Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 19 (7.5.1845)
- Date
- 1845-05-07
- Page
- Spalte 295-296 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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293 Studien. Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias? 2M nur solchen Personen zukommen können, deren Mission über die Grenzen Palästina 's hinausgeht. Auf der andern Seite aber wird dem Umfange der betreffenden Mission gemäß auch die Zahl der dazu Berufenen sich erweitern müssen; mithin wird das vielfach besprochene Prädikat fortan nicht sowohl diesem oder jenem aus der Volksmaffe hervorragenden Individuum, als vielmehr einer ganzen Klaffe von Personen zukommen, die zur Mithilfe der Nealisirung des Gottesreiches berufen sind. Wenn demnach der ',7 733; bisher von der Totalität (den 'n viny) dadurch sich unterschied, daß er ihr gegenüber als der individuell berechtigteerschien: so wird er nunmehr nur noch in sofern ihr gegenüber stehen, als er einer andern Totalität angehört, oder mit andernWorten, es werden fortan nur die 'n ’HDy den '7 173J; gegenüberstehen. Diese feine Distinktion tritt uns sehr anschaulich in den Worten Gottes entgegen: D ■> n1 2 *» d jn n 3 y *>D7 ’DDpJl 'n H3J? bo ’DU (2 Reg. 9, 7). — Mit dieser Aufhebung der individuellen Btrechtigung des 'rt liy ist aber zugleich auch das beteeffende Individuum so zu sagen von seiner Individualität dispensirt, in sofern es sich nunmehr weniger um sein Sein an und für sich, als vielmehr um seine direkte oder indirekte Wirksamkeit für den bestimmten Zweck handelt. Daher sehen wir d. Sie werden genießen, werden anbeten, Die Großen der Erde; Es werden Ihm sich beugen Die Staubgebornen alle, — Und wer sein Leben nicht zu retten weiß» Die Nachkommen werden Ihm dienen, — Dem spätem Geschlecht wird man vom Herrn erzählen; Sie werden kommen und von Seinem Heit verkünden Dem kommenden Geschlecht, daß Er's vollbracht!" In dem ersten Theil dieser Stelle betet der Gesalbte des Herrn auf die Bekehrung des ganzen Menschen - Geschlechts, und im zweiten Theile wird ihm eröffnet, daß einst eine Zeit kommen wird, wo das, worauf er gebetet, in Erfüllung gehen soll. — Was trieb aber den Bezwinger der Nationen, für das Heil seiner Feinde zu beten, wenn nicht der Geist seiner väterlichen Religion es war? — Und steht diese Stelle etwa vereinzelt da? keineswegs! dafür sprechen Stellen wie Ps. 67, 2 ff.; 86, 9; 138, 4 u. a. zu laut und zu deutlich. — Oder hat diese Kümmerung um die Bekehrung des ganzen Menschengeschlechts von Seiten Israel's mit David aufgehört? mit Nichten! Schon im ersten Gebet, das sein Sohn und Nachfolger im ersten Tempel, der dem Herrn der Heerschaaren aus Erden gebaut worden, an diesen richtet, — wird auch auf die Erleuchtung der übrigen Wolken gebetet (1 Reg. 8, 43. 66). Und so erweitert sich der Wirkungskreis der Gottesgesandten immer mehr, bis wir sie endlich mit Aufträgen Gottes zu den Heiden wandern und ihre Könige salben sehen (1 Reg. 19, 15; Jona 1, 2 ff.)* — Und Angesichts dieser Thatsachen wollt ihr das Iudenthum in die engsten Schranken bringen und ihm jede Mission nach Außen absprechen? Wir werden hierauf nochmals, und zwar ausführlicher zurückkommen. Man kann in diesen Zeiten des Wirrwarrs und des Leichtsinns den Israeliten nicht genug an seine Bestimmung mahnen. nun das fragliche Prädikat Personen beigetegt, die hinsichtlich ihrer Individualität nichts weniger als einer solchen Auszeichnung würdig zu halten sind. Die Hinweisung auf Ier. 25, 9; 27, 6; 43, 10 wird genügen, das Gesagte zu begründen 17). In dem Maaße aber als nunmehr bei Verleihung des fraglichen Prädikats von dem betreffenden Individuum als solchem abstrahirt wird, — muß nothwendig auch jenes seine speciellere Bedeutung mehr und mehr verlieren, und allmälig in einen Kollektivbegriff übergehen, was auch in der That in Stellen wie Je st 42, 19; 43, 10; 50, 10 u. a. nicht zu verkennen ist. Diese Verallgemeinerung des fraglichen Prädikats verursacht nun eine zwiefache Schwierigkeit. Zunächst erschwert sie die Unterscheidung zwischen dem subjektiven und dem objektiven '7 -qjj, oder zwischen demjenigen Theil des Volkes, der ein '7 73y werden soll, und dem der ein '7 73y ist (Propheten) > dann bewirkt sie, daß selbst in Stellen, wo der objektive ',7 73y entschieden hervortritt, es doch schwer zu entscheiden bleibt, ob man wirklich einen Kollektivbegriff oder gar die Bezeichnung einer Individualität vor sich habe-. In' solchen kritischen Stellen kann nur der Zusammenhang der betreffenden Rede es sein, der Aufschluß zu geben vermag. Führen wir beispielsweise einige der fraglichen Stellen hier an, und zwar zunächst solche, wo der Kollektivb egriff auf der Hand liegt, und die Frage daher nur sein kann, ob man unter dem fraglichen Ausdruck dm subjektiven oder den objektiven '7 iny zu verstehen habe. Wir beginnen mit Iest 42, 19; daselbst klagt der Prophet im Namen Gottes: „*0 7)y 'D ~iiyi oWm *iij> ’d * rfrcw lvini vwjrnN '7 "QZO".' — Hier leuchtet wohl auf den ersten Augenblick ein, daß V] 73y als Kollektivbegriff zu fassen ist^). aber das ist nicht so leicht abzusehen, ob damit der P r 0 p h e t e n st a n d oder das Volk gemeint sei, da 7^, ^77 re. für das eine, und dWb, für das andere zu sprechen fdjctnt19). Nur eine Totalanschauung der fraglichen Stelle kann uns hier Aufschluß, verschaffen, und sie sagt uns, daß Gott Sich beklagt, „sein 73y sei taub und 17) Vergl. folgende Stelle im Talmud: A17 ~T5ü'"! yrpi ^.1 + nny -isnupj 4 nn 4 rnnm *nd L"p> 'di iwEP p-mM ' D^iyn wii 10m ’D — Sanh. fol. 106 a. — 18) Dies geht schon aus den Plural-Formen im vorangehenden Verse deutlich genug hervor. — 19) Diese Stelle hat schon den altern Interpreten zu schaffen gemacht. Saadja sitzt in seiner Version noch aujj hinzu, gleichsam als stände im Texte: 7^*0 > f° auch die Vukgata: a d quem nuncios meos misi, — Corrigenda. LB. d. Or. Nr. 7 d. I. Col. 98, Anm. 3 in der letzten Zeile lies: berechtigende. — Col. 99. Z. 11 lies: 1 —