Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1845)
- Date
- 1845-05-21
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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163 gegen die Staatsregierung von der. hohen Kammer die Bereitwilligkeit ausgesprochen werden, zu den Kosten der israelitischen Oberkirchenbehörde noch eine weitere Summe von 1830 fl. zu bewilligen, wenn es der K. Regierung genehm sein sollte, eine Nachengenz hierauf in die Kammer zu bringen. Oesterreich. Bvody, 4. Mai. (Au den Münchner Verein gegen Thierquälerei). Der glänzende Bericht in der Beilage zur Augöb. Mg. Zeitung vom 14. April d. I. Nr. 104 über die schöne Wirksamkeit dieses lobt. Vereins, die Empfindungen wahrer Humanität, die denselben beseelen, besonders sein Streben um Sanftmnth und Barmherzigkeit in die Herzen der Jugend zu säen, ermuthigcn mich, an Wohldensetben die ehrfurchtsvolle Bitte zu richten, unter die Zahl der zu beschützenden Thiere auch das unter dem Namen: „Jude" bekannte Thier wohlwollend ausnehmen zu wollen. Kein Thier verdient in der That mehr Mitleid als dieses unselige Geschöpf, weil keines so schonungslos gemishandelt wird. Schon die kleinen Kinder necken und Hetzen es, so wie sie dessen nur ansichtig werden, verfolgen es zuweilen sogar mit Steiuwürfen zum größten Spaß ltnb Gelächter der Eltern, welche nicht selten die Kleinen in diesen: noblen Zeitvertreib ermuntern. In vielen Orten wird cs durch systematische Erschwernisse zur Befriedigung des mächtigen Fortpflanzungstriebes zur Verzweiflung getrieben, und cs ist bekannt, daß andere Thiere dadurch bis zur Tollwuth gebracht werden können. Wenn es, wie der Elephant in Indien, zum Kriegsdienst abgerichtet wird, so wird eS zum Lohne für das Blut das es für seine Quäler, vielleicht noch gegen einen Feind verspritzt, der es so liebevoll wie einen Menschen behandeln würde, so wird es, sage ich, zum Lohne dafür zu der für ihn unendlich martervollcn Qual des Kniebeugens gezwungen, wenn etwa Gegenstände vorbeigetragen werden, die Andere verehren. Ich könnte ganze Bogen füllen, wollte ich all die Qualen aufzählen, welche dieses bedauernswerthe Thier zu crbitlbcn hat. Das Gesagte aber wird hinreichen, einen löbl. Verein zu überzeugen, welch hohes Verdienst er sich um die Humanität erwerben würde, wenn er dahin wirkte, daß die Erwachsenen, und besonders die Lehrer und Seelsorger, dieses arme Thier mit Wohlwollen behandelten, um den Kindern mit gutem Beispiele voranzugehen, damit ,, nicht Grausamkeit in ihre zarten Herzen gepflanzt werde." Man müßte dieser Jugend begreiflich machen, daß dieses Thier eben sowohl Gottes Geschöpf und des Mitleids würdig sei als der Hund, den mau vor einen Karren spannt,' das Pferd oder der Esel, den Ulan überladet unb mishaudelt u. s. w. Ich weiß, daß es Menschen giebt, die gegen gewisse Thiere einen angeborenen oder ancrzogenen Abscheu haben (die Geschichte erzählt AehnlicheS von einigen der größten Helden und Staatsmänner), und daß auch dieses arme Thier das Unglück hat, von vielen Menschen mit anerzogeuen Vorurtheileu und Widerwillen betrachtet zu werden, von Manchen schon darmn, weil einige Naturforscher sich zu der kühnen Hypothese haben verleiten lassen, daß eS unter die menschliche Gattung zu ktasfificiren sei, wogegen sich ihr Stolz empört. Diese werden sich gegen meinen-Vorschlag heftig sträuben und rufen: „Kein Erbarmendes ist ein Raubthier!" und werden sich auf diesen witzigen Ausruf noch etwas zu Gute thun. Ich bitte aber den löbl. Verein mit eigenen unparteiischen Augen zu prüfen. Wohlderselbe wird finden, daß weit entfernt ein Raubthier zu sein, cs vielmehr ein beraubtes Thier ist, das Edelste, das Kostbarste, die freie Bewegung ist ihm geraubt. Es ist erwiesen, daß es ganz einfach ein Lastthier ist, und verdient tun so mehr das Mitleid dieses löbl. Vereins, als ihm Lasten aufgelegt werden, die es zu erdrücken drohet:. Ein löbl. Verein wolle noch erwägen, daß schon der große Naturkundige Shakespeare im 3. Kapitel seiner berühmten Abhattdlung vom Pfund Kaufmannsfleisch angedeutet hat, daß dieses Thier von den Andern sich dadurch vorteilhaft unterscheidet, daß es wie die Menschen weinen und lachen kann. Wenn es in der That ob des großen Druckes unter deut e§ erliegt, weinen muß, so wird es wieder darüber lachen müssen, daß man einerseits sich so sehr mit Httmanität brüstet, und andrerseits die Humanität so schamlos mit Füßen tritt. Eines dieser geqwälten Thiere. Papkcr, April. Die schreckliche Verwahrlosung des hiesigen Gottesdienstes, die noch immer in der hiesigen Synagoge vorherrschenden Zeit- und GeschmackSwidrigkeiten, sind hier endlich von eüter nicht unbedeutenden Anzahl würdiger Familienväter erkannt worden, und geht ihr Vorsatz dahin, nt der mm im Bau begriffenen Syrtagoge allen jenen Misbräuchen den Eingang zu versaget: , welche dem Gottesdienste seine Würde ut:d seine Weihe rauben. Aber auch hier, wie überall, erhebt die so gerne an: alten Schatten klebende Ignoranz ihre Stimme dagegen, und von gleißnerischer Anführung unterstützt , war bisher der Kampf der Besscrgesinnten eben so mühevoll als gerecht. Es haben daher im vorigen Monate, einige i m A m t c stehende*) Wortführer der fortschreitenden Partei (nicht aus dem inner:: Rathe der Gemeindevorsteher geschah eS) au 30 der vorzüglichsten in- :md atlsländifchcn Rabbiner sich gewendet, um Beantwortung mehrer Fragen, betreffend die Zulässigkeit *) Herr Samuel Schlesinger, Vorsteher der Israeliten des Weßprimer Comitats, Herr Adolph Spritzer, Vormund der isr. Gemeinde zn Papa, Herr Adolph Herzfeld, Gemeinderepräsentanr. 2L