Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1845)
- Date
- 1845-05-21
- Page
- Seite 164 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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164 und Dringlichkeit der bessern Fern: und des bessern Anstandes in unfern Synagogen. Es sind bereits bis heute Gutachten cingelaufen von den ehrwürdigen HH. DD. Mannheimer, Philippson, Geiger, Mayer, Salomon, Schwab, Holdheim, S. Hirsch, Skreinka, Pillitz, Heß, Stein, Hamburger, Fasset, Naida, Herzfeld, Abr. Kohn, Herxheimer und Zipfer. Einige dieser genannten Herren haben sich streng an den Wunsch der Fragesteller gehalten und gedrängte, die gelehrte Erörterung vermeidende Antworten gegeben. Mehrere haben den Gegenstand ausführlich behandelt. Die Gutachten sind größtentheils voll Tiefe und voll Wärme. Die Fragesteller und ihre Gleichgesinnten sind willens, die eingelanfenen Gutachten hier ckrkuliren zu lassen*), um den bessern Ansichten Theilnehmer zu gewinnen und das hier so sehr getrübte religiöse Bewußtsein durch ein Jncitament von Außen zu erhöhen. Ob es ihnen gelingen wird, steht bei Gott. Ein so dürrer, für alles Wahre unempfänglicher Boden braucht eine anhaltende und kräftige Bearbeitung, um ihn für das Gute urbar zu machen; und hierzu wäre nur ein Weg — und der ist: die Errichtung einer guten Schule! — ' Die geneigten Leser des Orients werden es bereits wissen, daß unser Rabbiner Herr Paul Horwitz, der Herold der ungarischen Rabbinerversammlung, in einem Alter von 49 Jahren, nach einer sechstägigen Krankheit gestorben. Friede seiner Asche! Friede seiner Ge- . mein de!- Paltie l. Die ersten Regungen einer deutsch - jüdischen Kirche. XII. Posen, 9. Mai. Das allgemeine Drängen nach zeitgemäßen Reformen auf dem Gebiete der religiösen Dogmatik ist endlich bis zu unserer Israelitengemeinde gedrungen, in der sich jetzt einige Bewegung zum Anschluß an die Erstrebnisse der berliner und breslauer Reformatoren kund *) Wir halten dafür, daß dergleichen Gutachten durch den Druck veröffentlicht werden müßten, um ihnen dadurch eine größere Verbreitung möglich zu machen. Dann sollten die Fragesteller nicht blos Rabbiner befragen, DJ/) m im Judenthume mit Recht keine Stimme hat, und die n fw der Alten waren immer an trofft v-pD^n gerichtet. giebt; ob mit Aussicht auf Erfolg, muß vor der Hand dahin gestellt bleiben; wir glauben aber, bei der innern Beschaffenheit der hiesigen jüdischen Gemeinde, kaum. Sobald die Bewegungen in Breslau, Berlin und andern Orten hier bekannt wurden, sing es an auch unter den hiesigen Juden, besonders der jüngern Generation, zu gähren, und man äußerte sich laut darüber, daß es wohl an der Zeit sei, den alten talmudischen Wust, welcher der endlichen Emancipation der Israeliten in Preußen einen unübersteiglichen Damm entgegenthürme, abzuthun und namentlich einer Form des mosaischen Gottesdienstes, die mit der gegenwärtigen Bildungsstufe im Einklang stehe, den Eingang zu öffnen. Es wurde mit pro und contra deklamirt, besonders von den Liberalen, von denen aber keiner den Muth hatte oder den Beruf in sich fühlte, an die Spitze der Bewegung zu treten und den „ Schwarzen" in offenem Kampfe die Spitze zu bieten. Allen war die Sache nur Unterhaltungsgegenstand, die Liefere Bedeutung lag den Meisten wenigstens ganz fern, weshalb sie die Sache gehen ließen, wie sie eben gehen wollte. Endlich wagte es Einer, öffentlich hervorzutreten und in der hiesigen Zeitung einen Aufruf an alle Gleichgesinnte ergehen zu lassen, worin er sie zu einer Versammlung behufs der nähern Verständigung über ihre gemeinsamen Wünsche und Strebungen einladet. Wie Viele bis jetzt beigetreten und wann die erste Versammlung stattsinden werde, ist noch nicht bekannt geworden; wir glauben aber, daß das ganze Unternehmen Lheils an der eifrigen Lhätigkeit der „Schwarzen", Lheils an dem generellen Indifferentismus der „Weißen" scheitern werde. In dem Aufrufe des Chorführers der hiesigen Reformferunde heißt es unter Anderm, die Gerechtigkeitsliebe der Christen in Beziehung auf die beschränkte politische Lage der Juden in Preußen habe sich thatsächlich auf den letzten Landtagen kundgegeben, und gewähre den Israeliten die schöne Hoffnung, daß auch für sie die schöne Morgenröthe der bürgerlichen Freiheit bald anbrechen werde. Die verkümmerte Kraft eines Staatsgliedes werde jetzt durch humane Mittel geweckt und wieder ins Leben gerufen; wenn die Juden jetzt das Ihrige dazu thäten, so sei begründete Aussicht vorhanden, daß die bereits morsch gewordenen Schranken zwischen Christenthum und Iudenthum bald gänzlich Zusammenstürzen würden.. Die Mehrzahl unserer Juden sehne sich nicht mehr'nach Palästina, das geliebte Vaterland sei ihr Palästina; auf ein sichtbares Jerusalem, auf einen sichtbaren Messias hofften sie nicht, denn Letzterer könne ihnen Herrlicheres nicht bringen, als ihnen jetzt schon gewährt werde, sofern sie es nur richtig zu ergreifen wüßten. Die hohe Aufklärung der Jetztzeit werde die große Mission des Messias übernehmen und sie alle zur rechten Anbetung des großen Urwesens im Geist und in der Wahrheit führen. Die Zeit der Verheißung sei jetzt gekommen, von welcher der Prophet Zacharias sage: „Und es wird geschehen, wie ihr vom Hause Juda und ihr vom Hause Israel ein Fluch unter den Völkern wäret, so will ich euch helfen, daß ihr ein Segen unter ihnen werdet." Dann laßt er sich über die Rothwendigkeit der