Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1845)
- Date
- 1845-05-07
- Page
- Seite 151 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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151 zusetzen, bis' auf jener großen Versammlung, wo sich alle einsinden sollen. „Doch damit unser Kommen hierher nicht umsonst gewesen sei, hab'en wir insgesammt und einstimmig beschlossen, den Gebrechen in solcher (nachstehender) Weise abzuhelfen, wenn wir dazu die Erlaubniß von unserem Könige und unseren Oberherrn erhalten. I Das Land soll in vier Bezirke emgetheilt werden, in jedem eine Versammlung der gelehrten Rabbiner dieses Bezirks stattsinden. Aus jedem Comitat soll ein von den Gelehrten daselbst hierzu erwählter Rabbiner des Comitats zur Versammlung kommen; ein großes Comitat, Ln welchem mehr als vier Gemeinden sind, schickt zwei oder drei. Den andern nicht gewählten Rabbinen des Bezirks bleibt es freigestellt, zur Versammlung sich einzusinden, und auf ihre Worte soll geachtet werden, wie auf die der eigentlich erwählten. Alle drei Jahre soll eine allgemeine Versammlung aller Rabbiner des Landes im Mittelpunkte desselben stattsinden. Aus jedem Comitat wird einer der Rabbiner gesendet, aus großen Cornitaten zwei oder drei, und die übrigen Rabbinen haben die Befugniß sich einzufinden, wie die erwählten. Keiner der Versammlung darf dieselbe vor dem Schluß verlassen; alle sollen unterzeichnen und werd-n dann von den Häuptern der Versammlung verabschiedet. In jeder der kleinern oder größern Versammlungen wählen die Mitglieder drei der vorzüglichsten Gelehrten: den Einen zum Präses und die beiden andern, die ihm beigegeben werden; diese leiten jede Angelegenheit der Versammlung. Die Autorität dieser Personen währt nur so lange die Versammlung besteht. Bevor die Versammlung sich auflöst, wählt sie die Häupter der folgenden und bestimmt Zeit und Ort dieser zukünstigen Versammlung. II. „Kein Oberrabiner soll die Befugniß haben, einem Kandidaten die Autorisation zur Entscheidung in religiösen Anfragen anders als in einer der Bezirksversammlungen und in Gegenwart der Häupter der Versammlung zu ertheilen. Die Ertheilung solcher Autorisation erfolgt dann nur auf Grund des von dem Lehrer des Candidaten ausgestellten Zeugnisses über dessen befriedigende Studien auf einer der jüdischen Hochschulen, und über dessen tadellosen Lebenswandel. Dem Schächter und Vorbeter jedoch kann jeder Oberrabiner für seine Gemeinde die amtliche Befugniß ertheilen. Jede Autorisation und Einsetzung der Art hat ganz unentgeldlich ohne irgend eine Bezahlung zu erfolgen. (Schluß folgt.) Oesterreich. Wien, im April. Wieder ist ein rauher menschenfeindlicher Winter vor nnS vorübergezogen, und ein frisch duftender Frühling zieht an seine Stelle. Wieder ist er uns entschwunden der eisgraue unfreundliche Alte mit seiner rnürrischen, trotzigen Miene und der blühende heitere Jüngling rnit seiner lustigen Harfe und Zitter nimmt seinen Platz. Wieder haben wir einen tiefen, tiefen Winterschlaf durchschlafen, und haben Kalte und Frost und Schnee und Eis vor uns vorüberziehen lassen, und sind aufgewacht an einem hellen, lichten Tag, wo die erquickende Morgenröthe unser Herz erhebt, und die aufwachende Natur unfern Sinn erleichtert und verklärt. — Aber kaum sind wir im Stande uns recht zu fassen, und zu sammlm; kaum wollen wir uns in der schönen sich entwickelnden Natur so gütlich thnn, und es uns bequem machen nach Götterlust und Göttersinn; als uns plötzlich ein Menschenfühlen überfällt; ein dunkler Nebel umflort unser Auge, und es steht in hellsten Farben die Frage vor uns: — Was hat dieser lange, schaurige Winter uns genommen, und was wird der fröhliche und freundliche Frühling uns dafür bringen? Es blutet mir das Herz wenn ich das bedenke, und es ergreift eine Wehmuth mich, wenn ich das überlege, was sich nur fühlen läßt. Nicht etwa denke ich da an die bürgerliche Knechtschaft, in der wir trotz des klaren Sonnenscheins leben. Nicht an die Verkürzung der Rechte, der heiligsten Menschenrechte, die wir, trotz aller Verdienste, hier ertragen. Auch nicht an die Erniedrigung, die wir, trotz des warnenden Zeichens am Firmamente hier erleiden und erdulden; denn in diesen Beziehungen haben wir hier zu Lande nichts zu hoffen, wenn nicht der allmächtige Herrscher selbst seine geübte, kunstreiche Hand an den felsigen Boden legt, ihn urbar zu machen, ihn zu besäen und zu bepflanzen mit seinem fruchtbringenden Samen; wenn er ihn nicht selbst durchjätct und begießet und bewachet und bewirthet; denn der Boden ist zu steinig, für den Inden trägt er keine Früchte. Der Kreis unserer Betrachtung ist aber ein viel engerer und beschränkterer. Wir haben nämlich den engen jüdischen Kreis vor Augen; denn da fragt flch's sehr bedeutungsvoll: Was wird der kommende freundliche Frühling uns als Ersatz bringen für den Schaden, den der rauhe Winter unter uns augerichtet? — Was hat uns aber eigentlich der Winter genommen? Rufen nur uns jene traurige Erinnerung auf dem Scheideweg noch einmal ins Gedächtniß zurück, ,,so weinen wir, wenn an Zion wir denken", denn in unserer Bedrückung ward unsere Zierde uns vom Haupte gerissen. Unsere Hoffnung ist geschwunden; wir hoffen nämlich süße angenehme Früchte zu ernten, aber des Winters kalter Arm ist über die Saat gezogen, und hat im Keime die Frucht zerstört;--denn H errmaun Tode sc o ist nicht mehr in nuferer Mitte! — Nur ein zu fühlbarer Niß ist in die Kette des hiesigen Gemeindelebens durch sein plötzliches Ausscheiden verursacht worden, und eine mtr zu sichtbare Lücke ist zurückgeblieben, die unersetzlich — Belege bedürfen meine Worte wahrlich nicht; denn wer hat nicht von den unermeßlichen Wohlthaten gelesen, die er so menschenfreundlich, so unverdrossen auf den Altar der Unvergeßlichkeit hat niedergclegt. Mit welchem Freimuthe war er nicht bereit, jeden Dürftigen zu unterstützen, und mit welcher Bereitwilligkeit bot er nicht seine Hilfe an, wo es einem