Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 20 (14.5.1845)
- Date
- 1845-05-14
- Page
- Spalte 313-314 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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313 Studien. Kurze Notizen und Miscellen. 314 Leine bindende Autorität. Dev Talmud ließ diese Freiheit unangetastet und spricht keine Halacha aus in Dingen, die sich bloß auf den Glauben beziehen z um so weniger ziemt es den Theologen unserer Zeit im Namen des IudenthumS dogmatische Sätze in einem Tone auszusprechen, als ob derjenige der so frei ist, diesen Sätzen einen bescheidenen Zweifel entgegenzusetzen, ohne weiteres als ein Ketzer oder wie die Titel, von denen man sich wohl oft selbst keine Rechenschaft geben kann, heißen mögen, betrachret werden müsse. Die hierhergehörige Erklärung des, wohl unschuldigen Urhebers dieser Richtung in seinem Kommentare zur Mifchna Schebuot h 1 über die Diskussion, welche Opfer für gewisse, unbewußt begangene Sünden versöhnten, möge den Schluß dieser unserer Bemerkungen machen. Sie lautet: Bei dieser Diskussion ist keine Halacha ausgesprochen, weil es etwas betrifft, daß sich blos auf Gott bezieht (-pnm Dtfitfi bx min “Dl Nintfir Man ist streitig in der Beweisführung aus der Schrift, über deren Begründung hier zu sprechen nicht der Ort ist. Wir haben übrigens bereits erklärt, daß bei allen bloßen Ansichten, die nicht eine Handlung betreffen r\wym jd myn ^b naa nvm nraonpNiso^, wenn eine Meinungsdivergenz stattsindet, nicht erklärt wird, dieHalacha sei wie der oder jener. Dieselbe Erklärung gibt Maim. zu Sota III, 5. Sanh. X, 3 e. a. a. O. Kurze Notizen und Miscellen. Ntt^l pona und aoipn poni Der erstere Ortsname ist bekanntlich Vrzesc Litewski im Gouvernement Grodno; zur Erläuterung des letzter» habe ich in Nr. 10 d. Bl. eine Konjektur Fürst's mitgetheilt. Ich habe aber nachher eine ausführliche talmudische Dissertation über diesen Namen gefunden , auf welche die Aufmerksamkeit einiger Leser hinzuleiten mir nicht für unangemessen schien. In einer kleinen Sammlung Rechtsgutachten von R. Me'i'r Cohen, dem Vater des bekannten Sabbati (noiOTll n&NtP V't i~iD üm' -nra p V'r “i’no t’SniD ^run mno BW, welche hinter dem Buche ni13J von Sabbati Cohen gedruckt sind. Beiläufig gesagt, geht aus diesem Titel hervor, daß Sabbati von Deutschen herstamme.) findet sich eine Anfrage über einen Scheidebrief, der nach Lithauen gebracht wurde und in welchem die Formel mni# pob NHD NDKnrD PpHDl N'lpl pr,Dn3 JN3 vorkommt. Der Fragesteller hebt nun zwei Bedenklichkeiten hervor: 1) Giebt es auch in dem Lande, wo der Scheidebrief der Frau übergeben werden soll, ein >DD"ü; 2) ist die Stellung des Wortes MpHDl zweideutig, da es sich auf j^p beziehen könnte, und auf p'b'13 sich beziehen müsse. Die mit großem Auswande von talmudijcher Gelehrsamkeit ausgeführte Lösung hat für uns hier kein Interesse, und ich hebe daher einige zur Sache gehörige Stellen heraus. Bl. 22. Cok. 1. D^pD N15 Dil miNin \mi4 nwm 'mdid nVwiid pntpi omb; .ferner ibid., Col. 2. T1DOT by DDT ID^I ]TÖ *6 BW plp DlM) DMUM p W'lpl pD*>13 plp 1^7,1 p mw pip nmnvn xh im 'mnra nnwj ferner ibid. ibid. rUMD NM N"lpB> MpP i^NDI mp ■‘üo p? rumon by nanpj myn P Mjrr M mjtp iLp noorn , N%p ijn pN pbnn min pip nain Nlpl pDM3 DilDI ptf/ll; endlich ibid., Col. 3. HD111 |1Hfi63 piDW d"j>N Nlpl p"mi3 pHW wwb imi nm p d Nip ijn pN mm. Wäre es Brze sc in Kuj awien? Ink. Dev Name ^iroil. Der richtigen Schreibung der Namen wurde in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit geschenkt, und diese will ich auch einem geistreichen und gelehrten Kabbalisten zukommen lassen. Man schreibt, allgemein „Botril". Diese Schreibweise schien mir von vornhinein falsch zu sein, da die Endung bei spanischen Namen „el" lautet (vergl. hoDNIDN). Dazu kommt noch, daß BotriL bedeutungslos ist und der spanischen Färbung ermangelt. Ich habe nun in dem Kommentare dieses Gelehrten zum Sefer Iezira die Schreibung b'lNDD und ^INDD gefunden. SS o far ci( ^p]fti2 hat eine Bedeutung und entspricht dem Lautsysteme der Spanier. Da dieser Gelehrte sich sehr häufig ‘miN&fcl in seinem erwähnten Kommentar schreibt, so halte ich Botarel für die richtigste Aussprache« Ink. Kurze Anzeigen. 20) Derech Emuna (.) Mosaische Religionslehre in Fragen und Antworten und in zwei Abschnitten eingetheilt von Angelus Kafka (,) Kreisrabbiner in Pilsen. Prag, 1845. 8. Wolf Pascheles. (Leipzig, C. L. Fritzsche.) (71 S.) 3. Auflage. Der ziemlich unbeholfene Titel dieser Schrift stellt sie in die Kategorie der gewöhnlichen Katechismen. Sie ist zunächst für Brautleute bestimmt, die in Böhmen ein religiöses Maturitätszeugniß haben müssen, wenn ihnen die Erlaubniß zur Heirath nicht verweigert werden soll. Diese Einrichtung, welche arme und reiche Brautleute zu unnützen Geldverschwendungen nothigt, besteht noch in unserer Zeit und in Böhmen, das doch seine Schulen so hochstellt. Man weiß nicht, ob man die Scheu vor einem alten Misbrauche bemitleiden oder bedauern soll. Wer den von manchen böhmischen Rabbinen verübten Unfug kennt, muß von dem Bestehen dieses. Gelderpressungs- Instituts sehr schmerzlich berührt werden. Doch wir wollen diesen schändlichen Misbrauch auf sich beruhen lassen, da eine Anzeige nicht der passendste Ort zu legislativen Erörterungen sein dürste. Die Fragen und Antworten sind