Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1845)
- Date
- 1845-05-21
- Page
- Seite 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sechster rien Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirtbei allen löbfl Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr, Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift .erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Vogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 21. Mai 1845. Inhalt. Deutschland. Grünberg. Die Stadtverordneten. Dr. Wiener. Stuttgart. Verhandlungen der Wärtern» berger Kammer über die Emancipation. — Oesterreich. Brody. Petition an den Münchners Verein gegen Thierquälerei. Papa- Gemeinde- und Kultuswesen. — Die ersten Regungen einer deutsch-jüdischen Kirche. Fortsetzung der Aktenstücke. ~ Richtung und Streben der wissenschaftlichen Theologen neuerer Zeit, skizzirt von Dr. M. Feitel. — Personalchronik und Miseellen. Berlin. Frankfurt. Paris und Hamburg. Preußen. — LB. d. Or. Deutschland. Griittberg, April. Die Leser Ihres geschätzten Blattes werden sich gewiß sehr fteuen, wenn sie erfahren, daß die durch die sehr aufregende Erörterung hiesiger Stadtverordneten vom vorigen Jahre gegen die hiesige Judenschaft hcrvorgerufene Gährung der Gemüther/ Gott Lob, ohne die geringsten nachtheiligen Folgen für uns vorübergegangen ist. Im Gegentheil sind die hiesigen Stadtverordneten wegen ihrer ungeziemenden Ausfälle auf einen Antrag unseres Gemeinde-Vorstandes von Sr. E.rcettenz den: Minister des Innern zureehtgewneseir worden. ■— Wenn auch sonst, so wäre es besonders unter so beschaffenen Verhältnissen merkwürdig, wenn der bevcrivortende Vorschlag des hiesigen Magistrats „bei der an hiesiger höheren: Bürgerschule zu eröffnenden Oberktasse Herrn Dr. Wiener fite einige UnterrichtSgegenstände zn placirenu von den Stadtverordneten genehmigt werden sollte. Doch fürchtet der Magistrat weniger Widerstand von letzterer Behörde, als von Seiten der Geistlichkeit, da der hiesige Superintendent und peastor prim, keineswegs zu den freisinnigsten und duldsamsten Kirchenlehrern gezahlt wird. — Erwähnenswertst bleibt es auch, daß der Dr. Wiener, ohne sein Ansuchen, ganz so wie die christliche Geistlichkeit, von allen Kommunallasten und Beiträgen befreit ist. Stuttgart, 3. Mai (Würtemb. Bl.) In Bezug auf die hiesige Kammerverhandlung theilen unsere Blätter Folgendes mit: Beitrag zu den Kosten der israelitischen Oberkirchenbehö rde. Das Deficit der Centralkirchenkasse ist von 1845 bis 4848 auf jährliche 4830 fl.' berechnet, wogegen das Ministerium angiebt, daß, abgesehen davon, daß die Staatskasse eine Verbindlichkeit nicht habe, das Deficit zu decken, die eigenen Einnahmen und Heimfälle von der Art sein werden, daß die bisherige Exigenz von jährlich 3000 fl. hinreiche. — Die Finanz-Kommission sagt in ihrem Berichte, sie würde, in Hinsicht, daß die Israeliten an den Kultkosten der christlichen Konfessionen nach ihrem Steuervermögen beizutragen haben, und mit Rücksicht auf die vielen armen Judengemeinden, keinen Anstand unterhalten haben, einen erhöhten jährlichen Beitrag der Kammer empfehlend darzulegen, wenn ein solcher erigirt worden wäre. Viele Mitglieder der Kammer erheben sich, um im Interesse der Israeliten das Wort zu nehmen. Veiel sagt unter Anderem: Die christlichen Konfessionen seien in derKammer vertreten, nicht aber die jüdische Kirche. Er müsse bedauern, daß die Juden noch nicht völlig emancipirt seien. Die Juden seien eben so gute Bürger des Staats, wie die Christen. Wir stehen nicht an, ihnen Lasten, wie den übrigen Staatsbürgern aufzuerlegen, wir nehmen ihr Geld, wir nehmen ihre Söhne zur Vertheidigung des Vaterlandes; aber wir schließen sie aus vom Staats- und Gemeindedienste, wir entziehen ihnen die gemeinde - und staatsbürgerlichen Wahlrechte und legen ihnen noch manche Beschränkungen auf. Wohl spreche man auch von Erziehung, um zur Emancipatton reif zu machen. Erziehung durch Druck erzeuge Haß 21