Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1845)
- Date
- 1845-04-16
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360364-2360381--4918-3531200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 welchem th «richten Leichtsinn deutsche Redakteure anonymen und unverantwortlichen Schmähern Gehör geben, und zwar auf eine Weise, wodurch sie ihre eigene Stellung und ihren eigenen Charakter kompromittiren. — Es ist übrigens sehr befremdend, daß, wahrend die englisch-jüdische Presse weder Mühe noch Kosten scheut, sich die deutschen, französischen und transatlantischen Schriften unserer Zeitgenossen zu verschaffen, und während sich besonders die letztgenannten Mühe gaben, ihre Leser durch sorgfältige Erkundigung vor Lüge und Täuschung zu schützen, die Spalten einiger unserer deutschen Kollegen, nach einem System, das ihre eigene Würde herabsetzt, ungerecht gegen ihre Leser, doppelt ungerecht gegen die englischen Juden und ihre Presse, entweder über alles was sie betrifft schweigen, oder was ungleich schlimmer ist, sie zur Verbreitung nichtswürdiger Unwahrheiten für unsere Herabwürdigung öffnen". — Diese Rüge dünkt uns noch allzulind fitr ein Organ , das das absolute Moralprincip, ohne religiösen Regulator, zur Volksreligion machen will. In dem talmudischen Zeitalter war es Grundsatz „die Menschen lügen nicht, wenn vie Lüge leicht e an den Tag kommen kann", unser Eisenacher-Rabbi aber, Mitglied der R.-Vg. und des R.-V's. rc. scheint faktisch diesen Erfahrungssatz zu widerlegen und daher muß auch der für unsere hohe sittliche Kulturstufe antiquirte Talmud abgeschafft werden! K—m. Hamburg, im März. In den Frankfurter Blättern lesen wir schon zum fünstenmale eine Aufforderung zu milden Gaben für das Kloster auf dem Berge Karmel, welche unter den Ortsgeistlichen auch der Rabbiner Stein in dieser Eigenschaft nnterzcichnet hat. Wollen wir auch von der Frage abstrahiren, in wie weit sich ein Rabbiner für ein Kloster, das zur Ehre der Jungfrau Maria gestiftet wurde, interessiren dürfe, selbst wenn außer dem konfessionellen Zweck, den erkrankten Wallfahrern nach dem heiligen Grab ein sicheres Asyl zu geben, dasselbe auch sein „Wohlthun ohne Rücksicht auf Konfession" verbreitet (?), so kann doch kein Jude diese Aufforderung, ihrem wörtlichen Sinne nach, ohne Schamröthe unterzeichnen. Die Aufforderung enthält die Worte: „Das Kloster re. gehört zu den Stelleir auf dieser weiten Erde, über welche G eschichte, Zweck und Glauben gleichsam einen Heiligenschein verbreitet". Der Berg Karmel wird zwar in der Bibel als der Aufenthalt des Propheten Elias und Elisa angegeben (1 Kön. 18, 19-—40; 2 Kön. 4, 25) und dient wegen seiner anmuthigen Lage und Fruchtbarkeit zum Bilde vieler Naturschildcnmgen in den prophetischen Büchern (Jes. 33, 9; 35, 2; Jerem. 50, 19; Amas 1, 2), von einem bcsondern Heiligenschein wissen aber unsere Geschichtswerke nichts, und nur bei den heidnischen Historikern erhielt dieser'Berg daö Ansehen einer gewissen Heiligkeit (Tacit. Hist. II, 78; Suet. Yesp. c. 5)., Und nun vollends den Heiligenschein eines Klosters anzuerkennen, ist mehr als ein Liebäugeln mit christlichen Bildern. „Der Klosterbruder Jean Baptiste faßte den Entschluß,, die fromme Stiftung wieder herzustellen, lesen wir weiter, und legte mit keinem andern Mittel, als dem Muth eines wahren Christen ausgerüstet re. Wenn es „mit dem Muth eines wahren christlichen Geistlichen" geheißen hätte, so würde dieser Ausdruck etwas Wahres und für dasJudenthum nichts Verletzendes enthalten haben; denn unsere Geistlichen, die sich so gern außerhalb des Judenthums, auf einen allgemeinen philantropischen Standpunkt stellen, besitzen wirklich den Muth nicht, für den Ueberrest jüdischer Heiligthümer ein ernstes aufforderndes Wort zu reden, oder zu milden Gaben für unsere Glaubensbrüder in Mogador, was der edle Monteft'ore so angelegentlichst empfohlen hatte, öffentlich aufzufordern, wahrend sie mit kriechender Nachahmungssucht für das Dorf eines Kantons, beffcn judeufeindliche Gesinnung bekannt ist, Spenden sammelten. Aber die Inden im Allgemeinen besitzen Muth genug, sowohl für unser vorenthaltenes Recht zu kämpfen — dies zeugt unser Riesser —, als Wohlthätigkeits - Instituten zu gründen — dies zeugen unsere reich fnndirtm Anstalten; sie besitzen Muth genug sich über ihre Rabbiner in jeder Beziehung zu erheben und denselben das Verletzende und Schmähliche vorzuhalten. Frankfurt a. M., 26. März. Wir haben bereits in diesen Blättern (1844 Nr. 12) dargelegt, daß nach streng halachischer Vorschrift der Gebrauch des gewöhnlichen Zuckers und der Hülsenftüchte für das Passafest erlaubt sei. Es freut uns nunmehr berichten zu können, daß unser Rabbiner Stein mit dem Muth eines wahren Talmudisten, auf der Kanzel diese Statthaftigkeit gleichfalls ausgesprochen hat. Was sich mit dem Talmud in der Hand erlauben läßt, muß srei ausgesprochen werden; denn eingeschlichene Erschwerungen sind keineswegs durch vieljährigen Bestand so geheiligt, um über die Autorität der talmudischen Halacha gestellt zu werden. Wir besitzen zwar keineswegs die Autorität der Talmudisten, bei denen — weil so nahe zur Geschichtöguelle —sich die traditionellen Gesetzbestimmungen , in Wort und That fortgepftanzt hat, um, wie es so manche wollen, nach dem Winde der Zeit das lebendige Wort Gottes zu drehen und zu deuten; besitzen aber gleiche Autorität wie die Kasuisten einer jungem Periode, mit ihnen da rechtlich widersprechen zu können, wo wir an den Talmud eilten Stützpunkt haben. Wir erlauben uns daher auch den Gebrauch der gewöhnlichen Butter für das Passafest zu beantratragen, besonders da die Geonim solches bereits ausgesprochen haben, (pi^nt HNonnar mn V't owaon p