Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1845)
- Date
- 1845-04-23
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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133 tung. Hub nun ihr frommen Kinder Israels bereitet nur schnell vor weihranchdurchdustete Adressen, werthvolle Geschenke, geweihete, riesige Pffefferkuchen für den Apostel des neuen Zsraelitcnthums -- denn darauf scheint es besonders abgesehen zu sein. — So sehr man aber auch hier, selbst in Kreisen, wo man dem Fortschritte huldigt, von Indignation über eine solche Erklärung erfüllt ist, so scheint man doch von dem richtigen Grundsatz geleitet zu sein, keinen Schritt dagegen zu thun, weil dergleichen Exeentricitäten, die noch dazu edler Motive ermangeln, in der Reget von keiner langen Dauer sind. Darrzig, 15. März. Schon im Oktbr. 1838 ist, bei Gelegenheit der Nachricht von der Einweihung der neuen Synagoge für die MatLenbudner Iudengemeinde Hieselbst, sowohl in diesem Zeirungsblatt, als auch im hiesigen Dampfboot, des Gemeinde-Vorstehers Herrn Itzig Goldstein, als Hauptbegründers dieses prachtvollen Lempelbaues, rühmend Erwähnung geschehen. Die Mitglieder dieser Gemeinde fühlen sich jedoch aus schuldiger Dankbarkeit dringend verpflichtet, noch ein Mehreres und Spezielleres über die Verdienste dieses würdigen Mannes zu veröffentlichen, der Ln rastloser und uneigennütziger LhätigkeiL seinen regen Sinn für Religiosität und geistige Ausbildung seiner Glaubensgenossen, und insbesondere für Wohlthätigkeit gegen Arme und Kranke, durch nachahmungswerthe Beispiele ehrenvoll an den- Lag gelegt hat, wenn gleich die stille Bescheidenheit seines Wirkens auf keine öffentliche Lobpreisung Anspruch macht. In statistisch geschichtlicher Hinsicht schicken wir demzufolge voraus, daß sich bei dieser nach vorhandenen Dokumenten hier ältesten Gemeinde, mehrere rühmenswerthe Vereine gebildet, und die meisten davon nicht nur ihre Entstehung sondern auch die früher bestandenen und in Verfall gerathenen, ihr Wiederaufleben und jetziges Fortblühen, nur dem unermüdeten Eifer des Herrn I. Goldstem für das Gemeinwohl, und seiner Leitung als Vorsteher und Inspieient derselben, zu verdanken haben. Es existiren hier nämlich: 1) Der Krankenverein, eine alte Stiftung, die vor 27 Jahren wieder ins Leben gerufen und während dieser Zeit in verschiedenen Zwischenräumen, in den letzten 6 Jahren dagegen vom Herrn 2. Goldstein als erster Vorsteher treu verwaltet, auch durch seine Fürsorge mit silbernem Geräthe, mit Ausschluß einer Gesetz-Rolle (Sefer Lora) und ein Paar silberne Kle kodesch, welche vom den frühern Vorstehern herstammen, angeschafft, und durch Gründung eines zinsbaren Fonds, den <?r im Stillen zu vbrgrößern bemüht ist, bereichert und für die Folgezeit dauernd wirksam gemacht hat. 2) Der Verein zum ewig brennenden Licht, ebenfalls ein sehr altes, auf Wohlthätigkeit gegründetes Institut, das bei der frühern Verwaltung in Stocken gerathen war, und durch die Bemühungen des Herrn I. Goldstein, welcher das Vorsteher-Amt dabei 12 Jahre verwaltet, wieder in Aufnahme und Ordnung gebracht ist. 3) Der Wohlthätigkeits-Verein zu Unterstützung armer Familien. Diesem Vereine, welcher vor 31 Jahren gegründet wurde, hat Herr I. Goldstein seit jener Zeit als Vorsteher auf eine ruhmoolle Weise Anklang und Aufschwung gegeben, dessen Mitglieder ihm nach 25jähriger Verwaltung zum Beweise ihrer Dankbarkeit, einen silbernen Beiher verehrt und ein Jubel-Mahl veranstaltet haben. 4) Der Verein zum Unterricht armer Kinder, den Herr Goldstein mit Hilfe des Herrn Heimann Fürstenberg vor 19 Jahren zuerst gegründet, und für den er als erster Vorsteher desselben eine Gesetz-Rolle und mehrere silberne Gefäße angeschafft hat, und keine Mühe und Opfer zur Ausrechthaltung desselben spart. 5) Der Verein zur Unterhaltung der Gemeinde-Bibliothek, den auch Herr I. Goldstein neu gestiftet und als erster Vorsteher dabei wirksam gewesen ist, für die Anschaffuug einer nicht unbedeutenden Anzahl von Büchern für die Gemeinde Sorge zu tragen. 6) Der Frauen-Verei n, welchem Herr I. Goldstern ebenfalls als erster Begründer und Inspicient vorsteht, und der den Zweck hat, arme kranke Frauen zu unterstützen und ihnen durch Verabreichung warmer vom Arzte angeordneter Speisen zur Wiedergenesung zu verhelfen; und endlich: 7) Der Verein zur Unterstützung armer Mädchen bei ihrer Verheirathung (HachnasatKalla); auch diesem neuerdings gestifteten Vereine steht Herr I. Goldstein ebenfalls als; erster Vorsteher vor. Rechnet man nun noch, die vielfachen, zum Lheil schwierigen Geschäfte, denen sich Herr I. Goldstein seit vieün Jahren als erster Gemeinde- und Synagogen - Vorsteher, neben Aufopferung seiner eigenen Berufsgeschäste, und Zuschub baarer Geldmittel, so menschenfreundlich unterzogen hat, so kann man ihn nur bewundern und dankend verehren. Bereits 181! (damals war Herr I. Goldstein kaum 20 Jahre alt) begann derselbe bei der Gemeinde wirksam zu sein und mit Erfolg aufzutreten und zwar, wie oben bemerkt ist, bei dem Wohlthätigkeits-Verein; im Jahre 18!4 wurdr Herr I. Goldstein von der Gemeinde zum ersten Vorsteher der Synagoge gewählt, welches Amt derselbe bis 1829 nur in einigen Zwischenräumen niederzulegen Gelegenheit nahm; seit dieser Zeit aber hat er das Amt als erster Vorsteher wieder angenommen und demselben ununterbrochen bis jetzt ruhmvoll vorgestanden, auch während dieser Zeit verschiedene in der Gemeinde entstandene Mißverständnisse, die nach dem Lode des Rabbiners Herrn Rosenstein vorgekommen waren, eben so beseitigt, auch hahin gewirkt, daß die Gemeinde, welche bei dem Antritte seines Vorstcheramtes, keinen Rabbiner hatte, den jetzigen Rabbiner Herrn Munk, hiezu einstimmig wählte; wodurch dann wieder die alte Ordnung eingesührt und fortan geblieben ist. Eben so kann nicht unberührt bleiben, daß Herr I. Goldstein im Jahre 1815 zum Aeltesten der Gemeinde gewählt und von den hohen Behörden dazu bestätigt worden ist. Kommen wir nun noch auf sein herrliches Werk, die Er-