Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 19 (7.5.1845)
- Date
- 1845-05-07
- Page
- Spalte 293-294 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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292 291 Studien. Lehrt die Bibel schreibt die Unsittlichkeit eines Kindes der. Verführung seiner Genossen bei, und so glaubte auch David, daß sich Absalom nicht gegen ihn empört hätte, wenn er nicht von seinen Feinden verführt worden wäre. Als er daher weinend und klagend den Oehlberg Hinaufstieg, und vernahm, daß Achitosel unter den Verschwornen sei, bat er Gott, daß er den Rath Achitofel's vereiteln möge (15, 30). Zn diesem Zustande der Erbitterung und freudiger Zuversicht auf die nahe^ Hilfe, sang er das Lied. Die Empörung, meint er, ist nur durch die Bosheit frohlockender Feinde entstanden, darum bittet er, daß die Feinde, verruchte Bösewichter, bestraft und unschädlich gemacht werden mögen, dann werde ber Aufruhr von selbst aushören, und über das durch den Bürgerkrieg beunruhigte Volk der Segen Gottes wieder kommen. (Fortsetzung folgt.) Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias? Beantwortet von D r. I. Kamp f. (Fortsetzung.) Der Pentateuch kennt nur drei Personen, denen (von^8)ott selbst) das Prädikat 'n * *ny beigelegt wird: sie sind Abraham, Moses und Kaleb (Genes. 26, 24; Rum. 12, 7; ibid. 14, 24). Dies dürste jedoch genügen, uns über die Bedeutung des fraglichen Prädikats Aufschluß zu geben; es dürste uns zu der Behauptung berechtigen, daß die Benennung 'fl -ny nur solchen Personen zukomme, die von Gott mit einer besondern Mission beauftragt worden 13). Nur so läßt sich begreifen, warum Noa und Henoch, trotz dem, daß die Schrift selbst ihre Frömmigkeit anerkennt, dennoch nicht 'fl Tny genannt werden, während Kaleb — ein Mann von weit geringerem Verdienst, dieser Auszeichnung gewürdigt wird; nur so leuchtet ein, warum die Erzväter Isaak und Jakob nicht erlangten, was das geringste Individuum in Israel — so es der Totalität sich anschließt — erlangen kann (Lev. 25, 42. 55). Blos in Bezug auf Josua könnte es befremden, daß er, der mit Kaleb das Verdienst getheilt, bei der Zuerkennung des Preises (id.) mit Stillschweigen übergangen wird, — wenn nicht gerade dieses Schweigen beredt genug wäre. Dem r\lWÜ des 'fl -Qy 13) In Bezug auf Kaleb heißt es Num. 14, 24: Den wahren Sinn dieses Ausdruckes erfährt man aber,"'wenn man damit die Stelle 1 Reg. 11, 4 vergleicht, wo von Salomo gesagt wird, wie er die von Gott ihm gewordene Aufgabe gelöst, nämlich: rjriN *1113 'n. — einen persönlichen Messias? %<xx lio%r\v schon bei Lebzeiten seines Herrn und Meisters dessen höchste Würde beizulegen, konnte große Misverständnisse herbeiführen ^); die betreffende Anerkennung wurde daher auf eine Zeit verschoben, wo kein Misverständniß mehr zu befürchten war (Jos. 24, 29; Iud. 2, 8). Nach Josua ist es zunächst David, dem das Prädikat 'fl “Dy beigelegt wird (1 Sam. 7, 5). Wie aber die Mission der Gottesmänner in Israel selbst nunmehr eine andere zu werden beginnt, so wird auch das ihnen zukommende Prädikat jetzt anders zu fassen sein. Denn wie es die Aufgabe der Gottesgesandten nunmehr wird, nicht nur für die Entwickelung und Befestigung des Gottesbewußtseins innerhalb Israels, sondern auch dafür zu wirken, daß die Erkenntniß der Wahrheit von Israel aus über alle Welt sich verbrette16): so wird auch von nun an die Benennung 'fl fl^y 14) Selbst in dem Umstande, daß Josua in der Stelle Deut. 32, 44 bei seinem frühern Namen y^n genannt wird, wollen unsere Weisen einen Wink erblicken, daß der Nachfolger des göttlichen Mannes diesem gegenüber bis auf den letzten Augenblick bescheiden und demüthig geblieben : flßpj '2 ♦ ifty inyi nnr. mb * jmfl jao irftnnD iiäwd nsay * rftm ft n:Ina# —Nascht nach St fri. Vgl. Midr. Jalkut Deut. P. 947, und Abravanel's Komm, zur angeführten Stelle. Siehe auch Midrasch Rabba Deut. P. 9: „ pya fly^ nniM nriN nwp mrvo hnd ♦ mw nro". 15) Hiob, der (Hiob 1, 8; 2, 3; 42, 7*8) ebenfalls rn “Dy genannt wird, gehört dem Zeitalter der Patriarchen an, wenigstens will es so der Verfasser des betreffenden Buches. — 16) Die Richtigkeit des Gesagten ist über allen Zweifel erhaben, was auch beschränkte Köpfe innerhalb und außerhalb Israelis faseln mögen. In unserer Expektoration über die neuesten Reformbestrebungen in Israel (LB. d. Or. Jahrg. 1843. Nr. 39) haben wir nachgewiesen, wie bereits im Pentateuch davon die Rede ist, daß es Israelis Aufgabe sei, durch ein musterhaftes Leben andern Völkern vorzuleuchten und sie zur Erkenntniß der Wahrheit zu leiten. Freilich konnte daran erst dann ernstlich gedacht werden, nachdem für die Befestigung der Gotteserkenutniß innerhalb Israeli selbst genug geschehen war; aber dann sehen wir auch, mit welchem Eifer und welcher Beharrlichkeit die Gottesmänner in Israel an der Realisirung der ihnen gewordenen hohen Aufgabe arbeiten. David's unsterbliche Psalmen allein dürften hinreichen, die Kurzsichtigen in Israel zu überzeugen, daß die israelitische Religion ihren Bekennern zwar keine Proselytenmacherei iw modernen Sinne, dagegen aber auch keineswegs Gleichgiltigkeit in Bezug auf Außen anempfiehlt. Sehen wir uns einige der betreffenden Stellen in den Psalmen näher an. Ps. 22, 28 ff. betet der gekrönte Sänger, wie folgt: a. „O, daß sie es bedächten . Und sich zum Herrn bekehrten, Der Erde Grenzen alle! O, daß vor Dir sich beugten Die Geschlechter der Völker allesammt! Da doch des Herrn ist das Reich, Da Er ja Herrscher ist der Nationen. — 19'