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Der Orient · 1845-04-30 · Heft 18 (30.4.1845) · p. Seite 140

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 18 (30.4.1845)
Date
1845-04-30
Page
Seite 140 (sequence 7)
Language
German
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140 neu letztem und spätem Jahren, auf-alle seine Mitbrüder aus der Nahe, und Ferne anwendbar, so haben ihm von 'frühem Zeiten her , insonders die Juden Böhmens so manche Aufhebung und Anuullirnng eines schwer drückenden Ediktes wie so manches erleichternde heilsame Privilegium zu verdanken. Noch in den letzten Jahren, war er c§ einzig und allein, der ans eigenem Antriebe, nur die Abänderung der bestehenden schmählichen und mittelalterlichen jüdischen Eidesformel, .bei der allerhöchsten Negierung, mit aller Energie einer jugendlichen Willenskraft einschritt und unmnüdet dafür arbeitete. So stand er immer, ein rüstiger. Kämpfer Gottes da, wo cs die alterthumliche Schmach seines Volkes abzuwaschen und dessen Glanz und Würde und. Heil zu heben galt. Geliebt uub - geachtet von seinen: Kaiser weil. Se. Maj.v Franz I., welcher ihm in Berücksichtigung seiner .Verdienste den österreichischen Adelstand huldreich verliehen, nannte ein Prinz (Anton) von Sachsen, in mehren eigenhändigen Schreiben, die den Geist einer seltenen Traulichkeit athmen, seinen ,,wahren und aufrichtigen Freund", und hatte er die Ehre, daß der große Göthe bei seiner Anwesenheit in. Karlsbad ein Frühstück bei ihm cinnahm, wahrend der edle Verblichene, auf seiner Reise durch Weimar, eine Nacht im Hause des unsterblichen S ch il l e x zubrachte. Im strengsten Sinne des Wortes religiös und wie natürlich der alten Zeit angehörend , aus welcher er herüber ragte, huldigte er dennoch dem neuen Kultus, trug zur Begründung des hiesigen Bethanfes den Anforderungen gemäß, bei, die man an ihn zu stellen berechtigt war und wie es seiner Stellung in der Gesellschaft wie in der Gemeinde entsprach. Was seine Wohlthätigkeit betrifft, so verließ kein armer Hilfebedürftiger ihn ohne Gabe, ja manchmal, wo er die Bedrängnisse und das Elend des Bittstellers hart, unverdient und u n v e r sch u ldet fand, war seine Spende groß und fürstlich. Als die edelste Perle seiner Tugenden und als den schönsten Zug, der den Adel seines Herzerls und seiner Seele bekundete, müssen wir es auführen: daß er Gelehrsamkeit ,' Wissen, Kunst und Bildung auf auszeichnende Weise zu schätzen 'und zu würdigen wußte und strebte, insonders wo er sie mit echter Religiösität und Frömmigkeit verbunden fand. Es ist dies ein edler seltener Zug, der unter allen hiesigen Großen beinahe ihn einzig und allein schmückte und in diesem Bezüge ist sein Verlust unersetzlich! Sein Haus war b e i n a h e das einzige hier, wo jeder jüdische Gelehrte, Schriftsteller und Künstler mit auszeichnender Freundlichkeit empfangen llnd mit genügender Unterstützung entlassen wurde; und es werde:: wenige Gelehrte, Schriftsteller, Rabbinen von Namen und Bedeutung und Künstler auch nur kurze Zeit in Wien gewesen sein, die nicht ein oder mehre Male von ihn: zur Tafel gezogen worden wären. Da kümmerte cs ihn sehr wenig, wenn auch an jenen Tagen Grafen oder Fürsten bei der Tafel anwesend waren uni) der gelehrte jüdische Gast — wie dies leid er gewöhnlich —-- in einem alten Rocke dasaß; das freundliche Wort ward so lange und so aufmunternd an den Schüchternen gerichtet, bis er gesprächig wurde, und vergnügt die Tafel verließ, an die er sich nur zitternd setzte. Es ist dies in unserer Zeit, wo man sich, größtcntheils aus Jndifferentismus, des armen jüdischen Gelehrten — so er nicht mit glattfrisirtem Haar und als moderner stundenweit von Pomade riechender Galanton erscheint — leider schämt, wo sich selbst jene seiner schämen, die selbst, als namhafte Literaten dastehen und hierfür zu gelten Anspruch-machen, die die frömmsten Wünsche für ihr Volk affektiren, die aber nicht bedenken, daß daS freundliche Ansichziehen jüdischer Gelehrte:: und Literaten, das erste ist, wodurch sie ihre Theilnähme für ihr Volk und ihre literarische Stellung bewähren und beurkunden! — in einer solchen Zeit, wo man den armen Gelehrten, wenn's hoch kommt, mit einer kleinen Spende und der Entschuldigung, daß mau keine Zeit habe, abfertiget, ist dies ein nie genug hervorznhebender rühmlicher Zug — und in dieser Beziehung ist der Verlust dieses edeln Mannes leider — unersetzlich! ■— So ist nun wieder ein großer und Edler aus dem Kreise Israels geschieden, der "wie' ein Vater das Heil der Gcsammtheit seines Volkes im Osten und Westen im Herzen trug, der 'bei seiner Bedrängniß weinte, bei dessen Triumphe frohlockte, der seine Ehre und seinen Stolz darein setzte, Jude zu sein, und im edelsten weltumfassendsten Sinne es auch war! — Mögen die rückgebliebenen vom Glücke begabten und hochgestellten jünger:: Männern hier, sich ihn zum Vorbilde wählen und ihm nachahmen, um seinem und ihrem Volke das zu ersetzen, was es in ihm verlor! Möge sein einziger edler Sohn, Herr Leopold Edl. v. L ä m e (, der nebst den Glncksgütern und dem Ansehen, die sein edler Vater auf ihn vererbte, sich selbst schon einen ehren- und bedeutungsvollen Namen errang, im Geist Und Sinne seines lange unvergeßlichen Vaters fortwirken, leben und wirken für das Wohl und Heil seiner Mitbrüder wie er; ihr Geschick zu dem Seinen machen wie er und — es ist dies das schönste Denkmal, das er ihn: setzen kann. — Feierlich fand am 21. d. M. das Leichenbegängniß statt; und ergreifend und eindringlich nnd rührend war die herrliche Rede Mannheimers, unsres gefeierten Predigers, in welcher er die weltbekannten Verdienste und Tugenden des edlen Verblichenen auseinander setzte und mit aller ihm eigenen Macht der Rede den: zahlreichen Auditorium, worunter keiner der Vornehmen Wiens fehlte, vor das Auge führte. — Segen dem Angedenken des Edeln und Friede seiner ätsche! —-

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