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Der Orient · 1845-05-21 · 21 (21.5.1845) · p. Spalte 323-324

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
21 (21.5.1845)
Date
1845-05-21
Page
Spalte 323-324 (sequence 2)
Language
German
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Studien. Widmanstadt. Josef Jbn Jachja. Abravanel. 324 sich/ nicht sein großer Lehrer Reuchliu ebenso mit Pseffer- 323 zurückgezogen seinen Studien. Ihm hat die gelehrte Welt die erste Ausgabe der syrischen Uebersetznng des neuen Testaments zu verdanken (er gab dieselbe nach zwei nestorianischen Handschriften auf Kosten des römifthen Königs Ferdinand zu Wien anno 1555 in 2 Quartbänden heraus); er schrieb prima elemeiita lingiiae syriacae; gafcju Landshut Auszüge aus dem Koran Heraus; schrieb über die mühammedanische Religion; fthrieb später auch eine ungarische Grammatik; führte mit Paul Emilius und Paul Fagins (welcher letztere ein Schüler des Elias Levita zu Jsny, daselbst der berühmten hebr. Druckerei Vorstand) einen hebr. Briefwechsel; und hat den Sohar so gründlich studirt, daß er im Stande war, an den Rand seines U8. hin sehr schone erklärende Bemerkungen zu machen. Als großen Menschen lernen wir ihn aus folgender Note kennen, die ich in dem Commentar der 5 Megillot von Jbn Jachja zufällig von seiner Hand geschrieben fand. Seine Worte sind folgende : von Joseph Ahen Jecliaia Hispanus yenerandae sanctutis et eruditionis inter Hebraeos excellenlis Neapoli traditiones Thalinudicas docuit in aedibus Don Samuelis Abarhanel. Anno Christi M DXXXII, ubi eo etiam praeceptore sum usus. Vixit Neapoli Iioc anno Christi MDXLL Eodem tempore audiyi Baruch Beneveiitanum Optimum Cabalisticum, qui primus lihros Zoharis per Aegidium Viterhiensem Cardinalem in Ckrisiianos yulgayit. Samazario Syncero, et Nipho philosopho, Thoma Minadoio et Pisanella Jurisco, Familiariter suin usus, praeclaris hominibus et doctis. Hieron. Seripandum colui nt patrem. Hi omneis eiusmodi sunt, ut inseri cuiuslihet saeculi inemoriae possint inaximo cum splendore. Don Joseph scripsit praeter haec commentarios in Pentateuclium copiosos, et annotaüones in Thalmudicos Iractatus perspicuas et elegantes. "Huius memoria mihi refricayit yelerem illornm consuetudiiiem, quos non alia de caussa coniunxi, quam quod Neapoli tum omnes cognoyerim. (Später noch hinzugesetzt:) kulsns hoc anno ehr. MDXDI Judeis Neapolitano regno, Don Joseph Romae exilii sui locum elegit, jam senex et yirihus integris. . In dieser Rote sagt der baierische Geschäftsträger zu Rom unverholen, daß nur das Andenken an seinen werthen jüdischen Lehrer ihm auch den Umgang mit christlichen Gelehrten wieder in Erinnernng gebracht. Würde sich ein jetziger bäurischer Gesandte am päpstlichen Hofe auch so ausdrücken? Kein Wunder, daß Widmanstadt von einem gewissen Ambrosius v. Gumpenberg zu Rom der Ketzerei angeklagt wurde; welcher tolerante Mann hat nicht von diesem Geschmeiß zuleiden 7 Hatte körn und Konsorten hermnzuschlagen7 Während seines Aufenthaltes in Rom und andern Städten Italiens -sammelte Widmanstadt die hebr. M88. Er kaufte sie theits von jüdischen Inhabern, ließ '^viele auf eigene Kosten abschreiben, und bekam mehrere, höchst seltene, von seinem Freund, dem Kardinal Egydius von Viterbo (bei welchem ' -T 13 Jahre lang im Hause war) geschenkt. Bei dieser Sammlung richtete Widmanstadt sein Hauptaugenmerk auf die kabbalistische Literatur. Und das befremdet uns nicht, wenn wir wissen, daß in seiner Jugend Reuchlin sein Lehrer, und später der Kardinal Egidio da Viterbo, der mehrere kaLbal. Schriften, worunter auch nach de Rosst den Sohar, m's, Latciutsche übertrug, sein Busenfreund war. Für das Studium der Kabbala ist die hiesige Sammlung eine währe Fundgrube. Schwerlich besitzt eine Bibliothek in der Welt 'diesen Reichthum von kabbalistischen Handschriften.' Weder die Oppmheimer'sche Sammlung in Oxford, noch die de Rossi'sche in Parma kommen der hiesigen nahe; ja nicht einmal der Vatikan kann sich in (dieser Gattung mit ihm messen. Es liegen hier nicht, wie sich Dr. Lilienthal ausdcückt, und wie es Dr. Hamberger in seiner Uebersetznng des Dizionario 8torico von de Rosst nachgeschrieben, 313 M88., sondern 313 Codices, die über 1000 M88. haben. Und alle, mit wenig Ausnahmen, sind entweder medicinischen oder kabbalistischen Inhalts. Der Katalog der hiesigen M88. in der Allg. Ztg. des JudenthumS ist leider fast ganz unbrauchbar. Dr. Lilieuthal hat nicht bloö die Nummern verschrieben, sondern giebt auch häufig ganz fälsche Berichte; und .ich 1) In obiger Note war Widmanstadt in einem kleinen Irrthum. Er hat den Sohn für den Vater genommen. Don Josef Jbn Jachja ist jung gestorben, und nie nach Neapel gekommen. Was aber Widmanstadt von diesem Don Josef sagt, das gilt von seinem Vater Don David den Josef Jbn Jachja. Dieser war 22 Jahr und p-j in Neapel, und dieser wurde als Greis anno 1540 od. 1541 mit den übrigen Juden aus Neapel vertrieben. Man sehe das Buch Schalschelet Ha-Kabala (Venez.Ausg.) S. 66, dessen Verfasser, Gedalja, ein Sohn des Don Josef Jbn Jachja war. Widmanstadt hat wahrscheinlich in Neapel nur den Namen Jbn Jachja, nicht Don Josef und nicht Don David gehört; es kam ihm nun ein Buch von einem Zeitgenossen Don Josef Jbn Jachja, und in Italien verfaßt, in die Hände, und er glaubte, daß sei sein Lehrer in Neapel gewesen. Die Note ist übrigens auch in anderer Hinsicht von Wichtigkeit. Wir erfahren 1. durch welchen Kabbalisten der Sohar unter christliche Gelehrte verbreitet wurde; wir sehen 2. daß diejenigen Gelehrten recht haben, welche den Namen Jecha ia aus sprechen, und daß 3. die Aussprache Abarbanel, und nicht Abrabanel, die richtige ist. Da Widmanstadt ein Zeitgenosse dieser Leute, und bei demselben im Haus war, so mußte er doch wissen, wie ihre Namen ausgesprochen werden-

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