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Der Orient · 1845-05-14 · 20 (14.5.1845) · p. Spalte 315-316

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
20 (14.5.1845)
Date
1845-05-14
Page
Spalte 315-316 (sequence 6)
Language
German
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315 Kritiken. Kurze Anzeigen. zweckmäßig geordnet und wir wollen nicht zweifeln, daß diese Schrift wirklich einem Bedürfnisse abhelfe. Die Darstellung ist klar und einfach, der religiöse Standpunkt der orthodoxe. Diese „mosaische Religionslehre" leidet aber an einem allen österreichischen Lehrbüchern der jüdischen oder christlichen Ne- , ligion anklebenden Fehler: die Sittenlehre, die Grundlagen des Menschen werden zu specifisch jüdischen oder christlichen ' Lehren gestempelt. Wir raumen ein, daß im Jüb. Staate das allgemein Menschliche von demselben absorbirt und zu einem integrirenden Bestandtheil des jüdi-sch-staatlichen Lebens gestempelt wurde. Man wird uns aber gleichfallszugestehen, daß die Trennung des Menschlichen vom" specifisch Religiösen vielen Ausdeutungen und Anklagen Vorbeugen würde. Judentum und Christenthum haben ein und dasselbe Sittengesetz; ja der Staat ist der Ausdruck des Menschlichen und ihm liegt es ob, nichts Fremdartiges in das religiöse Gebiet, das die Lebensquelle des Fanatismus ist, übergreifen zu lassen. Die Nichtsonderung des Menschlichen vom Religiösen erzeugt Vorurteile auf beiden Seiten. In vielen deutschen Schulen hat man eine solche Trennung bereits vorgenommen, die am meisten dazu geeignet ist, vieles Eckige m der Gesellschaft zu glätten. In Oesterreich scheint man noch nicht dahin gekommen zu fein. — Die Ausstattung ist hübsch. 21) Das Verständnis der Zeit. Predigt gehalten am Sonnabend den 12. April 1845 in dem deutsch-israelitischen Tempel zu Leipzig von Dr. IsaakLevin Auerbach. Leipzig, >1845. 8: C. L. Fritsche. (16 S.) In einer einfachen und schlichten Sprache berührt der Redner die gegenwärtigen Bewegungen im Iudenthume und ermahnt zur Versöhnung und Schonung. Zum Texte wählte der Redner Deut. 32, 7: „Gedenke der Tage der Vorzeit, erwäget die Veränderungen jeglichen Geschlechts". Das besonnene Alter wird dem geehrten Verf. beistimmenz die jugendliche Kraft wünscht den Kampf um des Lebens willen. Allerdings wird Jeder, den nicht" Fanatismus blendet, mit dem Vers, in die Worte des Propheten ausbrcchen: „Nennet doch nicht Kescher Alles, was dieses Volk Kescher nennt, und theilet nicht seine Furcht." In den religiösen Wirren unserer Zeit wied diese Rede für Manchen einen Hasen bilden, wohin er sicher einlaufen kann. Allein noch schäumen die Wogen, noch ist keine Windesstille \ 22) on DiD-in rvnb w*an nwDTntPD "DO b N n DJ ]) “ h N .1. Leipzig, 1845. gr. 8. C. L. Frktzsche. (S. 30.) Das Schriftchen, das Hrn. Dr. Jakob Goldentyal nach einer Handschrift der Leipziger Stadtbibliothek herausgegeben, beschäftigt sich vorzüglich mit der Vertheidigung der Mainu Nischen Lehre von der göttlichen Vorsehung Dukes hatte einmal in.der A. Z. d. I. auf dieses Schrifcchen aufmerksam gemacht und Delitzsch hat im E z Chajim von Ahron ben Elia, S. 343-—48, den Inhalt desselben 316 ausführlich angegeben. Zur Bequemlichkeit der Leser lasse ich hier die Inhaltsangabe mit den Worten D.'s folgen. „Das erste Cap. beginnt mit der bekannten und oft wiedergekäuten philosophischen Auslegung von Miste 25, 2. 3. Diese beiden, Verse werden folgendermaßen paraphrasirt: Die Erkenntnkß des Wesens Gottes als solchen ist etwas den Creaturen Unmögliches, Verborgenes z hingegen die Erkenntniß der Eigenschaften Gottes als Königs, als Wettregierers, ist ein unter seinem Gnadeneinfluß relative erreichbares Ziel menschlichen Forschens. Möglich ist die Erforschung der oberen und niederen Welt, aber das „Herz" d.i. die Form, die Quiddität, das Wesen Gottes, der höchsten Ursache, ist unerforschlich. *) Diese Unterscheidung einer doppelten Erkenntniß Gottes, einer möglichen und einer unmöglichen, liegt auch in den beiden Wüten Mose's. Die eine (ljyvun Ex. 33, 13.) wird ihm erfüllt, indem ihm Gott einen tieferen Einblick, als irgend einem vor oder nach ihm, in das ganze Reich der Schöpfung pmB h ebend. 19) gewährt; die andere (iJNIH) ebend. 18 wird ihm, weil das Wesen Gottes über alle kreatürliche Erkenntniß ausliegt, versagt. Der Skrupel, wie so Mose, der Meister aller Propheten, etwas Unmögliches von Gott erbitten oder das Unmögliche für möglich ansehen konnte, wird aus zweifache Weise zu lösen versucht, zuerst für die, welche sich mit der Oberfläche des Schriftsinns begnügen, sodann für die, welche in die Geheimnisse desselben einzudringen suchen. Die zweite Bitte Mose's ist entweder die Frage eines Schülers, welche die Befestigung und zugleich Erweiterung **) der eigenen Erkenntniß zum Zweck hat r*') oder sie deutet auf die nicht durch einen Engel, nicht durch die Einbildungskraft vermittelte rein intellektuelle Prophetie Mose's. Das zweite Cap., aus dessen Anfang eine'Stelle von Ahron S. 147 berücksichtigt wird *+*), enthält eine kurze Erklärung der durch Mose überlieferten dreizehn Middot, welche als die Summe sämmtlicher aus der Betrachtung der gotttlichen Werke resuttirenden Gottes-Begriffe angesehen werden, so wie die Nachweisung ihrer speciellen Beziehungen auf das Universum. Das wiederholte Tetragrammaton (1. 2.) bezieht sich auf die ewige und unveränderliche Engel- und *) Diese von Maimuni konsequent durchgeführte Leugnung aller cognitio quidditativa Gottes wurde für die kirchliche Scholastik ein Gegenstand lebhafterDiscussion5 Thomas erklärte sich für, Aureolis gegen „Rabbi Moses." S. Eberstein, natürliche Theologie der Scholastiker S. 62 ff. **) Diese Erweiterung wird gesunden in dem ini (Ex. 33, 21.) in hl ivbl! (überhaupt keine Creatur, auch mchr die Engel). **■*) So wie auch der Lehrer, nach der Natur des Vn 6 durch Entgegenstellung irriger Vordersätze und gezwungener Gründe den Verstand des Schülers zu schärfen sucht. '") Sie lautet: VS VS “1IPN nmEwm mD 'JH mn c’b.iiin nbu> d’dn^dd aty) '.in an (nDDiiril n’inn chy Niniff), woraus die Beweisführung.

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