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Der Orient · 1845-04-30 · Heft 18 (30.4.1845) · p. Seite 139

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 18 (30.4.1845)
Date
1845-04-30
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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139 eö glauben, da Sie als heiliger Mann sonst danach gehandelt hätten — dann werde ich Ihnen einen unwissenden Schuljungen hinstellen, der Sie beschämen möge, und wenn Sie dies nicht bessert, dann lieber Hr. H. sage ich Ihren Spruch r „Ihr Verstand ist verfinstert". Amen. — Sie sehen Hr. H. ich habe Sie, wie Sie es wünschen, mit Wissenschaft und Würde, wie solche Ihnen gegenüber geeignet, heranSgefordert. — „Erwachen Sie denn zu dem neuen Leben", das Sie verheißen, und kommen Sie endlich zu dem Bewußtsein, daß Ihre Thätigkeit bei Vernünftigen keinen Anklang finden kann. A.— Vom Neck'eru, 12. April. Die Nr. 9 des Orients enthält einen Artikel über isr. Lesevereine tut Allgemeinen und über den zu Heilbronn insbesondere, der einer Berichtigung bedarf. Wenn dem Institute der Vorwurf gemacht wird, daß er seine Mission nicht erfülle, weit es nicht volksthümtich geworden ist, so trifft er weniger das Institut als unsere Literatur. So lange diese dem Volke seine Zeena u-reöna, seinen Sünchat Nefejch, seinen Kab ha- Jascher nicht zu ersetzen vermag, wird sie nicht Eingang bei ihm finden. Werke, wie das Leben Jesu von Strauß wurden nicht von dem gegenwärtigen Vorstande des Lesevereins zu Heilbronn, dem Herrn Rechtskonsulenten Dr. Kallmann , angeschafft; die Anschaffung neuer Werke war früher dem Vorstande elftem, überlassen; jetzt wurde eine Kommission ernannt, durch welche möglichst die einzelnen Bestandtheile der Gesellschaft vertreten sind, deren Bestimmung erst eingeholt werden muß. Bei den halbjährlichen Generalversammlungen wissenschaftliche Vorträge zu halten, während nur wenige Mitglieder des Vereins mehr als einen Tag, der zur Hälfte von der Hin- und Herreise absorbirt wird, opfern können, während diese kurze Zeit kaum hinrcicht, die Beschwerden und Streitigkeiten über die Priorität in der Cirkulation und die Auswahl in der Anschaffung der Zeitschriften re. zu erledigen, einen Ueberblick über den materiellen und geistigen Stand der Gesellschaft zu geben — das gehört zu den frommen Wünschen, die sich überall schöner, als in der Wirklichkeit darstellen. Früher, als die Gesellschaft noch größtentheils aus Lehrern bestand, deren Vorstand der Rabbiner war, fanden freilich öfters Versammlungen zu Heilbronn statt, die aber eben deswegen, weil ste zu häufig vorkamen, einen andern als dem Zwecke der Gesellschaft entsprechenden, annahmen. Der jetzige Vorstand, Herr Dr. Kallmann, hat sie auf 2 reducirt und den Ort der Versammlung nach Sontheim verlegt, wo ein einfaches heiteres Mahl die Mitglieder des Vereins auch im Leben näher bringen soll, wo man sich in Reden und Toasten, zu begeistern sucht für das, was so heiß ersehnt und so schwer errungen wird— für ein geistig und bürgerlich freies Jndenthum. Berlin, 14. April. (Literarische und politische Notizen über Preußen.) Am 7. April ist die vielbesprochene jüdische Knabenschule des Herrn A. Horwitz zu Berlin eingeweiht worden. Zu dem Vorstande derselben gehören der Rabbinatsaffeffor Dr. Sachs (der auch die Eröffnungsrede hielt) und der Buchhändler Dr. M. Veit. — Dr. S. S tern hat nun auch seine am 15. März gehaltene Vorlesung: „Ueber die Stellungdes Judenthums und der Juden im preußischen Skaate" (Berliner Lesekabinet, 1845, 8 Sgr.) veröffentlicht. — Aus Westphalen meldet der Rheinische Beobachter, der Landtag zu Münster habe am 3. April den Antrag auf Emaneipation der Juden mit allen gegen 16 Stimmen verworfen. Also in Münster gerade so. viel Stimmen für die Juden, wie in Koblenz die Minorität gegen sie betrug. Von den Vertretern der Provinz Westphalen ließ sich übrigens bei dem Vorherrschen des katholischen Ultramontanismus im Münsterlandc und des (un-)protestantischen Pietismus im Mindenschen nichts besseres erwarten. Taut pis pour eux. Merkt denn der westphälische Landtag nicht, daß er sich selbst kompromittirt, wenn er neben seinen 7 Kollegen allein die Principien des Rechtes und der Humanität verläugnet. Wenigstens scheint uns in seinem Votum kein Grund dafür zu liegen, daß die Regierung gerade seine Ansicht billigen und die der Mehrheit in den 7 andern Provinzen unbeachtet lassen sollte. — Die Zahl der Berliner Reformer, zu denen auch 2 Doktoren Behrend, ferner die Herren Simion und die Doktoren Bergson, Posuer, Breßler, Waldeck' 86n., Scheitzer, Kornfeld re. gehören, wird bald auf 28, bald auf 30, bald auf 43 angegeben. Oesterreich. Wien, 19. April. Freitag am 18. d. M. zwischen 3 — 4 Uhr starb hier nach langwieriger Kränklichkeit in. seinem 80. Lebensjahre, der k. k. privilegirte Großhändler Herr Simon Edler von Leimet. Mit ihm ward wieder ein edler thatenreicher -Ast von dem Stamme der leider immer seltener werdenden alten Edetn in Israel, aus dem Kranze der Gemeinde, deren vorzügliche Zierde er war, gebrochen. Es war dies ein Mann, in dessen Brust die heilige Oriflamme für seinen Gott, sein Volk und seinen Glauben glühend loderte, der niit dem frommen Eifer eines geweiheten Priesters, mit den Waffen ausgebrciteter Konnexionen ausgerüstet und, auSgestattet mit dem Glanze der Autorität, die seine Verdienste um den Staat, in den Zeiten der Gefahr und des Krieges, ihm errangen und begründeten, für Alles in die Schranke trat, wo es die Förderung des Heiles seiner Mitbrüder galt. Wenn dieses in sei- 18 *

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