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Der Orient · 1845-05-07 · Heft 19 (7.5.1845) · p. Seite 146

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 19 (7.5.1845)
Date
1845-05-07
Page
Seite 146 (sequence 3)
Language
German
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146 eine gediegene Rede die Gemeinde erbaut und wird es hoffentlich mit Bewilligung des Herrn. Rabbiners auch in Zukunft thun. Die einzelnen Glieder dieser Gemeinde bekunden ihre löblichen Gesinnungen schon dadurch, daß sie die Kosten des Chores durch freiwillige Beiträge bestreiten und aus eigenen Mitteln eine Religions- und deutsche Schule erhalten, welche seit 16Jahren fast ununterbrochen bei den alljährlichen Prüfungen die erste Note erhält, aus welcher schon viele trefflich gebildete Jünglinge und Jungfrauen hervorgingen, die ohne Zweifel nicht wellig zu dem guten, sittlichen Stande der Gemeinde beiträgt und deren Lehrer der durch seine Schriften bekannte Dr. Dessauer ist*). Am klarsten giebt sich der Sinn fürs allgemeine Beste und für echte Religiosität durch gemeinnützige Stiftungen zn erkennen; obwohl ich nun von solchen wenig zu berichten habe, so verdient doch Folgendes Erwähnung i;nd; Anerkennung, zumal der Israelit überzeugt ist: dhnji o mbb rwnv'ni n*o\ Herr W. Lieh tenstädter, der Verfasser des nrinDN, eines Werkchens, das in fließender hebräischer Sprache treffliche exegetische und hermeneutische, von einem gesunden Menschenverstände zeugende Wort- und Sinnerläuterungen der h. Schr. enthält, und auf welches wir vielleicht später zumckkommen Werder:, hat einen Vorhang für die Toralade —* wie früher Herr G. Pragheimer — anfertigen lassen, welcher durch seine reiche, kunst- und prachtvolle Arbeit auch die kühnste Erwartung übertrifft, und der nach meinem Dafürhalten 11 bis 1200 fl. gekostet haben mag. Der Verfertiger desselben, Herr Goldsticker Berg in Würzburg, hat ihn auf allgemeines Verlangen drei Tage lang in der dortigen Kunstausstellung zur Ansicht ausgestellt und von dem zahlreich hinzuströmcnden Publikum großen Beifall cingeerntet, wie aus den zwei neuester: Nunuuern der Würzburger Zeitung zu ersehen ist. Aus Besorgniß unfern Bericht zu sehr auszudehnen, schließen wir hier, unS der Hoffnung hingebend, die angeführten Beispiele des Guten werden in Israel nicht ohne Nachahmung bleibe):. A. A. Aus Wurtemberg, Ende März. (Verspätet.) In Nr. 12. Ihres Blattes ist in die Miseellen, wahrscheinlich aus dem'Franks. Journal, eine Nachricht übergegangen, die ich als unwahr bezeichnen muß. Es heißt dort: ,,Jn Mergentheim hat unter dem Vorsitze des Lehrers I. Löwen stein zu Hubach(?) eine Versammlung von würtemb. Rabbinern, Lehrern, Gemeindevorstehern re. stattgefunden, und eine Petition an den würtemb. Landtag behufs der Emancipation beschlossen. — So viel ist wahr, daß der rastlos für die Ernaneipation thätige Dr. Karl Weil eine Petition vorbereitet *) Von demselben ist eine ausführliche Geschichte der Juden unter der Presse, auf welche, obschon sie noch nicht annonctrt wurde, schon zahlreiche Bestellungen eingegangen sind. und Bevollmächtigte aus sämmtlichm Rabbinaien des Landes nach Stuttgart berufen hat. Am 26. März hat die Versammlung in Stuttgart stattgcfnndm. Von Mergenthein: war Herr Hirsch, der Abgeordnete, Vollmacht tragende, des dortigen Rabbinatöbezirks. Herr Löwenstein ist uns ein liomo iioyus. Die Diskretion verbietet mir über den Gang der Verhandlung öffentlichen Bericht zu erstatten; sobald die obwaltenden Umstände es ertauben, wird der ganze Verlauf aktenmäßig tu diesen Spälten gegeben werden. Ohne daß die jüdische Fakultätsfrage bei der Rabbinerversammlnng zur Motion erhoben worden, was beiläu- 5g gesagt, böses Blut und pöbelhafte Ausfälle erzeugt hat, geht man bei uns, höher» Orts, auf Verwenden des Kirchenraths Rabbiner Maier, damit um, einen Lehrstuhl für mosaische Theologie in Tübingen zu gründen. Der neue Rechenschaftsbericht des israelitischen Waisenvereins ist auSgegeben. Die herrlichen Zeugnisse, die die Schulbehörden der Waifenfchute geben, sind freudig begrüßt worden. Unser jüdischer Franke — der edle Dr. Dreifuß — setzt sich ein bleibendes Monument durch sein, kein Opfer scheuendes Wirken, für die von ihn: begründete Anstalt. Die anhaltende Theucrung in diesem Jahre hat ein kleines Desicit am Grundstock nach sich gezogen. Möchten doch auch außerhalb Würtembergs, barmherzige Glaubensbrüder diesem herrlichen Institute ihre Mildthätigkeit. zuwenden! Dem Vernehmen nach soll Rabbiner Gabriel Adler in Oberdorf, für die ditrch den Abgang seines Bruders nach London erledigte Landrabbmerstelle zu Hannover designirt sein. Rabbiner Adler ist durch literarischen Ruf wie durch praktische Wirksamkeit hinlänglich bekannt, so daß seine Anwartschaft auf das Rabbinat Hannover, wo dessen sel. Vater und sein jüngerer nach London berufener Bruder in guten: frischem Andenken stehen, hinlänglich gerechtfertigt erscheint. Hamburg, 18. April. Wir hatten vor Kurzem die Leipziger (Weber'sche) illustrirte Zeitung, die durch ihre Lobreden auf den heiligen Rock und auf den Fürsten PaSkewitsch sich einen eben nicht beneidenswerthen Ruf verschafft hat, aus einer Entstellung der Wahrheit betroffen, indem sie behauptet, der Vorschlag, den §. 2 des norweg. Grundgesetzes aufzuheben, sei im Storthing von 1842 mit großer Majorität verworfen worben. Wir hielten damals diese Angabe für ein Produkt der Flüchtigkeit, für einen Jrrthum, jedenfalls für absichtslos ungenau. Wir sind aber anderer Meinung geworden, seitdem wir in ihrer Nummer vom 12. April ein Raisonnement gelesen haben, welches überschrieben ist: „Aus dem Leber: für das Leben" und das bodenloseste, boshafteste Geschwätz über die Juden enthält. Der Verf. geht von dem Faktum aus, daß eine Leipziger Ressource sich kürzlich dazu bequemt habe, auch Juden aufzunchmen,

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