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Der Orient · 1845-05-14 · Heft 20 (14.5.1845) · p. Seite 156

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 20 (14.5.1845)
Date
1845-05-14
Page
Seite 156 (sequence 7)
Language
German
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156 - Schrift,, ohne die in dieser Schrift enthaltenen Gebote i und Verbote beobachten zu wollen, betrachtet sie als eine Ooirtradlelio in ad^jeelo, und man weiß was ihr, diesem Grundsätze zufolge,, ein hlh “OD 1D1D rte n^nn bedeutet. Nrln lvaren aber diejenigen , welche zu allererst Re- . form des Gottesdienstes angeboten — unbeschadet ihrer sonstigen Würdigkeit — gerade solche Männer, welche zu vorgenannter Kategorie gehörten; aus s o l ch c n Händen durfte die Orthodoxie die angebotene Reform nicht annehmen, sie mußte sie zurucklveisen. Zudem winde bei Anbietung der Reform gleichzeitig der Messiasglaube, wie er bis dahin ausgefaßt und im Judenthnm gewurzelt, geradezu negirt; der Mcssiasglaube wurde aber immer als ein wichtiger Glaubensartikel betrachtet, die Orthodoxie mußte also auch opponiren. . Der erste widrige Eindruck jener Reform - war so nachhaltig, daß gar Viele noch heute sich mit Reform überhaupt nicht ganz befreunden können. acl 2. Ist es uns nicht bekannt, daß dem Anträge einer jüdischen Fakultät Schimpf entgegengesetzt worden. Wenn dieser Antrag jedoch nicht den gewünschten Auklaug gefunden, dürste vielleicht der Grund hierfür darin zu finden sein, daß man sich zu der Voraussetzung berechtiget hielt: die zu besetzenden Lehrstühle werden nur solchen Männern zu Theil werden, welche sich in profanen Wissenschaften hervorgethan, das rabbinische, narnentlich. das tatnmdische Element hingegen werde in den Hintergrund treten und weniger beachtet werden. Da nun die Orthodoxie noch zur Zeit in profanen Wissenschaften hochgebildeter Subjekte weniger al§ die Neologie aufzuweifcn hatte, so war es wahrscheinlich, daß jene Lehrstühle der Neologie zufallen würden; lnltigerweise kann aber der Orthodoxie nicht zugemuthet werden, daß sie zur Gründung eines Instituts Opfer bringe, das ihre Vernichtung zu erzielen streben möchte. Davon abgesehen, hieße bei obwaltenden Verhältnissen die Gründung einer jüdischen Fakultät den Bau des Hauses mit dem Giebel anfangen. Für jedes andere Fach werden die Elemente in den Elementarschulen, die fernere Vorbereitung ans den Gymnasien gelehrt, und die Vollendung nur ist der Hochschule Vorbehalten. Für das rabbinische Fach hingegen, wozu die Orthodoxie das Talmudische vorzugsweise rechnet , bestehet weder Elementarnoch Vorbereitungsunterricht. So viel uns bekannt, findet sich kaum irgend eine Schule in Deutschland— wenn man nicht das Berliner Seminarium rechnen will — in welcher Talmud unterrichtet wird, warum also mit einer Fakultät anfangen und nicht lieber zuerst Talmud-Schulen gründen? — . ad 3. Die Erbauung eines Hospitals ist reinmenschlicher. Natur, wo Orthodoxie und Neologie sich freundlich die Hände reichen; denn Gottlob! bei allen religiösen Wirren haben doch alle Parteien, den dem Juden eignen Wohlthätigkeitssinn nicht verlernt, und es wäre allerdings, nnverantwortlich, wenn man mit Bannflüchen geantwortet hätte. So viel. wir jedoch aus den veröffentlichten Listen entnehmen, finden sich unter den Spendenden manche Gemeinden, welche durch und durch der Orthodoxie angehören, während die Namen anderer Gemeinden, denen maluOrthodoxie nicht vorwerfen kann, gerade vermißt werden. Hinsichtlich der ' in Jerusalem zu gründenden Talmud-Tora , dürste es vielleicht Mancher nicht für wünschenswerth erachten , den Religionsunterricht, wie er in Deutschland gehandhabt wird, auch auf palästinensischen Boden verpflanzt zu.sehen, .was vielleicht eine irrthümliche, keinesweges aber eine verdammliche Ansicht zu nennen wäre. ... ad 4. Endlich an langend die Rabbinerversammlung, welche man der Orthodoxie zu Gebote gestellt; so wird kein orthodoxer Rabbiner sich je einer Versammlung anschließeu*)., die das Heil des Judenthums nur darin finden will, daß sie Alles, was Pen verzärtelten Reichen "nicht bequem und den Indifferenten nicht zusagt, Kraft ihrer rabblnifchen Autorität, als antiguirt und aufgehoben erklärt. Eine solche Versammlung spricht sich selbst das Urtheil. Wäre in Israel mehr gesunder Sinn, wahrlich, es hätte einer Versammlung H erzfeld'scher MTJ gegenüber erst keiner Nichtigkeitserklärung, bedurft. So ist auch das Resultat des erwähnten Artikels, daß nämlich die Orthodoxie nur „das Nichts" wolle, ein Nichtiges. Die Orthodoxie will allerdings „Etwas^ etwas sehr Billiges und Gerechtes; sie will, daß diejenigen, die sich Rabbiner, also Vertreter des räbbmischen Judenthums nennen, dieses Judenthnm auch wirklich nach innen undaußen wahren, daß sie nicht mit der herrschenden Kirche liebäugeln, und um einige Brocken politischer Rechte das Judenthnm verhandeln. Die Orthodoxie schließt Wissenschaft nicht aus, eben sowenig ertaubte und nothwendige Verbesserungen; ater sie verlangt Garantiecn, daß die beabsichtigte Neuerung wirklich nothwendig, zum Frommen der 'Religion uothwendig sei , daß sie nicht der Neuerungssucht oder andern unlauteren Motiven ihre Einführung verdanken. Die Orthodoxie haßt in religiösen Dingen jede Nachäfferei; sie wird alles znrück'weisen, was dieser frivolen Eitelkeit entsprungen. Ohne' verdächtigen oder die Gedanken richten zu wollen, so ist es doch mehr als Zufall, daß Alles, sage Alles, was die neuere Zeit Neues emgeführt, das Gepräge der Nachäfferei an sich trägt, daß nicht eine einzige Neuerung sich finden *) Hier folgten einige Persönlichkeiten, die wir ausließen. Unser Grundsatz der Unparteilichkeit gebot uns, diesen Artikel, bis auf die Persönlichkeiten, aufzunehmen. Bezeichnend ist, daß ein Rabbiner, der uns unsere Unparteilichkeit zum Vorwürfe machte, selbst „über den Parteien zu stehen" öffentlich behauptet. Red. /

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