Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1845)
- Date
- 1845-04-16
- Page
- Seite 124 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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124 giltig ist, wenn sie nur ruhig in ihrem bequemen Lehnstuhl sitzen bleiben können, unter des frommen Käppchens Heiligem Schutze, alle vier Wochen sich erhebend um die Gemeinde zu erbauen, und — ihren Gehalt regelmäßig weiter beziehend; und eine dritte Sippschaft die sich fürchtet vor dem Unwillen des reichen Schutzherrn, oder gar — Schmach und Schande — vor den Drohbriefen des hochmögenden Amsterdammers: ich bin nicht Thor genug, um meiner Beredsamkeit geringe Kraft an die Leute verschwenden zu wollen. Euch aber rufe ich auf, die Ihr in Euch die Kraft fühlt, mit wissenschaftlichen Waffen zu streiten und mit der Gabe-der Rede; die Ihr den Muth habt, der sich nicht scheut vor den: frommen Kopfschütteln und Achselzucken, vor dem verketzernden Geschrei, vor dem Verdacht, daß Ihr Eurer Fahne untreu, daß Ihr „Essig geworden" seid — aber auch den Muth, dem Treiben Radikaler mit Entschiedenheit entgegen zu treten und denen Trotz zu bieten, die Euch als Finsterlinge verschreien werden -— Euch fordere ich auf. Euch beschwöre ich: legt die Hände nicht in den Schooß, rüttelt Euch auf aus Eurer Lethargie, stellt Euch zum Kampfe für das Höchste und das Heiligste! Wer unter Euch Augen hat ju sehen, der sieht es ein, daß es Zeit ist für den Herrn zu thun; Zeit einzmeißen, festzuhalten, anfzubauen; wer unter Euch nicht gewissen los ist, der muß es wissen, daß sein Amt ihm nicht blos Rechte und Einkünfte bringt, sondern auch Pflichten, daß eine schwere Verantwortlichkeit auf seinen Schultern liegt; wenn nicht Alles, was ein Tälmudist gesagt hat, eine Thorheit ist, eben weil es ein solcher gesagt hat, dem rufe ich Hillel's Worte zu: Wo keine^ Männer sind, da strebe du ein Mann zu sein t Euch kann nur die Besorgniß noch zurückschrecken, daß Ihr ganz vereinzelt dastehen und vom Strome sortgerissen oder von seinem Brausen ganz übertont werden dürftet — wohlan, das zu verhindern steht bei Euch! Setzt Euch in Verbindung mit den Gleichgesinnten, gebt Euch einander das Wort, daß Ihr nicht ausbleiben wollt, seid thatig und gesinunngsvoll! Und werdet Ihr gleich auch dann noch in der Minorität sein, nun so habt Ihr Eure Pflicht gethan, Eure Stimme wird nicht ganz ungehört verhallen, und dem Hüter Israels mögt Ihr das Weitere dann überlassen l Einer der sich zu den Eurigen zählt*). Frankfurt <i* M., 4. April. Die Voice of Jacob (Nr. 98) hat unter der Ueberschrift „Außergewöhnliches Misverständniß" (Lxlraorälnan^ Msrexresentalion) folgenden interessanten Artikel, den wir in wörtlicher Uebersetzung hier mittheilen. *) Jur Erläuterung diene, daß der Verfasser zur Zeit der ersten R.-V. noch nicht in einem öffentlichen Amte stand. „Wir erhielten Schreiben von den Herren D. H. Adler (Bruder des Dr. Adler) und L. H. Löwenstein aus Frankfurt a. M., die uns auf den Inhalt eines Artikels in der Wochenschrift „der Israelit des 19. Jahrh.", vom 9. März aufmerksam machten. , ©er beregte Artikel hat zur Ueberschrift „London, Februar — The Yoice of Jacob", woraus hervorgehen könnte, daß er wirklich unserem Blatte entnommen sei; wir fühlen uns daher aufgefordert, seinen Inhalt zu widerlegen. — Wir haben darauf nur Eine nachdrückliche Antwort zu geben: Der ganze Artikel ist fabrieirt (it is a fabrication throughout). Der einzige Artikel in unfern Februar-Blättem, der auf Dr. Adler Bezug hatte, ist datirt vom 14. Febr., in dem wir sein Annahme- Schreiben inUebersetzrmg veröffentlichten, dem ein Paragraph von der offieiellen Notifikation seines Gehalts vorausging. Die einzigen Bemerkungen, die wir daran knüpften, bestanden in der Erläuterung zweier Klauseln des Vereins-Protokolls, in welchem die englischen Gemeinden übereingekommen waren, dm von der Majorität gewählten Oberrabbmer anznerkennen. , Weder in dieser noch in irgend einer andern Nummer der V. of J. ist ein Passus zu finden, welcher das Material zu den falschen Berichten in dem „Israelit" hätte Liefern können. DaS Gegentheil hiervon wollen wir der Reihe nach beweisen. ' 1. Es wurde vorgebracht, daß von vielen Tausenden nur 134 Personen gestimmt hätten". Der officielle Wahlbericht giebt allerdings nur diese Zahl der Votanten an; allein die V. of J. enthielt in Nr. 91 eine genügende Erklärung hierüber, daß nämlich diese Zahl der Votanten nur das Verhältniß des Einflusses (inerely the ratio of influence) repräsentirte, welchen die verschiedenen Gemeinden für die letzte Wahl anzuwenden übereingekommen waren. 2. Klagen über Jnirigum, gesetzwidrigen Einfluß und bereits lautgewordme Unzufriedenheit finden nicht die geringste Unterstützung tu unseren Spalten (cf. Nr. 91, 92). 3. Sollen wir gesagt haben, Dr. A. sei kein Prediger; daß er als Süddeutscher (?) das englische nicht korrekt spreche, und endlich hätten wir noch die insolenten Worte hinzugefügt „daß er gleichwohl gut genug für die Engländer sei". Man lese aber nufere wirkliche Meinung über Dr. A. in Nr. 83 und 92. Wir können unmöglich glauben, daß Dr. Heß, der Herausgeber des „Israelit" anders an dieser trügerischeu Unterschiebung Theil haben könne, als daß er leichtsinniger Weise diesen fätrieirten Artikel ausgenommen hat. Wenn er seinen Korrespondenten kennt, so kann er sich der Pflicht nicht entziehen, ihn deshalb zur Rede zu stellen; wenn er ihn aber, was uns wahrscheinlicher dünkt, nicht kennt, dann liefert dies einen Beweis mehr, mit