Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-05-14 · Heft 20 (14.5.1845) · p. Seite 158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 20 (14.5.1845)
Date
1845-05-14
Page
Seite 158 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360364-2360385--4959-3531285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gehalten hat. Der Vereinigung, welcheer den Frankfurtern mit derberliner Reformpartei anräth, würde man hier gern entgegenkommen, es müßte dadurch für die Reform im Allgemeinen keine geringe Kraft gewonnen werden: Aber das moderne Iudenthum ist atomistisch geworden!, sehen wir nun zu., ob es sich wirklich in einem rosovmirenden Glaubensenthusiasmus wird zusammensinden können. Der - berliner Reformverein ist jedenfalls bestimmter hervorgetreten-als derjenige in Frankfurt; die> Lossagung vomTalmud-sist der erste Hauptsatz seines Glaubensbekenntnisses, aus dem dann die. beiden andern, die Interpretation der Bibel nach dem Geist und die Deutung dev Messiaslehreals nicht im Widerspruchemit. dev Vaterlands- und Menschheitsliebe wre von selbst folgen. Das frankfurter Glaubensbekenntniß redet von „einer unbegrenzten Fortbildung des Mosaismus"; das berliner von „einer geistigen Auffassung" desselben, und. jedenfalls mochte dieser letztere Grundsatz dem erstem vorzuziehen sein. Wihl hat den Muth gehabt,. W Fpankfuptem die; Vorzüge des berliner^ Glgübensbekenntnisses auseinanderzusetzen; sehen wir nun zu, ob dieselben entschlossen sein werden,, sich mit Berlin zu vereinigen, um der Reform das Leben zu sichern, welches schon von mannigfachsten Seiten und mit den verschiedensten Mitteln bedroht wird. Eine beachtungswerthe/Stelle seines Vortrags, der uns vorliegt, war folgende: „Wodurch aber ganz besonders das berliner Glaubensbekenntniß sich ammpstehlt, das ist die Weise, das Bedürfniß nach etwas Positivem, das uns aus demselben anspricht/ ist endlich die Selbstverläugnung des Einzelnen, der sich dem Beschlüsse einer Synode unterwerfen will: Ein solches Wort lächelt uns wie das Grün des Früh-' lings entgegen; wir sehen schon im Geiste die-Blume, die sich aus diesem Grün herauswindet. - Ja , meine Herren, wir bedürfen einer positiven Basis; wir können uns mit einer philosophischen tabula rasa, mir dem Eismeere des Gedankensnicht zufriedenstellen; wir bedürfen eines Gottes, zu dem wir beten können; wir verlangen nach einem Cultus, der mit den gelauterten Vorstellungen, welche wir uns von dem höchsten Wesen machen, nicht im Widerspruche steht. Suchen wir uns mit dm Männern in Berlin zu vereinigen. Sie haben's versäumt; zeigen wir uns nicht empfindlich, die Größe unserer Aufgabe dränge jeden Schein menschlicher Schwäche in den Hintergrund: Zeigen wir, indem wir den ersten Schritt thün, daß wir, wo es sich um höhere, um allgemeinere Interessen handelt, von allen, selbst von zu rechtfertigenden Sonderinteressen abstrahiren könnenreichen wir ihnen die Hand, ergreifen wir die Initiatives" Wird es aber geschehen? werden Berlin und Frankfurt sich in der Ihat vereinigen? So Viele hier auch find, die eine solche Vereinigung wünschen, so glaubt man doch, sie noch immer bezweifeln zu können. (L. A. Z.) XI. Addreffe der jüdischen Einwohner Cnlm^s an das Verliner provisorische ComitS zur Bildung einer jüdischen Synode. Auch, in unser Ohr, deutsche Glaubensgenossen! ist Euer Aufruf vom % dieses Ml. gedrungen und mit freüdrgbeweg« (em Herzen haben wir eindreimal heiliges' Amen gesprochen zu Eurem, von dem Grundsätzen unseres, für alle und ewige Zeiten geoffenbarten Glaubens: directen Worte. In , sie waren ganz aus unserer Seele gesprochen, die Worte Eures Aufrufs^ Denn auch wir haben es längst erkannt, daß die von den Rabbinen ausden Diskussionen des Ialwuds gezogenen Gesetzbestimmungen für fynägogales und religiös-jüdisches Leben-, keine beseligende; Kraft mehr über uns undnoch: weniger Halt in uns haben: Der Widerspruch des rabbinffchen Iuventhums mit uns ferm deutschen Leben ist uns lange Zeit'schonzum lebendigen Bewußtsein gekommen und jp länger, desto mehr-.,, dringt sich uns die glaubensvolle Ueberzeugung auf: das Iudenthum >der Gegenwart muß an Haupt und Gliedern? ein e Reform erhalten, sollnicht die Kluft zwischen ^Lehre und Leben noch weiter und größer und, unausfüllbarer wcrden,. als sie bereits geworden. Wir sind Juden im vollsten- Sinne, des. Worts, und die wollen wir auch, im vollsten Maße, desbesten Willens unser - Leben lang bleiben; wir sind Juden-, das heißt.: Wir glauben treu und'wahrhaftig an das uns für alle Zeiten geoffenbarte-Wort der heiligen Schrift; wir glauben treu-und wahrhaftig an:-die beseligende und beglückende-Kraft unserer uns' von Gott geoffenbarten: Religion und sindfest entschlossen unter allen Umständen und Verhältnissen nach ihren' Vorschriften und Gesetzen zu leben und zu. sterben, um auf : diese.Weise unser zeitliches und ewiges Heil zu begründen; wir glauben treu und wahrhaftig, daß der heilige und himmlische Beruf unserer Religion und unsers Glaubens der ist, . uns und die. gesammte Menschheit von ihren moralischen Ue-! belli zu erlösen und auf diese Weise das Gotresreich auf Er-! den zu verwirklichen, damit alle Menschen sich" als Kinder -Eines Gottes betrachten, als Brüder Einer Familie lieben -lernen. Dies glauben wir fest und treu und wahrhaftig und diesen Glauben wollen und müssen wir auch unfern Kindern und spätesten Nachkommen ungetrübt und ohne Beimischung von Mmschensatzungen einpflanzen und überliefern. So lange aber unser religiös-jüdisches Leben - getrübt ist durch Menschensatzungen der Rabbiner, so lange wir in Folge einer vor fast zweitausend Jahren gemachten menschlichen Auslegung ein i g e r Schriftsteller, Handlungen- und Bräuche üben sollen, denen kein religiöser Sinn mehr fürunsere' Gegenwart inne wohnt; solange wir den Ausdruck unseres religiösen und Glaubens-Bewußtseins, das- Gebet in einer;Sprache sollen laut werden lassen, welcheuns siemd geworden, undwelche zuerlernenuns unser-deutschessociales und bürgerliches Leben-verhindert; solange der-Inhaltunserer Gebetenoch immerdurchzogen ist-von -dem buchstäblichen Gedanken der Wiederherstellung - eines^ jüdischen Staates mit Tempel und blutigem Opferdienste, so lange-wird und bleibt es uns unmöglich-, die - Reinheit unseres' positiven ,' geoffenbar-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.