor dem Gebrauche dieser flüchtigen Arbeit warnen müssen. So viel über diesen Punkt; und ich erlaube mir nun zur Sache des Sohar überzugehen.?) Obgleich ich früher den Inhalt des Sohar (aus Gründen, von denen ich später reden werde) für alt hielt, so waren mir, wie jedem Andern, doch immer 2 Punkte verdächtig: 1. das spate Erscheinen desselben in der jüdischen Literatur; 2. die Stellen die ein ganz junges Zeitalter vermthen , z. B. die von mir angeführte über die Kreuzzüge; und ich hoffte und wünschte immer in einet reichen kabbalistischen Manuscriptcn- Sammlung Aufschlüsse entweder über die Echtheit oder die Falschheit dieses sonderbaren Buches zu bekommen. In der hiesigen Manuskripten-Sammlung hatte ich . nun Gelegenheit, die kabbalistische Literatur historisch-kritisch -von dem rrviP pDD oder dem Geonäischen Zeitalter an bis in das sechszehnte Jahrhundert herab zustudiren; und — soll ich leid er oder Gottlob sagen — meine Zweifel wurden durch dieses Studium nicht nur nicht gehobell, sondern die Verdachtsgrüude wurden gewichtiger und mehrten sich. Ich fand es 1. bestätigt, daß Menachem Recanati in Italien der erste ist, welcher von 1280 bis 1290 vor Ehr. (oder 5040 — 5050 nach Erschaff, d. W.) Auszüge aus dem Sohar giebt. Weder die Früheren noch seine Zeitgenossen (von der Zeit Recanati'S oder des fiO&n’ö hat man eine ganze Fluth von kabbalistischen Schriften) haben eine Spur von einem Buche Sohar; ja in Spanien und andern Ländern ist noch 200 Jahr nach Recanati der Sohar etwas ganz Neues und Seltenes. Recanati selbst hat ihn noch nicht gekannt, als er seine nobrppDD geschrieben; denn in diesen hatte er oft Gelegenheit auch 2) Die Notizen über Widmanstadt entnahm ich einer seltenen Schrift: „historisch-literarischer Versuch von Entstehung und Aufnahme der kurfürstlichen Bibliothek in München. Abgelesen am Stiftungstage der hiesigen Akademie, den 28. Marz 1784 von Ge rh old Steigen berg er. Das große Werk Biographie universelle, das kürzlich eine gelehrte Gesellschaft in 52 Bdn. zu Paris herausgegeben, hat über Widmanstadt viel Falsches, während man viel Wahres darin vermißt. . Z) NTirp ' *1 ist 200 Jahre nach dem Leben Reeanati's von Spanien nach Italien gewandert; hier schrieb er dann seinen Kommentar zu n:nyD und' sagt in der Einleitung : weder fi t, noch der fsm, noch 'n2VF) hätten den Sohar gekannt: üb ’NUD p nm n uroa -wn jnriNrj -in ly . Also 200 Jahr nach Recanati sagt dieser Spanier: niTN ]TTlNn 1)1 ly DW1 n ..Sn der nämlichen Zeit des fl bat 'v Ü'WpjW'pö DWT ,rrf>N feine nniDH nn^ geschrieben, die hier in Mskrpt. liegen. In diesen citirt er den Sohar nur aus dem Recanati, sagt einmal selbst: tob TWD 1DDT und bezeugt, daß der Sohar nur dem Recanati in die Hände gefallen sei. die Meinung des Sohar, den er für so heilig hält, zu berühren, aber er thut dessen keine Meldung. Er muß erst kurze Zeit vor seiner Abfassung der NM zu dem Sohar gekommen sein. Denn in diesen ist er von der Erscheinung des Sohar noch so überrascht, daß er gar nicht weiß, wie er ihn nennen soll; N^DiDii nNllN und Vrün lim sind seine Ausdrucke, die aber in seinen folgenden Schriften (MMN ILOTO und WTB), in denen er schon mehr.an denselben gewohnt, .nicht mehr zum Vorschein kommen. Ja es findet sich in seinen ri.WDn ‘»pyp eine 2leußemng, welche verräth, Recati müßte geglaubt haben, der Sohar sei ihm direkt vom Himmel gekommen. Er kommt nämlich ans die Idee eines Kabbalisten zu sprechen, und sagt in Bezug ans denselbe: ras wab p--P , tirr rwaj nsu 'D nrn n^didh mm "Bpn . Wäre erder. Meinung gewesen, der Sohar komme von wrw p pyp&y /*> her, so paßt kein ans etwas, das vor 1000 Jahren geschrieben worden.^ Man prophezeihet nicht das Vergangene. Deswegen sagt er auch in diesen rwab nicht TWn IDD mwm DPtf , wie er irr seinen folgenden Schriften sich ansdrückt, sondern im “irw TDD oder in: brtfn mit >X> steht. Hätte Recanati selbst 4) Ewige Stellen in den tpM '»vMdie aber (wie ich zeigen werde) aus Mißverstand und Nachlässigkeit der Abschreiber entstanden, haben Hrn. Aunz glauben gemacht, Recanati habe zweierlei Sohar: einen TW und einen Tltt bn.in gehabt. Ich frage aber, wenn dem so ist, wie kann er 1. manchmal pdd schlechtweg sagen, man weiß ja nicht, was das für ein pinm ist; oder hat er etwa noch einen dritten beseffen, den er vw nennt? Warum sagt er 2. in den rwaD mehrere Mal: mo tyrp&O TMÖ mm oder: TWn “IDD tÖTVED TONPil UTW TD, und erklärt nicht, welchen Sohar er kommentirt? Wie ist es 3. zugegangen, daß der sammt dem 11)1 in seinen folgenden Schriften verschwunden? Oder hat er jene zuerst geschrieben: woher hat er auf einmal noch einen Sohar dazu bekommen? Es liegt aber 4. ein MS. der hier, das wunderschön mit großem Fleiß geschrieben ist. Wo der Name Sohar oder Bahir vorkommt, ist der ganze Satz mit rother oder grüner Dinte geschrieben. In diesem MS. aber wird eine Stelle aus dem “pyun TW herausgezogen, und am Ende heißt es: ^D)Pn TW 1DD3 p und umgekehrt. Eben so wird eine und dieselbe Stelle einige Blatt vorher dem TW und später dem h)im TW zugeschrieben. Sie werden sagen, die Erscheinungen in diesem MS. seien ein Fehler der Abschreiber. Sehen Sie, nun stehen wir schon wieder, selbst nach der Meinung von Aunz, bei Fehlern der Abschreiber. Jene Stellen, die Zunz vorsührt, mögen auf folgende Weise entstanden sein. Gelehrte, oder Abschreiber hatten die Ansicht von Aunz, der n^DIDH und PlTH TW seien zwei verschiedene Dinge (sie nahmen nämlich die Sache buchstäblich, nicht psychologisch). Als sie nun in den '»JPyCO -etne Stelle fanden, in der die Bücher äufgeführt werden, aus welchen Recanati seine Lehren gezogen, ging ihnen noch der Npswon TW ab (der bn.1 stand schon), sie hielten das für einen Fehler, und verbesserten ihn. Daß 21 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.