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Der Orient · 1845-04-30 · Heft 18 (30.4.1845) · p. Seite 138

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 18 (30.4.1845)
Date
1845-04-30
Page
Seite 138 (sequence 3)
Language
German
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138 den in Düsseldorf im Jahre 1843 gefaßten Beschluß! zu erneuern und abermals der vollen Emaneipation der Juden das Wort zu reden. Die Rheinländer haben in der That die Sache von dem rechten Gesichtspunkte/ dem der Rechtsgleichheit , aufzufassen verstanden. Auch ohne die in großer Zahl eingegangenen Petitionen wäre das Resultat der Verhandlung gewiß dasselbe gewesen. Der Antrag auf Abschaffung des (seitdem aufgehobenen) napoleonischen Wucherdekrets ward fast einstimmig, der auf uneingeschränkte Gleichstellung mit.58 gegen 16 Stimmen zum Beschlüsse erhoben. Die Köln. Zeitung vom 7. April liefert in einer besonder» Beilage die darüber gepflogene Diskussion. — Was wird nun die Regierung thun? Wir hoffen, daß sie die Gelegenheit benutzen wird, um eben so liberal wie die rheiupreußischen Stände zu handeln, und so die der östlichen Provinzen zu übertreffen. Denn ihr muß ja an: meisten daran liegen, daß die Mannigfaltigkeit der Judenordnungen und die Nothwendigkeit des Controlirens und Vietregierens aufhört. —- Endlich haben 28 (nach Andern 43) Berliner Juden einen Aufruf an ihre deutschen Glaubensbrnder erlassen, in welchem der Antrag auf die Zusammenberufung einer Synode zu Reformzwecken gestellt wird. — Ihre Thesen sind mit bcucn des Frankfurter Reformvereins fast gleichlautend, Zu bat Unterzeichnern gehören u. A. auch Dr. S. Stern, Buchhändler Carl Heymann, L.,Lesser, I. N. Friedländer, Rebenstcin und Dr. Wehrend. E.- C. Stettin- 20. April. (Offenes Schreiben an den ordinirten Pastor und Missionär Hartmann.) Endlich Herr Missionär, haben Sie das Priestergewand abgestreift, unter welchen: Sie sich versteckt gehalten. Sie fletschen die Zahne; —- schön l — Sie schimpfen; — noch besser! — An: ergötzlichsten aber ist ohnmächtiges Wüthen, Ihr Angriff auf den,,Orient" in Nr. 4 Ihres Dibre emeth. — Da stehen Sie nun, Hr. Hartmann, recht in Ihrer nackten Wirklichkeit, und wüßten Sie, wie wohl Ihnen dies ansteht, Sie hätten sich nie hinausgewagt auf ein fremdes Gebiet, das Sie vielleicht nicht kennen, Sie hätten sich nie auf Beleuchtungen rabbinischer Reden, nie aus triviale Definitionen über adonai eehad, über Gott u. m. dgl. eingelassen. — Jetzt geben Sie sich einmal ganz wie Sie sind; Sie haben den Nimbus der erheuchelten Heiligkeit von sich geworfen, und stehen da, um zu schimpfen. — Noch mehr muß ich Sie aber bewundern, Hr. Hartmann; nur weiß ich nicht recht, ob ich dies Ihrem Gedächtnisse zollen soll, daß Sie ein Referat vom 20. März 1843 noch jetzt eitiren; oder Ihrem Scharfsinne, daß Sie ein Jahr über dessen Beantwortung gebrütet; oder endlich Ihrem Naturtriebe, daß Sie — dem Rosse gleich — erst zwölf Monate nach der Empfängniß werfen. — Wir kennen uns bereits Hr. H. und rein im Vertrauen aus diese unsre Bekanntschaft wage ich es, freimüthig und Ihnen verständlich zu sprechen. —- Sie haben endlich geworfen. Ihr Dibre emeth Nr. 4 bringt's: ,,der Orient ein Lügenblatt" unb diesem Titel folgen fast acht Seiten. Es ist zum Staunen, acht Seiten um den Orient ein Lügenblatt zu nennen! Es muß Ihnen schwer geworden sein, das Werfen, Hr. H., acht Seiten eines Lngenblattes willen, es sind die Wehen, die fluchbeladenen Schmerzenslaute des Gebärerls, Sie keuchen am Schluffe so sehr. Hätte ich den ganzen Inhalt Ihres bisher erschienenen Dibre emeth, hätte ich alle Handlungen Ihres ganzer: Lebens zusammenzustellen, acht Seiten — wahrlich ich könnte sie nicht schaffen! — Daß Sie durch den Wahlspruch „der Orient ein Lügenblatt" mich zu der -irrigen Meinung verleiteten, als lei darin nächst einem verletzenden Angriffe, irr der Ausführung auch eine gegründete Bestätigung der Ueberschrift enthalten. — Letzteres ist durchaus unwahr, Sie sehen, ich schäme mich nicht öffentlich zu widerrufen, was ich geheim gedacht. Denn von jenen acht Seiten sind dreiviertel pure Citate aus den: Orient in kräftiger, geistesfreier Sprache, von einer Motivirung Ihres Wahlspruchs ater ganz und gar nicht die Rede. — Daß Sie den eit. resp. Referaten des Orients einer: falschen Sinn unterlegen, geschieht in Ihrer harmlosesten Befangenheit, übrigens giebt dies gegründete Vermuthung zu behaupten: daß Sie in Ihr Blatt gern durch fremde Produkte etwas geistiges, gediegenes einflicken möchten. —! „Ich wünsche von ganzem Herzen" — Verzeihung, wieder Ihre Worte — „daß der H err sich bald Ihrer erbarmen und die von Ihnen eitit. Stellen Jer. re. an Ihnen in Erfüllung gehen lassen möge." — Ferner „möge Sie der Herr erleuchten" auf daß Sie für Ihr Blatt eigene geistige Produkte zu liefern im Stande wären, und Ihre Abonnenten nicht mit Citaten abfüttern brauchten, mit Citaten, die wir längst im Orient zu lesen, wie zu würdigen Gelegenheit hatten. — Schließlich erlaube ich mir eine Aufgabe an Sie zu richten, die Sie beantworten müssen. Sie behaupten: „wer nicht so denkt und handelt wie die Berichterstatter des Orients, der wird von diesen gelästert". — Was ist die Tendenz ihres Blattes? Was der Zweck Ihrer Mission? Im Handeln mein lieber Freund, da haben Sie unbedingt den Vorzug, die Frankfurter Meffe liefert Beweise genug. Aber in: Denken — doch zur Sache. In Ihrem Dibre emeth behaupten Sic: „Israels Verstand ist verfinstert". — „Israels lernen und verstehen ist Sündlein" re. „Sie wollen Israel lehren" :c. Liegt nicht in dieser Ihrer Aufstellung gerade das Gehässige, das Sie jenen Vorhalten! Giebt cs wohl anmaßenderes, rationellen Männern zuzuniuthen, ganz wie Sie zu denken , wenn jene sich nicht Ihrem Schimpfen aussetzen wollen! — Wenn Sie die Bibel verstehen, so nennen Sie nur den Vers, der hierbei auf Sie Anwendung findet. Können Sie dies aber nicht, und ich muß

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