Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 18 (30.4.1845)
- Date
- 1845-04-30
- Page
- Spalte 277-278 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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2 77 Studien, Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias? 278 So sehen wir, wie das Judenthum, von der Aufhebung der individuellen Berechtigung ausgehend, doch wieder zur Anerkennung derselben kommt, freilich in einem höhern Sinne. Dies darf uns aber um so weniger befremden, als das Princkp der fraglichen Negation durch die anderweitige Position in keiner Weise beschränkt, vielmehr dadurch — wenn auch in der kontrastirenden Form — sanktionirt wird. — Wäre nun die Aufgabe des Judenthums nur eine intensive gewesen, so konnte bei der Konstituirung des Hohenpriesteramtes stehen geblieben werden; insofern aber seine Extension eins seiner wesentlichen Momente bildet, konnte jene Konstituirung nicht als der Schlußstein seines Gebäudes angesehen, sondern es mußte ihr noch ein anderes Institut als Ergänzung an die Seite gesetzt werden. Dieses geschah durch das Königsthum, dessen IKonstituirung die Verfassung für geeignete Zeiten in Aussicht stellte, und das —- so bald für die I ntension des Judenthums genug geschehen — in den Vordergrund treten sollte^). JnRücksicht nur, daß in Beziehung der fraglichen Ergänzung fast Alles den obwaltenden Umständen der Zukunft anheimgegeben werden mußte, konnte die Art und Weise, wie die Einsetzung des Königsthums in Aussicht gestellt wurde* * 5 6 7 8), nur eine prekäre sein, wie dies in der Lhat schon daraus hervorgeht, daß der Salbung des etwaigen Königs mit keiner Sylbe Erwähnung geschah '), während sie doch in Bezug auf die Creirung des Hohenpriesters zu einer conditio sine qua non gemacht wurde ^). In dem Maaße aber als das Köm'gsthum über das Priesterthum hinauszuragen bestimmt war, durste zu feiner Repräsentation nicht sowohl angeerbte, als vielmehr persönliche Berechtigung qualificiren 9), und zwar schon darum, daß das seiner höhern Berechtigung angekommen, — werden wir weiter unten sehen. — 5) JJjND DH') — Num. 24, 7. — Samuel's Mißfallen war daher nicht gegen den Wunsch nach einem Königsthurn überhaupt, sondern nur gegen die anti-theokratische Absicht gerichtet, die man mit dem bezeichnten Wunsche äußerte: •JJBStP ■j'pd — 1 Sam. 8, 6. — 6) Deut. 17, 14 ff. — 7) Von selbst konnte sich das nicht verstehen, — war ja Moses König, ohne gesalbt worden zu sein. Oeur. 33, 5. Allerdings könnte man sagen, Moses war über menschliche Salbung erhaben, ihn harte Gott selbst gesalbt, sein vom göttlichen Glanze erstrahlendes Antlitz bekundete zur Genüge seine Hoheit und Majestät. Allein der Schlüssel zu unserer Frage ist anderswo zu suchen. Das Princip erkennt nur einen Vertreter an; so lange nun der Hohepriester durch die legitime Salbung hierzu geweihet war, durste natürlich keine anderweitige Salbung vorgenommen werden. Mit Eli hörten aber die gesalbten Hohepriester auf. —> 8) Exod. 29, 7. - 9) Samuel sagt zu Saul: rHDrTPD 'üb TON rvD “|7 N*pn, — worauf dieser bescheiden erwiedert: innSOT bü'lW' 'Ü2V? ’OüpE ' DJN \Wp N^u 'Dl m'J/Su “ 1 Sam. 9, 20. 21. — Köm'gsthum die individuelle Berechtigung zu einer weit höhern Geltung bringen sollte, als es das Priesterthum vermochtelö)* Aber eben aus demselben Grunde mußte der König auf eine weit prägnantere Weise als der Hohepriester an die Relativität der durch ihn repräsenlirten Berechtigung erinnert werden n); denn ihn blos als dem Bedürfnis; der Entsündigung unterworfen zu erklären, würde um so weniger genügt haben, als er ja vermöge der ihm zustehenden Gnade ia) über die Positivität des Gesetzes erhaben scheinen mußte. Nur eine seinem inhaltsschweren und einer Mißdeutung leicht unterworfenen Namen 'n wagehaltende Bezeichnung, die keinen weitern Mißverstand zuließe, konnte geeignet sein, dem König seine wahre Stellung zwischen Gott und Volk in steter Erinnerung zu halten; — und so war die Benennung 'n "Dy von selbst gegeben. — 'n fTTO und 'n sind demnach die beiden Pole, zwischen denen die Aufgabe des Königsthums in Israel sich bewegt, und es wird nun an uns sein, diese für unfern Gegenstand überaus wichtigen Namen historisch zu beleuchten.'— (Fortsetzung folgt.) 10) .Wenn vom Hohenpriester gesagt wird: pp 13 vby nn^D (Lev. 21, 12), so heißt es auch vom Nasir: by TWN *0 (Num. 6, 7); dabei lesen wir nirgends, daß Gott vom Hohenpriester gesagt: irTOD, während der König von vornherein dieser Benennung sich erfreut; noch mehr, als dem Eli der Untergang seines Geschlechts prophezeit wird, wird zugleich die nunmehrige Unterordnung des Priesterthums überhaupt ausgesprochen. Denn von dem neuen Priestergeschlecht, das an die Stelle von dem des Eli treten soll, wird gesagt: crm"H?D 'WO "jbnnm — 1 Sam. 2, 35. Hier wird ein Gesalbter höhern Ranges verkündet, der auf eine erhabenere Weise die Majestät Israeli repräsentiren wird, und dem auch das Priesterthum untergeordnet sein soll (dies bedeutet ^b "j^nnn; vergl. Genes. 17, 1). — Und wir finden nirgends, daß das Priesterthum sich jemals wieder über das Königsthum erhoben. Die Makkabäer glänzten als Könige, nicht als Priester. Und heißt es ja in unserer Stelle ausdrücklich: DWT"^3. — 11) Das Verfahren Samuel 's gegen Saul giebt einen schlagenden Beweis, wie auch hier das Princip aus Kosten jedes persönlichen Interesses aufrecht gehalten wurde: Eli, Samuel und Saul sehen wir nacheinander dem Interesse der Totalität aufgeopsert. — In Bezug auf die Erwählung Saul's dürste es der gmauern Beachtung werth sein, daß Gott zu Samuel sagt: inniFBl, nicht “pob; wie ganz anders aber lauten die Worte Gottes, mit denen Er den Samuel zu Isar nach Betlehem schickt: n V02D — Wer faßt das hier nicht in dem Sinne von auf? — Und als erst David erscheint — wie erhebend lautet da der Zuruf Gottes an Samuel: Dip Nlu Hl *0 ' inriE/D „Auf, salbe ihn! denn der ist es". — Ja, der ist es, der Israel verherrlicht; der ist es, auf dem die Verheißung ruht; der ist es, und der wird es ewig bleiben! D'pl n *]bü "in. — 12) Der König übte Gnade, indem er lebte, der Hohepriester — indem er starb. Num. 35, 28. — 18