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Der Orient · 1845-04-23 · 17 (23.4.1845) · p. Spalte 267-268

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
17 (23.4.1845)
Date
1845-04-23
Page
Spalte 267-268 (sequence 6)
Language
German
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367 Studien. Literarische Analekten. 268 in der A. Z. d. I. (1844. No. 43.) leicht hätte ersehen können. — Daß er übrigens den letztern. Bericht auch bereits gekannt haben muß, geht aus einer Anmerkung hervor, wo er sagt, daß, wenn die Listen in der Weise, wie ich-sie selbst (A. Z. d I. No. 43.) vorschriebe, mit Sorgfalt geführt würden, diese Einrichtung keineswegs unwichrig erscheinen möchte. Wenn ihm aber trotzdem die Absicht des Antrags aus den Protokollen nicht klar wurde, so trifft die Schuld hier nicht so wohl den Antragssteller als den Protokollführer; obgleich wir diesem selbst, und mit uns gewiß alle Diejenigen, die das precäre Amt eines Protokollführers aus eigener Erfahrung kennen, durchaus die Verantwortung, wie bereits Viele, unter Andern auch unser kritischer Verf., es gethan haben, nicht aufzubürden gemeint sind, welche einzig und allein aus dem Mangel eines Stenographen immer hervorgehen wird. Daß ich aber meinen Antrag in dem an Dr. PhiLippson gerichteten Schreiben vollständig motivirt habe, daß der Letztere die Motive gewiß der Rabbinerversammlung vorgetragen haben wird, ehe diese meinen Antrag zu ihrem Beschluß erhoben hat, und daß der Protokollführer die Motivirung ganz weggelaffen und blos den nakten Inhalt des Antrages angab, das wird jeder bei Durchlesung der betreffenden Stellen in den Protokollen leicht erblicken. Was aber den zweiten Vorwurf oben anbelangt, daß man nicht einsehe, wohin der Beschluß der R. V. führen werde, ein Vorwurf, der dem Verf. triftig genug erscheint, in No. 9. des L. B. d. Or. S. 137. den ganzen Antrag als scheinbar todtgeboren zu bezeichnen, so findet er seine vollständige Erledigung in der Bemerkung, daß man in einem Antrag an eine R abbin er Versammlung nicht zugleich einen an den Gemeindevorstand und an den Staat einschließen und richten kann. . So erwünscht eine solche Erleichterung gewesen wäre, die übrigens in ihrer Prozedur an das Sprichwort „von einer Klatsche auf zwei Fliegen" erinnern würde, fo ging es doch diesmal nicht anders an. Ueberdies sind in vielen Gemeinden die Rabbinen, wenn auch nicht immer die Mohelim, für die eigentlich die Beschneidungslisten officiell entworfen sind, so doch gewiß bei dieser feierlichen Operation mit irgend einem andern Amte (Sandek, Gevatter) betraut, oder nehmen von jeder Beschneidung in ihrer Gemeinde, namentlich wenn sie anomal verläuft, doch so viel Notiz, als zu Ausfüllung der Rubriken in den Beschneidungslisten erforderlich ist. In diesem Falle bilden also die Rabbinen die passendsten Organe, welche diese Listen mittheilen können. Erwünschter wäre es freilich, wenn die Herrn Mohelim selbst, namentlich an den Orten, wo sie, wie dieses in Hamburg statt' findet,, eine eigene mit Statuten versehene Korporation bilden, diese Listen führen und von Zeit zu Zeit entweder an die Redaktionen der jüdischen Blätter, oder direkt an mich hi eh er einsenden wollten, um am Schluffe eines jeden Jahres durch die Zusammenstellung einer, auf diesem Wege gewonnenen, möglichst umfangreichen stastistischen und numerischen Tabelle zur klaren Einsicht an Gewißheit über so viele in diesem Thema noch unentschiedenen und zweifelhaften Punkte gelangen zu können, wie namentlich über die, von der einen Seite behauptete und von der andern Seite negirte Gefahrlosigkeit der Operation, über die zweckmäßigste Operationsmethode, über die besten Blutstillungsmittel re., Punkte und Streitfragen., die im Interesse der Gesundheit und des Lebens beim kindlichen Alter, so wie in dem der Wiffenschaft und der Operation selbst, nur auf dem oben bezeichneten Wege zu entscheiden und über dieselben Gewißheit zu erlangen sein dürfte. Merkwürdig genug hat ein anderer Korrespondent (vrgl. Israelit des 19. Iahrh. vom 15. Oct. 1844. Korrespondenz aus Frankfurt a. M.) die Beschneidungslisten auf eine entgegengesetzte Weise verdächtigen wollen. Derselbe wundert sich auch über meinen Antrag und findet ihn ebenfalls überflüssig, aber nicht aus dem Grunde, wie unser kritischer Verf. ihn angiebt, weil die Rabbinen demselben nicht werden Genüge zu leisten im Stande sein, sondern, weil er in der beschlossenen Führung von Beschneidungslisten ein neues hierarchisches Mittel in den Händen der Rabbinen erblicken will, durch welches der Weschneidungszwang in der Gemeinde von ihnen ausgeübt werden kann. In diesem Argwohn muß man nur das feine Talent der Hierarchie-witternden Spürnase bewundern. Was haben denn die Beschneidungslisten mit der Gewissensfreiheit der Gememdemitglieder zu schaffen? Wird denn etwa der Vater eines Knaben, der unbeschnitten geblieben ist, dadurch, daß dieser vom Rabbinen natürlich in diese Liste nicht eingetragen wird, irgendwie sich veranlaßt finden, von seinem Grundsätze abzuweichen und den Ausfall des Kindes in der Liste als einen Bannstrahl fürchten? Oder stehen dem Rabbinen, wenn sie die unbeschnitten gebliebenen Knaben werden kennen und controlliren wollen, nicht andere Mittel zu Diensten, als diese negativen des Nichtverzeichnens in der Liste? Gewiß wird Niemand diese chimärischen Befürchtungen des Korrespondenten im Ernst zu theilen gesonnen sein. Was man aus dem Voranstehenden lern r ist die Bewahrheitung des Satzes, daß „das, was nicht durch das Feuer der Kritik gegangen ist, nicht in die neue Welt eingehen wird, die nahe herbergekommen ist." Denn selbst das unschuldige Institut der jungen, noch nicht einmal ins Leben getretenen Beschneidungslisten, hat schon von zwei Seiten, rechts und links seine Widersacher gefunden, wie wir eben sahen. Hoffen wir aber, daß mit diesen Gegnern ihm zugleich auch wieder neue Freunde, deren es noch sehr bedarf, zufallen werden, welche es, da es um durch „das Feuer der Kritik, ja sogar durch das Doppelfeuer derselben gegangen ist, nunmehr auch in die neue Welt einführen werden, die nahe herbeigekommen ist." Dr. Bergson, Arzt in Berlin. l

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