Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1845)
- Date
- 1845-05-07
- Page
- Seite 147 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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147 er ladest die Engherzigkeit eines hohen Geistlichen, der sich dem Vorschläge dazu widersetzt habe, und erfreut uns mit der überraschendsten Nachricht, daß er.(derMitarbeiter an der illustr. Zeitung) gegen die fernere Ausschließung, der Juden gestimmt habe. Nun kommen aber seine Motive, von denen man nicht weiß, ob man sie lieber jämmerlich oder lächerlich nennen soll. Von einer Emaneipation der Juden könne nun einmal nicht die Rede sein; sie aber in die Reihen der Gesellschaft aufzunehmen, sei recht, sobald sie sich dessen würdig gemacht hätten, eher aber nicht. So mache-man es in England. Sie seien Fremde im Lande, gehörten nach Palästina re. Dieser edle Wortführer der noblen Gesellschaft, hat in der Berliner literarischen Zeitung von Brandes vom 2. April einen treuen Bundesgenossen gefunden. Hier wird nämlich in einem größeren Artikel, der die Aufschrift: Toleranz führt, auch der Juden gedacht. Bei den Inder:, meint der würdige Autor, lasse sich Religion und Nationalität gar nicht trennen; ihre Sprache (?) entfremde sie schon dem christlichen Europa; ihre Emaneipation sei ohne eineBenachtheiligung des Christenthums unmöglich, indessen solle man sie dulden und nicht kranker:; ihre Rolle in der Welt sei ihnen durch ihre Propheten vorgeschrieben; sie müßten unter der: Völkern isolirt fortleben; ihre wahre Bestimmung sei und bleibe, das Familienleben unter sich auszubilden; das fange man mehr und mehr an einzusehen. — Der: letzten Satz könner: wir zum Glück eben so für. eine Erdichtung erklären, wie alle vorangehenden Behauptungen. Also nur zum Steuerzahler:, Dienen, Gehorchen und für die vier Wände des Hauses seien die Juden geschaffen? Welches französische oder englische Blatt nimmt solche gemeine und triviale Redensarten auf? Solche Leute bedürfen keiner Preßfreiheit, sie haben sie schon trotz der Fortdauer der Ccnsur, indem sie ihre Herzensmeinung schon jetzt klar aussprechen. — Vielleicht sind jedoch solche Artikel nicht ganz ohne Nutzen; wenigstens können sie dazu dienen, diejenigen Männer, die in Frankfurt und Berlin für Menschenrechte schwärmen, aus ihren rosenfarbenen Träumen zu wecken. So löblich das Streben nach Reform ist, so gewiß ist es, daß noch lange Zeit die Extreme allein den Vortheil aus demselben ziehen werden. Irr bürgerlicher Hinsicht kommen wir durch die Reform keinen Schritt weiter und gerade darauf ist es ja bei den meisten Juden abgesehen. Wollen sich denn unsere besten Köpfe immer von Neuem dupiren lassen? Begreifen sie denn noch immer nicht, daß die sogenannte Selbstemaueipatio:: nur darum gefordert wird, um für abermals 30 Jahre einen Vorwand zur Verschleppung der politischen Gleichstellung zu haben? Die Individuen, welche zu Bekleidung von Staats- und Gemeindeämtern fähig sind, find schon jetzt unter den Juden in großer Zahl vorhanden; aber man will warten, bis Alle dazu geeignet sein werden, d. h. bis zum Nimmermehrstag. Daun hat aber die jetzige Generation, dann haben die Juden überhaupt keine Emaneipation mehr nöthig. Nicht in der religiösen Zwietracht, sondern in der socialen Eintracht liegt nach unserer Ueberzeugung das alleinige Heit der Juden. Daher fürchten wir die Folger: aller Vereine, die nur einen negativen Zweck haben, obwohl wir ihnen im Principe, d. h. in Lehr- und Gewissensfreiheit, in dem Ringen nach Vorwärts vollkommen beistimmen. — Interessant wäre es, wenn die Bewegung, die jetzt in Berlin begonnen hat, in weiteren Kreisen Anklang fände als die Frankfurter. In der Thal sollen schon Beitrittserklärungen von BreSlau und Königsberg (inan spricht auch von einigen Unterschriften in Hamburg) eingelaufen sein. Die Spener'sche Zeitung (14. April, Beilage) redet diesen Bestrebungen das Wort. — Unterdeß dauern die Proteste und Gegenproteste in Betreff der in Braunschweig gefaßten Beschlüsse fort. So haben eine Anzahl Mannheimer Juden in der dortigen Abendzeitung unterm 13. April gegen die 77 Hirtenbriefsteller protestirt. — Für tote Ueberschwemmten in Prag hat auch die Großhandlung Goldsteil: in Wien 5000, das Haus Biedermann daselbst 1000 fl. beitragen. — In Frankfurt a. M. dürfen jetzt — allerdings nur durch stillschweigende Observanz, jüdische Meister auch christliche Gesellen halten. E. C. Aus Wiirtemberg, im April. (Humanität.der wnrtemb erg i scheu Kammer der Abgeordneten.) In der 26. Sitzung der zweiten Kammer wurde das Budget des Departements der Justiz berathen und von Freiherrn von Linden der Bericht der staatsrechtlichen Kommission über die Hausordnungen für das Zuchthaus, die Arbeitshäuser und Kriegsgefängnisse vorgetragen. .Ich theile hieraus dem schwäb. Merkur das für dieses Journal Jnteressante rnit. Außerden: ist in dem Rechenschaftsberichte des ständischen Ausschusses bemerkt, daß nach den Hausordnungen die israelitischen Gefangenen an ihren Sabbaten und Feiertagen gleich den übrigen Sträflingen zu arbeiten haben, was jedoch nach etner Aeußerung der israelitischen Oberkirchenbehörde erlaubt und sogarPfticht sei, (hört) wenn das Arbeite:: am Sabbat als etwas angesehen werden könne, was nothwendig sei, wenn die Ordnung des Hauses und der'Zweck der Anstalt erreicht werden solle. Hinsichtlich der Bestünmungcn der Hausordllung über die Behandlung israelitischer Gefangenen glaubte die Kommission wenigste::s aussprechen zu sollen: ,,es werde der Verwaltung der Strafanstalten zu vertrauen sein, daß, wenn der Fall sich ereignen sollte, daß ein israelitischer Strafgefangener Bedenken trage, am Sabbat oder an seinen Feiertage:: zu arbeiten, ein schonendes, dem Grunde seines Bedenkens angemessenes Verfahren gegen denselben werde beobachtet werden". Freiherr von Linden bemerkt noch insbesondere, daß 19 *