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Der Orient · 1845-05-21 · Heft 21 (21.5.1845) · p. Seite 162

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 21 (21.5.1845)
Date
1845-05-21
Page
Seite 162 (sequence 3)
Language
German
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162 und Rachsucht. Wenn man die Juden ganz emancipire, erhalte man gute Bürger. In Beziehung auf die ELatsposition stelle er den Antrag, die Kammer möge gegen die Negierung ihre Bereitwilligkeit ausdrücken, noch weitere 1830 fl. zu den Kosten der israelitischen Oberkirchenbehörde zu bewilligen, wenn eine Nachexigenz hierauf einkomme. Holzinger: Er sehe Ln der heutigen Stimmung der Kammer eine erfreuliche Aussicht für die Petition, welche die Israeliten des Landes Behufs ihrer völligen Emancipation bei der Kammer der Abgeordneten eingereicht haben. Er habe sich erhoben, um einen Antrag in gleicher Richtung wie der Abg. Veiel, zu stellen, die Geneigtheit gegen die Staatsregierung auszusprechen, der berechneten Mehrexigenz von 1830 fl., falls solche eingebracht werde, zuzustimmen. Das Gesetz vom Jahr 1828 habe den Israeliten als Erziehungsgesetz große Lasten auferlegt; es habe sie zwar zu Staatsbürgern gemacht, aber nur bezüglich der staatsbürgerlichen Pflichten. Die israelitische lCentralkaffe habe jährlich gegen 40,000 fl. aufzuwenden und habe gegen 18,000 fl. zur Erlernung nützlicher Gewerbe für arme junge Israeliten ausgegeben. Wolle der Staat die Erziehung, so sollte er in seinen Mitteln nicht zu karg sein, und er trete daher dem Anträge Veiels in obiger Richtung bei. Nachdem der Antrag auch noch von Feder er, Gwinner, Klemm, Mütter, Egelhaaf, Freiherrnv. Gültl in gen, Prielmayer, Schubart, Rettenmair, v. R u m m e l, S ch ü b l e r rc. unterstützt worden war, und nachdem Deffner noch bemerkt hatte, daß auch er den Beitrag für nützlich und zweckmäßig halte, daß er aber darauf aufmerksam machen müsse, daß die Israeliten zu den christlichen Kultkosten eigentlich nichts beitragen, insofern diese aus dem frühern Kirchengut gedeckt werden, wurde nicht nur die Exigenz verwilligt, sondern auch der Antrag Veiels durch Zuruf angenommen. Ein anderes Blatt theilt darüber folgendes mit: Als Beitrag zu den Kosten der israelitischen Oberkirchenbehörde werden 3000 fl. exigirt. Veiel nimmt bei dieser Veranlassung folgendermaaßen das Wort: Veiel. Handelt es sich in diesem Saale von den Angelegenheiten einer christlichen Eonfession, so sind Vertreter derselben genug da, um deren Interessen in reichlichem Maaße zu wahren. Heute ist die Rede von einer anderen Religion, von einer andern, als der christlichen Kirche; einer Kirche, welche ihre Vertreter hier nicht hat uud nach dem Inhalte unserer Verfassung bis jetzt leider auch nicht haben kann. Ich sagte leider; denn ich kann bei dieser Veranlassung nicht umhin, mein großes Bedauern darüber auszudrücken, daß die Juden immer noch nicht emancipirt sind. Die Men-" schen, welche sich zur jüdischen Religion bekennen, sind ebenso gute Bürger des Staates, wie wir. Schlechte giebt es natürlich wie in jedem Stande, so auch unter den Bekennern einer jeden Religion. Oder sollten die schlechten Leute unter den Juden verhältnißmäßig zahlreicher sein als unter den Christen? Gewiß nicht! Den besten Beweis hiefür liefern die Strafanstalten; denn verhältnißmäßig befindet sich in denselben fast immer eine größere Anzahl von. christlichen als von jüdischen Sträflingen. Muß man nun anerkennen, daß die Juden gleich gute Genossen des Staates sind, wie die Christen; warum emancipirt man sie nicht? Wir nehmen gar keinen Anstand, sie an allen Staatölasten Lheil nehmen zu lassen. Wir nehmen ihr Geld, wir nehmen ihre Steuern, wir nehmen ihre Söhne zur Vertheidigung des Vaterlandes. Bezüglich der Lasten stellen wir die Juden ganz uns gleich; aber wir verkümmern ihnen eine Menge von Rechten, wir schließen sie aus vom Staats- und Gemeindedienste, wir entziehen ihnen die für die Juden gleichwichtigen Gemeinde- und staatsbürgerlichen Wahlrechte, wir legen ih..en eine ziemliche Anzahl von Beschränkungen auf, deren Aufzählung jetzt nicht am Platze wäre. Und warum thun wir all' Das? Blos aus dem Grunde, weil sich die Juden zu einer andern Religion, als' zu der christlichen, bekennen, weil sie, zwar zu demselben Gotte, wie wir, aber unmittelbar und ohne Vermittlung ihr Gebet richten. Wohl weiß ich, daß man auch noch andere Gründe anzuführen sucht, aber sie sind nicht stichhaltig. In der Religion der Juden allein liegt der Grund, denn geht er zur christlichen über, so wird er allsogleich aller Rechte theilhaftig, mag er auch sonst sein, wie er will. Ferner spricht man von der Nothwendigkeit von Uebergangsperioden, um eine so lang unterdrückte Nation reif zur Emancipation zu machen, von einer Erziehung durch Druck. Was kann aber bei einer solchen Erziehung herauskommen? Sie verderbt, anstatt daß sie bessert, sie erzeugt Erbitterung, Haß und Sucht nach Rache an den Unterdrückern. Emancipire man die Juden vollständig; gewiß: der Staat wird keine Gefahr laufen, wohl aber wird er bessere Bürger gewinnen. Md von wem, meine Herren, wird der Iudendruck geübt? — Von uns, die wir Christen sind, die sich zu einer Religion bekennen, deren Stifter Liebe, und Duldung gepredigt hat, deren Stifter gelehrt hat: wir Alle seien Kinder eines Vaters, wir Alle seien Brüder, wir Alle sollen unsere Mitmenschen lieben, wie uns selbst. Ich halte es für eine Schmach des Jahrhunderts, daß in so manchen Ländern die Juden noch nicht emancipirt sind. In späteren Zeiten, in künftigen Jahrhunderten wird man von dem unsrigen als dem barbarischen sprechen, in welchem Sklaverei und Iudendruck geherrscht haben; denn der Unterschied zwischen beidem ist nicht sehr groß. Diese meine Ansicht spreche ich öffentlich aus, damit man weiß, es gebe noch Männer, die darüber erröthen, daß die Juden im Jahre 1845 nach christlicher Zeitrechnung noch nicht emancipirt sind. Ich gehe sofort über zur Etarsposition und in Beziehung auf düse erlaube ich mir, den Antrag zu stellen: es möge

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