Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 17 (23.4.1845)
- Date
- 1845-04-23
- Page
- Spalte 259-260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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359 Kritiken. Kurze Anzeigen. Kern, und pfleget sein/und heget sein , bis daß da reifet die Frucht, bis das da gekommen der Lag von dem' gesprochen, es falle die Schaale,, und der Kern liege frei und offen vor allen Menschen, auf daß daran sich erhebe ihr Blick, und ihr Herz sich erfreue, und ihre Augen aufgehen, und sie sich erkennen im Lichte des Herrn. — Und Israel trat seine Wanderschaft an, die große Wanderschaft durch die Wüste der Geschichte. Und wie die Schrift erzählt, daß „die Kleider unserer Ahnen alt wohl geworden aber nicht zerrissen", also ist auch unser Priester-Gewand alt wohl geworden aber nicht beflecket; denn treu haben wir gewahrt das Feuer, das Wort gelehret und -getragen. Tragen war unser Beruf, und wir haben getragen, viel getragen. Denn ist es naturgemäß, daß gegen das Licht die Finsterniß, gegen die Wahrheit die Lüge, gegen die Erkenntnis; Wahn und Vorurtheil sich erheben — so kann der Mensch, wenn er mit gutem Willen das empfängt, was guter Wille ihm bietet, den Ernst seiner Meinung, die Kraft seines Streben^ die Entschiedenheit seiner That in die Wagschaale werfend, der Wahrheit den Sieg verschaffen und die Ehre. — Kurze und traurige Wahl hatte Israel: Abfall oder Schwert, Untreue oder Feuer, Meineid oder Hentert od — und das Ende vieler Millionen, deren Letzter Seufzer ^riN 'n lKÄw.'n hiDW'-yow vor den Thron des Allmächtigen getragen, zeugt für Israel und seine Treue; denn trotz Sturm und Gewitter, trotz Haß und Verfolgung, trotz Noth und Tod, wir bangten nicht. „So war Israel fremd auf Erden. — Scheu wie ein gehetztes.Wild floh es durch die Geschichte, sonder Rast und Ruhe , aber sein Panier hat es nimmer verloren, aber seine Fahne hat es nimmer verlassen, treu hat es gehalten an seinem Glauben, treu an seinem Gott — denn in ihm lebte die Ueberzeugung, daß es im Dienste seines Gottes lebe und leide, daß es jetzt wohl fremd, dereinst aber heimisch werden würde. Die Völker sprengten die Ketten des Geistes und des Leibes, errangen sich das Bewußtsein des Menschenwerthes und das Recht, und erkannten jetzt schaudernd, was sie gethan an Israel, und gelobten Sühne für das Vergangene: Theilen sollten sie mit ihnen Recht und Pflicht, genießen mit ihnen die Erde und ihre Freudendenn wahrlich, nur der Unfreie, niedrig Denkende, der Sklave will wieder drängen - der freie, edle Mensch, das Volk, das seine Kraft erkannt und erprobt, kann sich nimmer gefallen, ein schwaches Häufchen zu unterdrücken. Und das Wort ist in Erfüllung gegangen, von Zion aus hat Israel getragen das Feuer und verbreitet die Lehre über die Erde, und tritt nun, aller Vorrechte sich begebend, der Erkorenen und der Priester, zurück in die Reihe der Völker und Nationen, Mensch zu sein mit Menschen, und spricht: .mv b un ÜDü$) OJN; :mm U Fremd bin ich und einheimisch, gebt mir Besitz! 260 ÖJN "U Fremd bin ich, und es schlägt in der Brust des Menschen etwas für den Fremden, wei l er fremd ist und verlassen. “)JI Fremd bin ich, müde von der langen Wanderschaft und matt: Wer möchte so hart sein, dem Hungernden das Brod versagen, dem Dürstenden den Trunk, dem Müden die Ruhe? —- Wir hungern und dürsten, „nicht nach Brod und nicht nach Wasser," unser Gemüth hungert nach Vertrauen, unser Herz dürstet nach Liebe. Mitleid, Dank und Liebe unterstützen meine Bitte mnN *>b üa Oder wie, kennt ihr mich nimmer, weil ich gewacht, während ihr schliefet, um zu hüten das Feuer bei der Nacht? Wohlan! l'ch bin auch heimisch unter euch. Wenn überhaupt das Recht des Besitzes abhä'ngt von der Zeit des Besitzes .... ei so sagt mir, wer lebt denn länger auf Erden als wir? Wer hat mehr mit ihren Schollen seinen Schweiß vermischt und sein Blut als Israel? Wer kann mehr Lieben die Erde, die Zeugin so vieler Thaten und Leiden, die so Theures und Liebes von uns besitzt, und in ihrem Schooße birgt?! — Haben wir diesen Anspruch durch die Vergangenheit so bringen wir der Gegenwart unser Leben, der Zukunft unsere Kraft. „Gebt mir Besitz bei euch „Bei euch" sagt unser Text; und nicht von euch. Nicht weniger sollt ihr haben, sondern „um vollen Werth." Herz um Herz, Liebe um Vertrauen, Rechte um P fl ich t e n. Doch was will Israel mit diesem Besitz, was soll uns dies Eigenthum? Hören wir unfern Text weiter: TlD »TDpJO unfern Todten wollen wir begraben .... unfern Todten, nein, unser Todtes wollen wir begraben. O, daß meine Stimme ertönte wie der Donner Gottes durch die Wüste, auf daß ich allen Völkern der Erde zurufen könnte: „Nahe ist der Tag des Herrn, kommt herbei ihr Bewohner vom Mittag und von Mitternacht, von wannen die Sonne aufgeht und wo sie niedersteigt" — kommt herbei ihr Kinder der Erde, und begrabet mit uns was todt ist. Wir begraben die Vergangenheit und ihre Leiden, und ihr bitteres Gedenken — leget ihr dazu die todten Reste trüber Verhältnisse, leget dazu Vorurth eil und Wahn, Neid und Mißgunst, Haß und Verfolgung. Nicht daß wir mit dem. Eintritt in die Reihe der Völker von dem heiligen Wesen unseres Glaubens etwas lassen wollten —- dies sei ferne! — „Das Todte wollen wir begraben" — die Zeit nehme dahin, was sie gebracht, dahin was ihr gehört — Formen und Verhältnisse, die sie geschaffen und gebildet, die aber mit ihr veraltet sind und morsch geworden. Was gestorben, werde begraben, und eine fromme Erinnerung weihen wir ihm, aber keine Klage... . Und über dem Grabe reichen sich Is-