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Der Orient · 1845-05-07 · Heft 19 (7.5.1845) · p. Seite 149

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 19 (7.5.1845)
Date
1845-05-07
Page
Seite 149 (sequence 9)
Language
German
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Höre. Die nächste Verwirklichung dieser Ansichten, welche in der That auch zu einer Verehrung Gottes im Geist und in der. Wahrheit zu fuhren vermögen, war die Abschaffung aller der Gebete, die, wie bereits in diesen Blättern in einem besonderen Artikel erwähnt, für die jetzige Generation des Judenvolks bedeutungslos geworden, da, wie der Reformator sich ausdrückte, ,,eine solche Abkürzung des Liturgischen auch dar u m w ü n sch e n s w e r t h, weil w i r G o t t b l o s die Wünsche vortragen sollen, die wir wirklich fühlen und auch die stärkste Andacht bei zu langer Dauer ermüden müsse!" — Ueber Alles dies ergreifend und, ich kann sagen, herzgewinnend war eine Schlußbemerkung des Redners an die Gemeinde, welche eine wahrhaft religiöse Humanität und so rücksichtsvolles Zartgefühl verrieth, daß ich sie hier nicht verschweigen mag, da sie eigentlich mit das Hauptmotiv zu diesem Referat geworden. — Er sagte nämlich (es war wie erwähnt am Vorsabbat der christlichen Osterfeier die diesmal mit dem jüdischen Purimsfeste oder der Fastnacht zusammenfiet,) etwa Folgendes zur Versammlung : „I ch h a b e E u ch n o ch z :: m S ch l u ß di e n a chdrückliche Ermahnung ans Herz zu legen, daß, obwohl auch Ihr morgen einen Freuden tag begeht, ihr Euch do ch^daran erinnert, daß in cmömt Tempeln des Herrn viel wichtigere Festtage gefeiert werden, und Ihr durch keine Art von Mummenschanz oder sonstige zu laute Freude die Andacht Andersdenkender stören dürft."— Das Herz schlug mir vor Freude über so tiefhumane Worte eines jüdischen Priesters, und als ich die Synagoge betreten, hätte ich nicht gemeint, solchen Glauben in Israel zu finden. Aber man steht, auch hier schlägt die Zeit ihre mächtigen Schwingen, und wohl möchte man in manchen christlichen Kirchen die laute, nachhaltige \ Lehre predigen: ,,G ehet hin und thuet desgleichen!" — (Brest. Z.) Frankfurt a. M., 10. April. Hier ist so eben folgende Aufforderung erschienen: An das verehrte Publikum. Aufforderung zur Bildung einer | Kasse für die zukünftigen Rabbinerver- [ sammtungeu. Die Versammlung deutscherRabbiner:, I welche voriges Jahr in Braunschweig gehalten wurde, | hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt, und sich lebhafter I Theilnähme in der Mitte unstrer Glanbensgenoffen erfreut. \ Man fühlt überall, daß die so schwierige, als unabf weisbare Aufgabe: unstr religiösts Leben und dessen Jnj stitutionen zir läutern, zu begründen und zu erheben, am besten durch einen Verein sachkundiger, besonnener und [: muthiger Männer gelöst werden kann, deren Stellung sie zugleich in den Stand sitzt, Dem , was den Ansor- \ denulgen der Wissenschaft und der Zeit, dem Bedürftlissi der Gemeinden, wie dem Geiste unserer Religion entspricht, auch praktische Geltung zu verschaffen. Andere Rabbinerversammlungen werden dieser ersten (die nächste dahier in Frankftlrt) folgen und dem so höchst wünschenswerten Ziele um so näher kommen, je zahlreicher sie besucht, je weiser und zeitgemäßer ihre Beschlüsse gefaßt, je kräftiger endlich ihre Bestrebungen von den Gemeinden unterstützt werden. Letzteres beweist sich aber am besten und würdigsten durch die That. Ohnehin erscheint es als eine Ehrenpflicht, Männern, welche Opfer aller Art für ihre Glaubensgenossen nicht scheuen, nicht auch den peeuniären Th eil derselben aufzubürden. Wie viel auch in den Orten, wo diese Versammlungen Statt finden, mit anzuerkennender Bereitwilligkeit in dieser Hinsicht geschieht, so können doch manche ausgezeichnete Männer, welche zum Theil mittellosen Gemeinden augehören, nur dadurch in den Stand gesetzt werden, sich, von fernen Gegenden her, diesen Zusammenkünften anzuschließen, wenn sich eine Kasse für die zukünftigen Rabbinerversamrnümgen ans freiwilligen Beiträgen bildet, wozu durch ganz Deutschland alle Freunde der Religion und des Fortschrittes unter den Israeliten, Einzelne und Gemeinden, willig und zahlreich beitragen. Hierdurch wird zugleich Einschüchterungen begegnet und der Beweis gegeben, daß das Gute und wahrhaft Zeitgemäße in unsrer Mitte geeigneten Boden finden und Wurzel fassen wird. Um diese Angelegenheit-ohne Aufschub zu fördern, sind die Unterzeichneten, der Aufforderung vieler wackerer Männer entsprechend , als provisorisches Eomite zusammengetreten, damit vorläufig ein Vereinigungspunkt vorhanden sei, welcher der guten Sache den ersten Impuls geben, Unterzeichnungen annehmen, die Listen dazu fertiger: und mit ähnlichen Vereirren, welche sich hoffentlich irr anderer: Städten und Gegenden bilden und den nnsrigen anschließen Werder:, in Verbindung treten könne. Bei dem reger: Eifer für das Gute, welcher: unsere Gemeinden und Glaubensgenossen so oft schon bethätigt Haber:, zweifeln wir nicht, daß es ar: zahlreichen Unterzeichnungen nicht fehlen werde. Das Minimum der Beiträge ist auf einer: Gulden jährlich ur:d die Verbindlichkeit zur:ächst auf zwei Jahre festgesetzt. Ueber das Resultat soll, so bald als möglich, öffentlich Bericht ab gestattet werden. Mögen sich recht Viele kräftig an dieser Angelegenheit betheiligen, so der guten Sache Vorschub leister: und Zmgniß geber: von der Gesinnung, welche in unserer Mitte vorherrscht. Frankfurt, den 24. April 1845. Das provisorische Eomite: Dr. Jakob Auerbach. Leopold Beer. M. B. Goldschrnidt. M. Grünebamn. D. Höchberg. Dr. I. M.Jost. Dr.J.Weil. Diese Aufforderur:g wird unter folgender Zuschrift von dein provisorischen Korniie versendet.

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