Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1845)
- Date
- 1845-04-16
- Page
- Seite 128 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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128 nicht tni Auslände einem falschen UrLheile den Weg zu' bahnen, oder vielmehr einem schon verbreiteten UrLheile zu begegnen, könnet: wir aus bester Duelle versichern, daß die Neo logie keineswegs die Hauptursache dieser Removirung Neubürger's war. Es soll mehr die Persönlichkeit, als das System dieses Rabbirien, Gegenstand der Anklage gewesen sein. Uebrigens ist es merkwürdig, daß Neubürger der einzige Rabbiner in Baiern war, welcher nicht durch die Wahl der Gemeinde, sondern durch Protection und Beschluß der Regierung seine Stelle erhielt, und die Regierung gebrauchte bei der Anklage "gegen diesen Rabbiner gerade diesen Umstand als Motiv oder Vorwand, weshalb Ln dem Distrikte eine abermalige Wahl ausgeschrieben werden sollte. Mag dieses Faktum der Regierung als Lehre dienen, in die freie Wahl der Gemeinden nicht einzugreifen, und mögen die Kandidaten die Lehre unserer Weisen beherzigen, sich nicht durch die Amtsgewalt der Behörde gegen den Willen der Gemeinde in das Lehramt einsetzen zu lassen! — An Bupgkundstadt ist schon seit einigen Monaten der Kandidat Lxaub als Rabbiner gewählt, jedoch noch nicht bestätigt. -- Zn Altenkundstadt ist Vorsänger Ochs, welcher mehrere Lieder vom Rabbiner Stein in Musik setzte, in der Blüthe des Lebens gestorben. Sollten Nachrichten dieser Art nur für die nächste Umgebung Werth haben, so wird nicht ohne allgemeines Interesse, hier mit Unwillen, dort mit Jubel, gelesen werden, daß mehrere Rabbiner aus dem Kreise Schwaben auch Einige aus Mittelfranken sollen sich der Bitte angeschlossen haben — bei dem Ministerium das Gesuch gestellt haben, die Lheilnahme an der Rabbiner- oder Synagogen-Versammlung, wenn man letztern Namen vorziehet, zu untersagen. Was sagen Sie zu diesem Schwabenstreiche? Mögen den Strengorthodoxen die Resultate oder die Verhandlungen der ersten Rabbiner-Versmmlung mit Recht nicht zugesagt haben, kann selbst von der mäßig vermittelnden Ansicht Manches nicht gut geheißen werden: so ist doch wahrlich der Weg nicht der rechte, auf welchem man dieser Erscheinung entgegentritt, und die Waffe verächtlich, mit welcher man sie bekämpft. Dem intelligenten Lheile unserer Glaubensgenossen/ welchem Religionsprincipe er auch angehöre, muß es misfallen, wenn aus der einen Seite mit Bann und Interdikt, auf der andern Seite mit. Verspottung und Beschimpfung der ernste Kampf der Zeit im Reiche der Religion geführt wird. Es ist eine traurige Erscheinnng, daß der Fanatismus der beiden Ultras, der Ultraorthodoxen und der Radikalen in israelitischen Journalen einen Boden gefunden, auf welchem er sich tummelt. Je mehr sich Ihr Blatt von dieser Parteisucht, die in gemeine Persönlichkeit ausartet, frei hielt, desto stärker tritt der Wunsch hervor, daß Sie den Orient auch ohne Literaturblatt an die' Laien abgeben sollten. Das Literaturblatt wird von den Gelehrten mit Freuden 'gelesen, ist aber für den Ungelehrten nicht verständlich, der nach dem Aeittmgsblatte ohne diese Beilage gewiß greifen würde, so daß von diesem Blatte dann einige Hundert Exemplare mehr abgedruckt und für v^n Preis j von 3 Thlr. abgegeben werden dürste. — b.! Wie ersten Regungen einer deutsch-jüdischen Kirche. Schon seit einigen Monaten vernehmen wir ein Gerücht, daß von Berlin aus eine neue Reformbewegung des Iudenthums ausgehen sollte; die im Sinne des Radikalismus gehaltenen Vorträge von Dr. Stern, die mit großem Beifall ausgenommen wurden, die bizarr - konservativen Vorträge des R.-A.'ß Sachs, welche zur Hervorbringung einer. Reaktion vollkommen geeignet waren, und der lang niedergehaltene Zündstoff von dem Frankfurter Reform-Vereine her, der in seinem ersten Erscheinen durch Wsgriffe verunglückte, gaben dem Gerüchte einen Schein der Wahrscheinlichkeit. Aber nicht blos von Berlin, wo noch der Indifferentismus seinen Staub nicht abgeschüttelt, sondern auch von Breslau, Frankfurt und Königsberg aus, wo die Gegensätze auch staatlich klarer hervortreten, vernahm man die Kunde von neuen religiösen Bewegungen im Iudenthume, von der Sehnsucht, das alte Gewand des Nn'entalismus abzulegen, und die faktisch inchtbeachteten Gesetze und Cermonien, die faktisch nicht geglaubten Dogmen und Lehrsätze auch de jure als aufgehoben zu bekennen. Die deutsch-katholische Kirche mit ihrem unglücklich gewählten Namen gab zur ersten Erhebung die Veranlassung, und folgende wichtige Aktenstücke sind darüber bekannt geworden: 1) Eine nicht Unterzeichnete,Erklärung" in der Breslauer Zeitung, von welcher Hr. Dr. Geiger sagt, daß sie aus einem achtbaren Kreise gekommen und daher die höchste Beachtung nach seiner Meinung verdiene. 2) Eine Erklärung des Dr. Geiger über jene Erklärung, die unmittelbar darauf folgte und fast gleichzeitig, wenn .nicht schon vorher, abgefaßt scheint, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf jene Erklärung zu lenken. 3) Eine dritte und vierte Erklärung aus Berlin, wo schon manches Unbedeutende vorangegangen. In Berlin hat sich bereits zu diesem Zwecke ein Comite gebildet, um dieser neuen Bewegung eine Richtung zu geben. Diese Aktenstücke mögen hier, in einem Blatte, dessen Elemente vorzüglich die Geschichte ist, nach.einander veröffentlicht werden, ohne Parteinahme für oder gegen die Bewegung, ohne auf den eigentlichen Gegenstand des Kampfes, der zu erwarten steht, einzugehen. I. Erklärung achtbarer israelitischer Gemeinde- Mitglieder in Breslau. Der erwachsene Ernst im religiösen Leben scheint nun auch den Juden die unhaltbare Stellung zum klaren Bewußtsein gebracht zu haben, welche die gebildetem unter ihnen zudem geltenden jüdischen Religionsbekenntnisse emmhmen. VonBer-