Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1845)
- Date
- 1845-05-07
- Page
- Seite 152 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 152 - wohlthätigen Zwecke galt! — Und der Mann ist nicht mehr unter uns, den Hai der Winter uns genommen, darum werden wir dieses Winters stets gedenken, und nie und nimmer seiner vergessen. —-Bevor wir aber unsere Betrachtung schließen, erlauben wir uns noch folgende Bemerkung, wodurch wir den Unbekannten im vorigen Jahrgang deö Orients Nr. 50 versichern, daß er bei näherem Umgang mit dem Verewigten eine bessere Ueberzcugung von dessen ausgezeichneter Intelligenz irnd Bildung gewonnen, und daß er dessen intellektuelle Seite nicht so in Zweifel gezogen hätte. Ja, hätte der Unbekannte nur euren prüfenden Blick auf die Verhältnisse geworfen , wie nämlich unser set. Todeseo zu den Intelligenten stand, er hätte jene nichtssagenden Worte gewiß nicht niedergeschrieben. So zeigt schon die einstimmige Wahl, die ihn zum Vorsteher der hiesigen Israeliten ernannte, daß er keiner von jenen war, deren einzige Zierde, der goldne Götze ist; denn die Wiener Gemeinde braucht thatkräftige, verständige Männer an ihrer Spitze O'JDJi O'DDn Dmv, und wie fähig er dieses anvertraute Amt zu vertreten war, hat er zu Genüge dargethan, und können wir ben so hohen'Verlust nicht zu wenig betrauern; denn welch' herrliche Anstalten für das Wohl Israels sind druck) das zu frühe Hinscheiderr unseres Verehrter: tm Keime geblieben *). Welche Ehre ihm von anderer Seite her, gerade seines scharfen Sinnes und umfangreichen Verstandes wegen, ist zngekomrnen, läßt sich daraus ersehen, daß er, der erste Jude, seit Jahren die Direktors-Würde bei der Raaber Eisenbahn mit dem besten Erfolg bekleidete. — So ruhe wohl in den Gefilden der Ewigkeit, wo kein Neid und keine Scheelsucht deine Verdienste schmählerrr itnb hcrabwürdigen kann; itnb wenn dir von deinem glorreichen Sitze herabschauest, wie die Menschen - uns hintergehen, und um unser gutes Recht uns betrügen, bitte zum Vater für uns, daß er dich als schützenden Enget uns sende, auf daß du abwenden kannst alles Unglück, das uns bedrohet. ---Welchen Vorthell erwarten wir aber von dem so schön herannahenden Frühling? — Sie haben geschätzter Herr Red. gewiß schon von den Nachwelten dieses strengen Winters gehört, wie nämlich der wüthende Strom unsere böhmische Hauptstadt so hart mitgenommen hat; aber Sie haben noch nicht gehört, daß die würdige Familie Todeseo's 10,000 ft. C. M. zur Unterstützung der Armen nach Prag gesendet, unJpl nw'D-Nto Heit und Glück unserer Jugend, wenn sie das Aster nicht beschämet. *) Nähere Ncberzeugung dieser unserer Worte könnte man sich in der trefflichen Trauerrede verschaffen, die unser würdiger Rabbiner Horowitz an seinem Grabe hielt. Gedruckt hei Schmid und Busä> Verlag von E. L. Fritzsche. Personalchronik und Miseellen. w (Em an eip a t ions fra g e.) Außer den rheinischen Provinzialständen haben sich auch die pommerschen bereits mir der Iudmfrage beschäftigt. In Stettin nämlich kam (Anfang März) die 36te Petition zur Berathung. Sie enthielt ein Gesuch des Vorstandes, und der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Stettin, daß der Landtag bei der Regierung darauf antrage, dieselbe möge die kirchlichen und Unterrichtsveshältniffe der jüdischen Unterthanen nach dem Edikt vom 1!. März 1812 ordnen und schützen. Der Bittschriften Ausschuß harte auf Ablehnung der Petition angetragen, weil für das jüdische Schulwesen eben so wie für das christliche (?) gesorgt sei und über die Kultusverhältnisse jetzt (in Berlin) Berathungen gepflogen werden. Indessen entschied sich die Versammlung selbst dafür, daß jene Petition in Erwägung zu ziehen sei. Nach dem Schluffe der Diskussion erklärten sich von 44 Anwesenden 28 Stimmen zu Gunsten der Petition, 16 gegen dieselbe. Obwohl so eine entschiedene Majorität sich für die Petenten herausgestellt hatte, erreichte dieselbe doch nicht die gesetzliche Aweidrittel-Stimmenzahl (hier 30, woran nur noch 2 fehlen), weßhalb die Negierung kein i förmlicher Antrag der Stände erfolgt. Indeß kann diese! schon aus dem Faktum selbst die Ueberzeugung erlangen, daß auch die Stände immer klarer das Recht der Juden anerkennen, dessen Bestätigung ja nur von ihr abhängt. Noch kann die Regierung das ganze Verdienst durch rechtzeitige Erfüllung der nationalen Wünsche sich aneignen. C. Der bekannte englische Missionair Dr. Wolff(aus Baiern) schrieb kürzlich, auf seiner Riickreise von Bochara von Trapezunt aus u. A. Folgendes: er habe 1831, als er Mesched,! die Hauptstadt von Chorassan, zum erstenmale besucht, das jj selbst 230 jüd. Familien, meist achtbar und bemittelt, im jj Mai 1844 aber auf seiner Rückreift nach Bochara, einen l großen Theil zum Muhamedamsmus übergetreten, wiedergefunden. Im Jahre 1837 habe nämlich ein muhamed. Arzt einer Jüdin, die eine schlimme Hand gehabt, gerathen, einen j Hund zu schlachten, und sich mit dessen Bluc zu waschen. Da! dies aber gerade am Bairamfeste geschehen, so hätten die! Muhamedaner darin einen absichtlichen Hohn für ihren Glauj ben erblickt und so hätten dann Tausende die Hauser der Iu- { den medergebrannt und 35 Juden ermordet. Der Oberrabj biner und die -meisten Juden seien darauf Muhamedaner gej worden; nur mehrere alte Juden und Jüdinnen hätten den; Märtyrertod dem Abfall vorgezogen. . Achtzig Familien seien! später nach Herat, Brazd und Kabul ausgewandert und dort 5 wieder zum Iudenthum zurückgekehrt, die in Mesched geblie- I benen aber theilweise noch heimliche Bekenner des Judenthums ' und darum habe der Mollah dort ein förmliches Inquisitionstribunal errichtet, indeß will Wolff ihn jetzt zur Milde ermahnt und gestimmt haben.! Druck von I. H. Nagel.