Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1845)
- Date
- 1845-05-07
- Page
- Seite 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster . Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Nr. Julius Fürst. Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. IN» Leipzig, den 7. Mai 184«S» Inh alt. Deutschland. Aus M i t t e l fr a n k e n. G?melndeleben in Baiersdorf. Aus Würtemberg. Emancipation. Iüd. Fakultät. Waisenschule. Rabb. Adler. Hamburg. Die illustrirte Zeit, und die Berliner literarische. Reformbestrebungen. Aus Würtemberg. Verhandlung über jüd. Sträflinge. Breslau. Judenthum und Christenthum liegen sich in den Armen. Frankfurt a. M. Rabbiner-Versammlung. — Oesterreich. Wien. Die Bedeutung Lodesco's für Wien. —- Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Deutschland. - Mus Mittelfrarrken, April. Berichte über den Zustand größerer israelitischer Gemeinden gewähren den doppelten Nutzen, daß sic einerseits die Gegner der Emancipation, welche so gern dem Jndenthmne Stabilität zur Last legen möchten, entwaffnen, andrerseits aber kleinern Gemeinden znm nachahmungswürdigm Vorbilde dienen können. Nur dürfen sie nicht zu sehr ins Detail gehen, und sollen, um den Leser nicht zu .ermüden, selbst das Wichtigere blos als historischen Abriß geben. Dies vvrausschickend, hoffen, wir, daß folgendes in Ihr geschätztes Blatt eine freundliche Ausnahme finden wird. Baiersdorf, ein Städtchen in Mittelftanken Baierns, zählt unter 1400 Einwohner 427 Israeliten, welche sich unter ihren Mitbürgern durch Fleiß, Ehrlichkeit und Gelverbsth.'tigkeit rühmlich Hervorthun. Der dortige Nabbiller, ein durch hohes Alter und talmudische Gelehrsamkeit ehrwürdiger Greis, hat zwar erst neuerlich durch seine MitunLerzeichnung der Protestation gegen die Beschlüsse der Rabbinerversamm'lnng offen bekundet, zu welcher Farbe er sich bekennt, dessen ungeachtet kann man ihm nicht, wie andern seiner Konsorten, feindseliges Entgegentteten gegen jeden Fortschritt oder Intoleranz zur Last legen. Seit 30 Jahren wird Herr I. L. Kohn immer mit Stimmcncinheit zum Kultusvorstande gewählt, was eigentlich das evidenteste Zeugniß für den Werth dieses Mannes giebt und jede Lobeserhebung überflüssig macht; .darum wollen wir, auch eingedenk des: lauda 4 parcius, nur noch seiner seltenen Herzensgute und seines unverdrossenen Eifers für Verbesserung des Synagogenwesens, Veredlung des Gottesdienstes und Hebung der Schule kurz erwähnen. In letzter Beziehung erhielt er erst jüngst von der Vorgesetzten Schulbehörde das Zeugniß eines sehr rühmlichen Eifers. Mit seiner Einwilligung geschah es, daß vor einigen Jahren dahier ein Synagogenchor errichtet wurde, wie es vielleicht wenige bessere in Deutschland giebt. Ein durch klassische Bildung und frommen Sinn ausgezeichneter Mann, Herr A. Merzbacher hat, wie durch einen Zauberschlag, die alten ungeeigneten Gesänge und das schreiende Beten aus der hiesigen Synagoge entfernt, und hat weder Geld, Zeit noch Mühe gespart, ans der Schuljugend und dazu fähigen Männern einen Chor heranzubilden, der die schönsten und schwersten Piecen von Snlzer und M. Kohn vorzutragen vermag. Herrn Merzbacher hat also zuvörderst Baiersdorf die Hebung seines Gottesdienstes zu verdanken; aber mindestens dasselbe Verdienst erwarb sich Herr Nabbinatskandidat W. Kohn, der derzeitige Vorsänger der Gemeinde, indem er jenem treulich zur Seite stand, daS Geschaffene zu erhalten sucht, die Choristen allein unterrichtet, den Gesang leitet, eine wohlklingende Stimme besitzt, die Andächtigen durch seinen herrlichen Vortrag und seine richtige Aussprache und Betonung des Hebräischen ergötzet und den Synagogenbesuch zugleich ' anziehend macht. Dieser wissenschaftlich gebildete, religiös gesinnte und einem konservativen Fortschritte huldigende junge Mann hat schon einmal durch 19