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Der Orient · 1845-04-23 · Heft 17 (23.4.1845) · p. Seite 131

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 17 (23.4.1845)
Date
1845-04-23
Page
Seite 131 (sequence 5)
Language
German
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131 Pommern eine, wenn auch nicht zwei Dritttheile der Versammlung erreichende Majorität die Ansprüche der Juden für begründet erklärte, daß endlich auch Ostpreußen seinen erprobten Liberalismus abermals bewährte. Und — was die Hauptsache ist — Niemand aus dem Volke opponirte. — Doch es ist Zeit, auch von der Regierung zu reden, die endlich ihrerseits ebenfalls Gerechtigkeit üben zu wollen scheint. So ist die neue Gewerbeordnung , mit wenigen Ausnahmen, von der früheren christlichen Exklusivität frei und zu unserer Freude lesen wir,, daß das Ministerium daraus hinweisend, den Bürgermeistern Rheinpreußens den Befehl ertheitt hat, das berüchtigte napoleonische Moralitätspatent fortan außer Kraft zu setzen. Auch die bisher sehr beschränkten , bürgerlichen Rechte der Juden in Neuvorpommern sollen ansehnlich erweitert worden sein. — Bei der Sammlung für die rheinische Provincial-Blinden- Anstalt hat sich nun außer Coblenz, Bonn re. auch die Berliner jüdische Gemeinde mit mehr als 100 (1000?) Thalern betheitigt. —• In der Breslauer großen Synagoge sind die Stellen aus der Liturgie entfernt worden, welche den Wunsch nach einstiger Wiederherstellung des blutigen Opserdienstes ausdrückm. -— Bei der Debatte über die Errichtung eines allgemeinen Landwaisenhauses im Großherzogthum Hessen-Darmstadt kam neulich bei den Ständen der Antrag vor, daß dabei doch auch auf die jüdischen Waisen Rücksicht genommen werden möge, was der Regierungs-Kommissär sogleich versprach, wenn die erforderlichen 2000 fl. bewilligt würden. Leipzig, 16. April. Der Zusammenfluß der jüdischen Meßsremden hat die Idee einer deutsch-jüdischen Kirche auch vielfach in den Kreis der Besprechung gezogen, so ungünstig sonst das Geschäststreiberr in derMesse jeder außer materiellen Besprechung gestimmt ist. Das Programm der Deutsch-Juden wurde hier von einem Meßsremden aus Berlin vertheilt, um Gleichgesinnte anzuwerben und im hiesigen Tempel, dem Filiale des Hamburger, wurde mit Bezug auf diese Erscheinung gepredigt. Als Gegenstück ist in der hiesigen Brodyer-Synagoge die Protestation der fabelhaften 77 Rabbiner gegen die Braunschweiger Rabbinerversanunlung angeschlagen worden. In Bezug auf diese neue Erscheinung erscheint so eben hier eine Karnkatur, worauf der Redakteur des Sabbathblattes mit einem deutsch-katholischen Gesichte anfragt, ob er sein Wocheublättchen nun Sonntag sbtatt nennen solle; der Redakteur des Orient, mit einer Hand die andern Blätter niederhaltend, die Frage aufstellt, ob man sich mit ,,Oecident" begnügen würde, da er sonst geneigt wäre, den Orient auch „Germania" zu taufen. Der Redakteur der Mg. Z. d. I., in der einen Hand die Harfe haltend, und in der andern das Rabbinerdiplom, schaut sich um Hilfe nach oben um; ist jedoch geneigt, wenn man ihm seine Harfe läßt, sein Blatt Atlg. deutsch-jüdische Zeitung zu nennen. Wreschen, 31. März. Unser Geistlicher wirkt still und geräuschlos fort; jedoch haben dessen Opponenten , unter welchen ich die Rabbinen der Umgegend verstanden wissen will, wieder etwas Stoff zur Unterhaltung, oder vielmehr zur Hervorrufung neuer Spaltungen und Zwistigkeiten in nuferer Gemeinde gewonnen. Und hiebei verdienen die Dis-Charaktere zweier Rabbiner, die leider als Koryphäen des Rabbinerthums im Herzogthume dastehen, dem Publikum Ihres vielgelesenenBlattes vorgeführt zu werden: es sind die Rabbiner zu Kempen und Jnowrazlaw. Fast hätte ich den Miloslawer Rabbiner vergessen, der im Bunde der Dritte sein wollte, aber ich will doch nur von den Koryphäen sprechen. In unserer Gemeinde handelte es sich nämlich um die Suspension des ersten Schächters, dem der Korporations- Vorstand seinen gebrochenen Amtseid bei der administrativen Behörde nachgewiesen zu haben glaubt oder hat, und es erfolgte hiernach eie wirkliche Entfernung desselben. Privatim soll dieser Schächter der bestehenden Krupka bedeutenden Abbruch zuznfügen versucht haben, und der Vorstand zeigte es dem Rabbiner an, der demselben dadurch als einen unri '“piy erachtete und dessen DOW (sich stützend auf Jore Dea und sonstige gewichtige spätere Autoritäten als , ]nriN W2 re.) als erklärt. Kaum war das Dekret bekannt, liefen Briefe der genannten Rabbinen ein, die ohne von dem Sachverhättniß weder von dem Vorstande noch von dem hiesigen Rabbinat unterrichtet zu sein, gegen den deutschen Rabbiner entschieden. Ungeachtet der Rabbiner zu Warschau, Hr. Davidsohn, der Entscheidung unseres Rabbiners beipftichtete, so war doch der Brief des Kempner Rabbiner mehr voller Milche und Verleumdungen als Gelehrsamkeit; und der Jnowrazlawer Rabbiner soll sogar bei seiner Durchreise, wo er hier einige Stunden weilte, ein Geflügel von dem in Rede stehenden Schächter haben schlachten lassen, trotzdem er doch neutral bleiben konnte, da bei unserer Gemeinde zur Zeit bereits ein anderer unbescholtener Schächter angestellt war. Dies hat allerdings einen neuen Streit wegen der Schächter üt unserer Gemeinde angeregt. 0 tempora, o mores! wie uueiugedenk der vielen Stellen Pesachun 30 a; Nm Hin am ionN ntod btd , oder Jcbamot 14 a wo co heißt: nod Tny ntt, on Non Toy ton iton w *on? und wird erwidert: ioi, ,Td ntod vb p V'“D iton '-> .nn pdd üwü vn xb ■>r'-n nnnNb ybpo oder, Chullinllga. Sabbat 130, wo erzählt wird: ■>& ja^ro NDiun NB'n 'opb tpn Nown ^b ybpw ton i"n 'npb nein o ,?tö idn Ndl 'iin ntho p ni nnnN rpb ->dn ranoo'n sb 'NON :c. verdienen solche Stellen keine Beherzigung? Frankfurt a. M., 14. April. Zur Deckung der BanSostelr zu einer Synagoge in unserer Stadt, 17 *

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