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Der Orient · 1845-05-07 · Heft 19 (7.5.1845) · p. Seite 150

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 19 (7.5.1845)
Date
1845-05-07
Page
Seite 150 (sequence 11)
Language
German
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150 Wir erlauben uns, Ihnen beifolgend eine Aufforderung zu überreichen, welche hier überall Anklang gefunden hat. Es sind bereits von allen Seiten Beitrage „zur Bildung einer Kaffe für die künftigen Rabbiner- Versammlungen" gezeichnet, wodurch hoffentlich fanatischem Eifer durch die That entgegengewirkt, allenfallsige Bedenklichkeiten beseitigt, und den künftigen Rabbinerversammlungen, wenn sie der zu Grunde Liegenden Idee würdig entsprechen, ein Haltpunkt in der öffentlichen Meinung gegeben wird. Bei den Gesinnungen, welche die israelitischen Gemeinden Deutschlands, und namentlich die Ihrige, mehrfach bethätigt haben, zweifeln wir nicht, daß sich auch in Ihrer Mitte Biele dieser guten Sache anschließen werden, und erlauben uns nur den Wunsch hinzuzufügen, daß die Kräfte nicht zersplittert und die verschiedenen Beitrage zu einem Ganzen vereinigt werden mögen. Demgemäß sind wir so frei, Sie hiermit zu bitten, Sich, im Verein mit gleichgesinnten würdigen Männern, um Unterzeichnung von Beiträgen bemühen, Listen zu diesem Zwecke in Umlauf setzen zu wollen, und sich dann mit uns und den sämmtlichen Contribuenten in Deutschland zu einem Gesammtvereine zu constituirm. Sobald die Listen überall geschloffen sein werden, werden wir uns mit den dabei betheiligten Gemeinden und Lokalvereinen darüber benehmen, um das Ganze definitiv zu bilden und zu organisiren. Mit der Bitte, Ihre gefällige Antwort so wie das Resultat Ihrer Bemühungen (wofür wir Ihnen im.Woraus den besten Dank abstatten) einem der Unterzeichneten baldmöglichst zukommen zu lassen, schließt Hochachtungsvoll Das provisorische Comite: Doctor Jacob Auerbach. Leopold Beer. M. B. Goldschmidt. M. Grünebaum. D. Höchberg. Doctor I. M. Jost. Dr. I. Weil. Frankfurt, den 30. April 1845. Königsberg. (Synodal-Bestrebungen der jüdischen Orthodoxie in Ungarn.) Im Juni v. I. fand in Braunschweig eine Versammlung deutscher Rabbiner statt und ist seitdem häufig der Gegenstand öffentlicher Erwähnung gewesen, zunächst auf Seite derer, welche der klar ausgesprochenen Tendenz der Versammlung für die religiöse „Fortbildung" des Judentums, wenn auch oft nur von den all- - gemeinsten (politischen oder religiösen) liberalen Gesichtspunkten aus die lebhaftesten Sympathiecn glaubten zuwenden zu müssen. Ein eben jetzt unter den Betheiligten entzündeter Streit, ob eine Fortbildung des Judenthums oder im Judenthum gemeint sei, ist nach gerade auf dem zu jener berühmten Divergenz: jus qu’ä la nier und jus qu’dans la wer eine bemerkenswerthe Parallele zu liefern: Man thut dem Urheber dieser Versammlung wohl nicht Unrecht, wenn man annimmt, daß er seine Erfindung zunächst dem gegenwärtigen allgemeinen Associationsgeiste schulde, und dann insbesondere den Antecedentien, welche die deutschen Naturforscher, Philologen, Architekte rc. bereits dargeboten hatten. Man könnte sich um so mehr geneigt fühlen, diesem Gedanken Raum zu geben, je weniger es, etwa in Folge einer bereits auf breiter und tiefer Grundlage gewonnenen reichen literarischen Entfaltung jüdisch theologischer Wissenschaft das Ansehen haben möchte, als wenn die Versammlung im Besitze eines solchen Maßes von reifen Ergebnissen einsamer, tief eingehender Forschung, von durchgebildeter Ueberzeugung, von Entschiedenheit und Sicherheit der Principien gewesen, das eine solche Versammlung zur mündlichen Verhandlung nicht als zu früh und zu unvorbereitet erscheinen läßt, wenn sie sich in der That die höhere Aufgabe stellen sollte in Bezug auf die, anderweitig oft mit aller unvergleichlichen Frivolität einer leichtsinnigen Oberflächlichkeit und etwa durch Univiffenheit zu entschuldigenden Ungründlichkeit, verhandelten Lebensfrage des Judmthums maßgebend zu wirken. Auch läßt sich nicht sagen, daß die Versammlung mit den durch Geist und Gelehrsamkeit ausgezeichneten Männern in ihrer Mitte, ein solches ungünstiges Vorurtheil durch ihre Verhandlungen geradezu widerlegt hätte. Nicht einmal auf abstraktem Principiengebiete zwischen der Scylla und Charybdis, zwischen der Anerkennung des Talmuds und den Bedürfnissen der „Zeit" ungefähr hindurch zu steuern, wollte so recht gelingen, und die praktische Seite dieser Verhandlungen vermochte wohl nicht durch sichtliche Befangenheit in außerhalb des eigentlich religiösen Gebiets belegenen Rücksichten zu ersetzen, was ihr zuweilen an tieferem religiösem Ernst und innerlicher Unabhängigkeit abzugehen schien. Wenn demnach die Rabbiner-Versammlung in Braunschweig genau im Zusammenhänge mit gleichzeitigen wissenschaftlichen Bestrebungen und zunächst sogar als Folge derselben erscheint, so darf vielleicht um so eher die Eingangs erwähnte zu Bacs in Ungarn abgehaltene Versammlung von in kleinen jüdischen Gemeinden Ungarns zerstreuten und den wissenschaftlichen Ieitbestrebungen fern stehenden Rabbinen zum Schutze und zur Aufrechthaltung des orthodoxen Glaubens, auf Beachtung Anspruch machen. Die Allg. Zeitg. des Judenthums Nr. 45 enthält die häbräisch abgefaßte, von 24 dieser Rabbinen Unterzeichnete, Erklärung, die hier um ihres auf dieser Seite so sehr bezeichnenden Inhalts willen, größtentheils in fast wörtlicher Übersetzung der Mittheilung nicht umverth sein dürfte. In den Eingangsworten beklagen diese Rabbiner die Willkür, welche auf religiösem Gebiete Platz gegriffen und die Grundfesten des Glaubens gefährde, besonders auch indem solche Personen zum Rabbineramt gelangt seien, denen die genügende Kemttmß für die Entscheidung religiöser Ausragen abgehesie beklagen auch die Abwesenheit vieler der ausgezeichneten Rabbiner, welche aus verschiedenen Ursachen zu erscheinen abgehalten sind, wie aus den Zuschriften derselben hervorgehe; sie erklären, daß ihnen somit die Hände gebunden seien, und es nicht in ihrer Macht stehe, Erhebliches fest-

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