Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 20 (14.5.1845)
- Date
- 1845-05-14
- Page
- Spalte 317-318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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317 Kritiken. Mescharet Mosche. 318 Sphärenwelt, welche beide unter besonderer Vorsehung Gottes (51MO stehen; der Gotteswame hx (3) auf die untere Welt (iDDmi rwnn D^iy), die theils unter allgem einer theils unter besonderer göttlicher Vorsehung steht: die vernunftlose Natur unter allgemeiner auf die Erhaltung der Gattungen abzweckender, das vernunftbegabte Menschengeschlecht unter besonderer nach retributiver Gerechtigkeit über den Individuen waltender Vorsehung. Die Charaktere dieses -mannigfachen Waltens Gottes in der untern Welt sind in den übrigen 10 Middot ausgesprochen. Diese Eigenschaften Gottes, fahrt das dritte Cap. fort, sind eben nur der Ausdruck für seine Beziehung zur Welt keine vom Wesen Gottes verschiedenen Qualitäten; keine Accidenzen, als deren Träger er zu denken wäre; dies anzunehmen hieße Gott sür zusammengesetzt, und somit für körperlich halten. Hier excerpirt Kalonymos für Leser, die zu faul sind, um nachzuschlagen, oder denen das Buch nicht zur Hand ist, Eapp. 51. 52. 53. aus dem ersten Lheile des More. Das vierte Cap., über die nrwn rpcnD behandelnd, ist des Centrum der ganzen Abhandlung, die Apologie, welche der Eifer für die Ehre seines Meisters dem Jünger abgedrungen hat. Der Glaube an die besondere Vorsehung, sagt Kalonymos, ist die Grundlage und der Kern alles Glaubens und aller Gesetzausübung, und steht darum an der Spitze des Dekalogs (-pnNsnn Um die Erkenntniß dieser besondern individuellen Vorsehung, die zugleich das höchste Vorbild alles menschlichen Regierens ist, bitten Mose (Ex. 33, 13), Salomo (1 Kön. 3, 9), und davon handelt, im Gegensatz zu den Un- und Irrgläubigen, A ssa f im 73. Psalm, den Kalonymos zum Leitfaden seiner Auseinandersetzung nimmt. Nachdem er die vier irrigen Ansichten über die Vorsehung (so wie sie More 111. 17« und erweitert Ez Chajim c. 83 ff. ausgezählt .sind), die des Epikurus, Aristoteles, der Asharije und der Muatazil e, charakterisirt har, stellt er die fünfte allein wahre hin, das Dogma der Tora, daß die Vorsehung über die Niederwelt eine allgemeine sei, mit Ausnahme des Vernunftbegabten Menschengeschlechts, welches unter Gottes individueller, durchseine vergeltende Gerechtigkeit') normirten Vorsehung stehe, daß jedoch, wie Maimuni, auf die Schrift sich gründend, behaupte, auch hier die Vorsehung sich als eine um so speciellere beweise, je höher der Grad der intellektuellen Ausbildung der Individuen sei. Kalonymos unterstützt hier die Meinung Maimrmi's mit einigen, jedoch wenigen neuen Belegen, und hält dm Gegnern derselben Folgendes entgegen: 1) daß unter jener intellektuellen Ausbildung nicht eine durch weltliche Studien erlangte, sondern eine auf das Gesetz Gottes, welches Maimuni hoch über Aristoteles und die exotische *) Deshalb wird nach More III. 17. die Annahme eines Züchtigungsleidens, das keinen Zweck hat, als die darauf zu ertheilende Belohnung, als muatazilitischer Jrrthum verworfen. Wissenschaft stelle, basirte zu verstehen sei; 2) daß, weil doch auch, der ungebildete und schlechteste Israelit sich mit der Erlernung und Ausübung des Gesetzes einigermaßen befasse, die besondere Vorsehung auf das ganze Volk und zwar in höherem Grade, als auf die übrigen Völker, sich erstrecke (l). Hieraus verfolgt Kalonymos die Auslegung des 73. Psalms und knüpft daran einige philosophische Bemerkungen über die Vorsehung und die Rcchtftrtignng Gottes wegen scheinbar ungerechter Bertheilung irdischen Glücks und Unglücks. Das fünfte Cap. enthält Andeutungen über das Leben der in-, telligenten Seele nach dem Tode, geknüpft an 1 Sam. .25 29., aber nur Andeutungen, denn „die Sache gehört urr die Geheimnisse, die vor der Menge nicht abgehandelt N'- den dürfen." Die Apperception (rWri) ist entweder s?nlich oder immaginär oder intellektuell; diese letzist die Form, das Leben, die ex x>otentia hervortretende Mfamfctt der Seele, an welche sich eben, vermittelt durchie göttliche Influenz (vibN die besondere Vorsehung knss. Dieses thättge Intellekt ist das Organ der Gotteserkenntn und erhebt den Menschen, wie Sa ad ja sagt, selbst über die Engel. Aber die intelligente Seele ist während dieses Lebens noch mit einem aus den vier Elementen gestalteten Körper vereinigt. Erhalt sich die Seele-rein vom Schutz des Irdischen und frei von der Gewalt der Materie, so steigt sie, des Körpers entbunden, vermöge der ihr inwohnenden geistigen Lebens in gerader Richtung empor ihrem Ursprung zu; die Seele des Gottlosen hingegen, der in das Irdische sich versenkt und den Kräften des materiellen Leibes sich sklavisch hingegeben hat, strebt zwar einig ermassen empor, wird aber von dem überwiegenden irdischen Sinn nach dem Centrum der Erde herabgezogen — sie wird, weil ihr höheres Leben in das thierische völlig verschlungen ist, vernichtet. Die Seeleder Mittelguten (d^), in der noch ein Theil des geistigen Lebens übrig ist, schwingt sich girrend in die Höhe (nD^Q und hat gleichfalls Hoffnung der Fortdauer. Dies sind freilich nur biblische Winke, aus Geheimnisse deutend, die auch in der Kabbala symbolisch dargestellt werden und an sich über dm menschlichen Begriffskreis hinarrsliegm.*) Das sechste letzte Capitel handelt über die Vernunstseele, die nDBO , die forma informans des Menschen. Diese ist weder Körper noch eine btose Kraft am Körper, sondern hat selbstständige Existenz, sie gehört zu den rein geistigen Form (nmDJ nm)' und hat nur die Scheidewand des Materiellen zu durchbrechen, um in actum überzugehen. Sie praexifiirt vor dem Körper, mit dem sie vereinigt wird, und kehrt, wofern sie sich entwickelt, dahin zurück, woher sie gekommen. Der Mescharet Mose schließt mit einem philosophischen Midrasch des 19. Psalms." Wirstosien im nttfD rWD auf eine Exegese, von der **) Die weitere Ausführung, mit Lüftung einiger der hinter dem Schleier versteckten Heimlichkeiten, findet sich im Ez Chajim S. 201.